Drittes Minus in Folge für die deutschen Autokonzerne
5 Min. Lesezeit
Während die Autobranche weltweit ein Rekordhalbjahr erreicht, schrumpft das Geschäft der drei deutschen Gruppen zum dritten Mal in Folge. Die IG Metall hat Beschäftigte von Herstellern und Zulieferern für den 21. September zu einem bundesweiten Aktionstag aufgerufen und verlangt Investitionen statt Ausschüttung.
Das Wichtigste in Kürze
- EY hat die Halbjahreszahlen der 19 größten Autokonzerne veröffentlicht. Die Branche erreicht ein Rekordhalbjahr, das deutsche Trio schrumpft zum dritten Mal in Folge.
- Der operative Gewinn der drei deutschen Konzerne gab um rund ein Fünftel nach. Die Marge bleibt zwar über dem Branchenschnitt, entfernt sich aber vom langjährigen Durchschnitt.
- Der Absatz der deutschen Hersteller in China sank um rund ein Viertel. Constantin Gall von EY sieht darin das größte Einzelrisiko der deutschen Gruppen.
- Die IG Metall hat für den 21. September über 280 Aktionen angemeldet. Die Gewerkschaft fordert Investitionen statt Ausschüttung, niedrigere Stromkosten und Hilfe für den Zulieferer-Umbau.
Verwandt:DIHK-Umfrage: China-Konkurrenz trifft Firmen ohne Export / ifo-Index klettert auf 86,6: Standort bleibt Risiko
Was ist die EY-Autobilanz? Die Beratungsfirma EY wertet jedes Quartal die Bilanzen der 19 umsatzstärksten Autokonzerne aus. Die Veröffentlichung vom 20. September 2026 umfasst das erste Halbjahr.
EY zeichnet eine geteilte Bilanz der Autobranche
Constantin Gall von EY spricht von einer Profitabilitätskrise. Die deutschen Hersteller verlören demnach Marktanteile und vor allem Ertragskraft.
Der Unterschied innerhalb der Branche ist erheblich. Der zusammengefasste Umsatz aller Konzerne stieg auf knapp 1.050 Milliarden Euro, ein Rekord für ein erstes Halbjahr. Das Geschäft von Volkswagen, Mercedes-Benz und BMW sank dagegen auf rund 284 Milliarden Euro, das dritte erste Halbjahr in Folge mit rückläufigen Erlösen.
Fünfzehn der neunzehn Konzerne steigerten ihren Umsatz, angeführt von Tesla, Suzuki und Geely. Volkswagen, Mercedes-Benz und BMW stehen am Ende dieser Rangliste, auf den Plätzen 16, 17 und 19. Die wichtigsten Kennzahlen beider Seiten stehen in der folgenden Gegenüberstellung.
| Kennzahl H1 2026 | 19 Konzerne weltweit | VW, Mercedes, BMW |
|---|---|---|
| Umsatz | plus 3,6 Prozent auf 1.048 Mrd. Euro | minus 2,9 Prozent auf 284 Mrd. Euro |
| Operativer Gewinn | plus 11,4 Prozent auf 43,7 Mrd. Euro | minus 19,0 Prozent auf 13,0 Mrd. Euro |
| EBIT-Marge | 4,2 Prozent (plus 0,3 Punkte) | 4,6 Prozent (minus 0,9 Punkte) |
Quelle: EY-Analyse der Automotive-Bilanzen zum ersten Halbjahr 2026, veröffentlicht am 20. September 2026.
Die Margen der deutschen Gruppen fallen unter den langjährigen Schnitt
Auch beim operativen Ergebnis entwickelt sich die Branche anders als das deutsche Trio. Der Gewinn der gesamten Branche stieg um mehr als ein Zehntel, zu dem Anstieg tragen die US-Hersteller bei, deren operatives Ergebnis um rund ein Drittel zulegte. Das operative Ergebnis weist den Gewinn aus dem Kerngeschäft aus, vor Abzug von Zinsen und Steuern.
Die drei deutschen Konzerne verloren beim operativen Gewinn dagegen knapp ein Fünftel. Es ist ihr schwächstes Halbjahresergebnis seit 2020, genau darin sieht EY die schrumpfende Ertragskraft. Die Marge setzt dieses Ergebnis ins Verhältnis zum Umsatz und sagt aus, wie viel Gewinn je umgesetztem Euro übrig bleibt.
Die Marge der Branche stieg leicht, die deutschen Gruppen liegen weiterhin darüber, verloren binnen eines Jahres aber neun Zehntel Punkte. Der Zehnjahresdurchschnitt der Branche liegt bei 5,9 Prozent, die deutschen Konzerne erwirtschaften also spürbar weniger, als es über zehn Jahre üblich war.
Der Abstand zu den profitabelsten Wettbewerbern ist groß. Toyota arbeitet mit einer Marge von 6,3 Prozent, Volkswagen nur mit 3,8 Prozent.
Das China-Geschäft der deutschen Hersteller bricht um ein Viertel ein
In China setzten die drei deutschen Konzerne im ersten Halbjahr 25 Prozent weniger Fahrzeuge ab als ein Jahr zuvor. Der Rückgang fällt damit weit höher aus als das Minus des Gesamtgeschäfts. Gall nennt den Markt deshalb das größte Einzelrisiko der deutschen Gruppen.
Der Anteil Chinas am Weltabsatz der drei Konzerne liegt nur noch bei 23,5 Prozent. 2020 lag er bei 39,4 Prozent, der Markt hat für die deutschen Gruppen also spürbar an Bedeutung verloren.
Chinesische Konkurrenz erhöht den Preisdruck in Europa
Die Autokonzerne aus China verloren zwar weltweit acht Prozent Absatz, in Europa aber legten sie um 44 Prozent zu. Europa ist der Heimatmarkt der deutschen Hersteller.
Die Marke BYD steigerte ihren europäischen Absatz um 168 Prozent. Der operative Gewinn der chinesischen Gruppen sank derweil um 22 Prozent. Gall erklärt, Expansion und Preiswettbewerb kosteten die Anbieter Geld, sie hielten gleichwohl daran fest und erhöhten damit den Preisdruck in Europa.
Gall sieht den Standort Deutschland als Belastung
Für Gall gerät der hohe Produktionsanteil in Deutschland zunehmend zur Belastung, er verweist auf die Lohnkostenproduktivität, die Energiepreise und die regulatorischen Kosten. Nach seiner Einschätzung bleiben Stellenabbau, Verlagerungen und der Verkauf ganzer Werke deshalb Thema.
heise und das Handelsblatt berichten über Stellenabbau bei den drei Herstellern und bei Zulieferern wie Bosch, ZF Friedrichshafen und Mahle.
„Wir haben die Talsohle noch nicht erreicht, die Krise hält an.“
Constantin Gall von EY, 20. September 2026
IG Metall hat zu bundesweiten Protesten aufgerufen
Die IG Metall hat für den 21. September einen bundesweiten Aktionstag angekündigt, das Motto lautet „Zukunft statt Kahlschlag“. Über 280 Aktionen in rund 100 Geschäftsstellen hatte die Gewerkschaft dafür angemeldet. Die Gewerkschaft nennt Zehntausende Beschäftigte von Herstellern und Zulieferern als Teilnehmer.
An die Arbeitgeber richtet die Gewerkschaft die Forderung nach Zukunftsprodukten und Investitionen statt Ausschüttung, dazu kommt die Forderung nach der 35-Stunden-Woche. Von der Politik verlangt sie Handelsschutz und Local Content, also verbindliche Wertschöpfung vor Ort.
heise zitiert Hildegard Müller aus einem Handelsblatt-Gastbeitrag. Die Präsidentin des Verbands der Automobilindustrie schreibt dort, Produktion in Deutschland sei „kein Naturgesetz“ und die Auslastung der Werke „kein Selbstläufer“.
Häufige Fragen
Was misst die EY-Analyse und was nicht?
EY wertet quartalsweise die Finanzkennzahlen der größten Autokonzerne aus, immer gebündelt pro Konzern. Die Diagnose der Profitabilitätskrise gilt damit für die Konzernebene.
Warum wächst der Gewinn der Branche, obwohl die deutschen Konzerne schrumpfen?
Der Branchenanstieg ist überzeichnet. Mehrere Konzerne hatten im Vorjahr hohe Abschreibungen auf ihr Elektrogeschäft verbucht, was die Vergleichsbasis senkt. Ohne diesen Sondereffekt fällt der Zuwachs geringer aus.
Wie viele Menschen haben am Aktionstag teilgenommen?
Eine Gesamtzahl der Teilnehmenden ist nicht bekannt. Die IG Metall zählt nach Aktionen und Geschäftsstellen, nicht nach Personen.
Weiterlesen auf MyBusinessFuture
MyBusinessFutureFachkräftemangel: Logistik setzt auf KI statt auf SchulungMyBusinessFutureDestatis meldet 12.812 Insolvenzen, Höchststand seit 2013MyBusinessFutureDestatis warnt: 2,9 Prozent Inflation durch EnergiepreiseMehr aus dem MBF Media Netzwerk
cloudmagazinTypeSafe Jev: revolutionärer Ansatz für KI-Entscheidungen?Digital ChiefsDeloitte: 14 Prozent der Firmen liefern ihr Sparziel vollSecurityTodayN-central bleibt ohne Patch aus der Ferne übernehmbarBildquelle: KI-generiert (September 2026)

