Tuschezeichnung: Vor einer Fabrikhalle mit Sheddach steht eine Reihe Schiffscontainer, der vorderste ist rot
10.09.2026

DIHK-Umfrage: China-Konkurrenz trifft Firmen ohne Export

6 Min. Lesezeit

Die Deutsche Industrie- und Handelskammer hat Antworten von rund 1300 Betrieben zum Wettbewerb mit China ausgewertet. Die meisten bleiben im umkämpften Geschäft und fordern zugleich Brüsseler Schutz, der die eigene Beschaffung teurer machen kann. Der Druck erreicht auch Firmen, die nie nach China geliefert haben. Offen bleibt, welche der geforderten Instrumente die EU tatsächlich einsetzt.

Das Wichtigste in Kürze

  • Rund 1300 Firmen antworteten der Kammer im Sommer. 38 Prozent der Betriebe ohne Direktgeschäft melden denselben Wettbewerbsdruck.
  • In der Industrie sehen 83 Prozent wachsende Rivalen. Bundesweit nennen 35 Prozent den Druck stark oder sehr stark.
  • Rückzug lehnen 88 Prozent ab. 19 Prozent planen eine Verlagerung von Investitionen, bei Betrieben mit eigenem China-Standort doppelt so viele.
  • 55 Prozent unterstützen härtere EU-Instrumente und nehmen eigene Nachteile in Kauf. Betriebe mit China-Investitionen wollen eher offene Märkte.

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Was ist die DIHK-China-Umfrage? Die Deutsche Industrie- und Handelskammer hat im Juli und August 2026 Antworten von rund 1300 Unternehmen aus Industrie, Handel und Dienstleistungen zum Wettbewerb mit China gesammelt und die Ergebnisse am 3. September 2026 veröffentlicht.

Auch ohne Chinageschäft reicht der Druck bis in den Binnenmarkt

Zwei Drittel der Befragten spüren eine zunehmende Konkurrenz chinesischer Anbieter, wie die am 3. September 2026 veröffentlichte Sonderumfrage zeigt. 35 Prozent stufen diesen Druck als stark oder sehr stark ein.

In der Industrie liegt der Anteil bei 83 Prozent, im Handel bei 73 Prozent. In Dienstleistungen, Logistik und Transport nennt rund ein Drittel der Befragten eine steigende Konkurrenz. Die Kammer hält fest, dass Industriebetriebe den Wettbewerb vor allem im EU-Binnenmarkt wahrnehmen, Handelsunternehmen vor allem im Inland. Der Wettbewerb findet also dort statt, wo Preise und Lieferzeiten täglich verglichen werden.

Wer in China investiert oder dorthin liefert, spürt den Wettbewerb am deutlichsten. Der Befund bleibt nicht auf diese Gruppe begrenzt. 38 Prozent der Betriebe ohne direkte China-Geschäfte spüren denselben härteren Wettbewerb. Eine Offerte aus dem Inland kann demselben Preisdruck unterliegen wie eine aus China.

Die Kammer sammelt in der Umfrage auch die Gründe, die Betriebe für diesen Druck nennen. Höhere Energie- und Arbeitskosten in Deutschland gegenüber chinesischen Wettbewerbern stehen dabei neben europäischer Bürokratie. Dazu kommen Marktzugangsbeschränkungen durch eine China-First-Politik, Subventionen, der Wechselkurs, der vorrangige Zugriff chinesischer Hersteller auf kritische Rohstoffe sowie Sorgen um geistiges Eigentum. Gleichzeitig beschreiben viele Antworten die Abhängigkeit von günstiger chinesischer Fertigung und günstigeren Vorprodukten. Der Wettbewerber ist damit oft zugleich der eigene Zulieferer.

Zurückziehen wollen fast keine, verlagern schon mehr

Ein Rückzug aus dem umkämpften Geschäftsfeld kommt für 88 Prozent der Befragten nicht infrage. Die Antwort der Betriebe ist nachrüsten: Produktinnovation zuerst, dann Kostensenkung, neue Märkte und Kooperation mit chinesischen Partnern. Unter Importeuren ist die Kooperation deutlich häufiger.

Verlagerung ist die teurere Variante derselben Entscheidung. 19 Prozent planen, Investitionen wegen des Wettbewerbs zu verlagern. Bei Betrieben mit eigenem China-Standort verdoppelt sich dieser Anteil. Nur 12 Prozent erwägen, das Geschäft vollständig aufzugeben. Die Betriebe bleiben also im Markt und gewichten den Standort neu: Betriebe mit Fertigung in China verlagern häufiger, Betriebe mit Fertigung im Inland setzen häufiger auf Produkt und Kosten.

Volker Treier, Außenwirtschaftschef der DIHK, sagt, chinesische Hersteller konkurrierten längst nicht mehr nur über Menge und Preis. Sie seien technologisch stark, innovativ und international präsenter.

89,3 Milliarden Euro
Importüberschuss Deutschlands im Warenhandel mit China im Jahr 2025
Destatis, Pressemitteilung 056, 20. Februar 2026

Härtere EU-Maßnahmen, auch wenn sie wehtun

Die politische Forderung der Betriebe steht zu dieser Betriebsantwort quer. 67 Prozent wollen ein geschlossenes Auftreten der Europäischen Union gegenüber China. 60 Prozent wollen strategische Abhängigkeiten senken, vor allem bei Rohstoffen. 49 Prozent sprechen sich dafür aus, chinesische Unternehmen von kritischer Infrastruktur fernzuhalten. 36 Prozent wollen den Zugang zum EU-Binnenmarkt beschränken. Die Reihenfolge ist klar: erst gemeinsame Linie, dann Abhängigkeit, dann Infrastruktur, dann Marktzugang.

55 Prozent unterstützen härtere handelspolitische Maßnahmen gegenüber China, auch bei eigenen Nachteilen, 37 Prozent lehnen das ab. Die Zustimmung ist in der Industrie und unter den direkt betroffenen Betrieben am höchsten. Darin liegt der Widerspruch der Umfrage: Eine Mehrheit bleibt im Markt und kooperiert teils mit chinesischen Partnern. Eine Mehrheit verlangt zugleich Instrumente, die Vorprodukte und Absatzwege verteuern können.

Treier sagt, der Wettbewerb mit China habe ein neues Ausmaß erreicht. Europa müsse sich gegen unlauteren Wettbewerb wehren können und dazu die vorhandenen Instrumente konsequent nutzen. Pauschale Maßnahmen, die Europa selbst treffen, lehnt er ab. Die Betriebe sind gespalten: 55 Prozent wollen härtere Maßnahmen trotz eigener Nachteile, 37 Prozent lehnen sie ab. Unter Firmen mit eigenem Chinageschäft wollen 32 bis 38 Prozent eher Handelshemmnisse senken. Ob ein Instrument den einzelnen Betrieb trifft, hängt davon ab, wie viele chinesische Vorprodukte in seiner Fertigung stecken.

Die Handelsbilanz 2025 zeigt dieselbe Verschiebung

Die Außenhandelsstatistik des Statistischen Bundesamtes vom 20. Februar 2026 beschreibt dieselbe Verschiebung in Euro. China war 2025 wieder der wichtigste Handelspartner Deutschlands, die Importe stiegen und die Exporte sanken. Der Importüberschuss kletterte innerhalb eines Jahres auf rund 89 Milliarden Euro, nach rund 67 Milliarden Euro im Jahr zuvor.

Die Umfrage misst Wahrnehmung. Die Handelsbilanz misst Mengen und Werte. Beide zeigen dieselbe Richtung: mehr chinesische Ware im Inland, weniger deutsche Ware in China. Für einen Betrieb ohne eigenes Chinageschäft ändert das den Wettbewerb im Heimatmarkt, bevor die erste eigene Exportrechnung betroffen ist. Der Binnenmarkt wird zum Vergleichsort, auch ohne eigene Ausfuhr nach China.

Die Umfrage vom September zeigt, wie die Betriebe auf diese Verschiebung reagieren. Der Druck kommt jetzt in der Breite an, auch bei Firmen ohne Direktgeschäft.

„Der Wettbewerb mit China hat ein neues Ausmaß erreicht.“

Volker Treier, Außenwirtschaftschef der Deutschen Industrie- und Handelskammer

China-Standorte wollen andere EU-Instrumente

Was Betriebe von der EU verlangen, trennt sich entlang der eigenen China-Bindung. Unternehmen ohne China-Bindung neigen zum Abbau strategischer Abhängigkeiten mit 64 Prozent und zum Ausschluss chinesischer Firmen von kritischer Infrastruktur mit 54 Prozent. Firmen mit Export oder Investition in China wollen eher Handelshemmnisse senken (32 bis 38 Prozent). Denselben Betrieben ist ein marktorientierterer Wechselkurs wichtiger (41 bis 43 Prozent). Dieselbe Kammerfrage erzeugt zwei Instrumentenlisten.

Bei einzelnen Instrumenten fällt die Zustimmung niedriger aus als bei der Grundsatzfrage. Rund ein Drittel wünscht einen marktorientierteren Renminbi-Kurs, rund ein Drittel schärfere Handelsschutzmaßnahmen. 7 Prozent lehnen Marktinterventionen aus Furcht vor Gegenmaßnahmen grundsätzlich ab. Die Kammer bildet damit drei Lager ab: Schutz, Öffnung und Zurückhaltung.

Die Mehrheit will EU-Handeln, die Art des Handelns richtet sich aber danach, ob der eigene Umsatz in China liegt. Welche dieser Instrumente die EU-Kommission aufgreift, ist offen. Bis dahin bleiben den Betrieben die eigenen Antworten aus der Umfrage: Produktinnovation, Kostensenkung, neue Märkte oder Kooperation.

Häufige Fragen

Betrifft die Umfrage nur Firmen mit Chinageschäft?

Zwei Drittel aller Befragten spüren China-Konkurrenz. 38 Prozent der Betriebe ohne direkte China-Geschäfte berichten denselben härteren Wettbewerb. In der Industrie liegt der Anteil bei 83 Prozent.

Wollen die Betriebe den Markt verlassen?

88 Prozent wollen das jeweilige Geschäftsfeld nicht räumen. 60 Prozent setzen auf Produktinnovation, 50 Prozent auf Kostensenkung, 39 Prozent auf neue Märkte. 19 Prozent planen eine Verlagerung von Investitionen, bei China-Standorten verdoppelt sich dieser Anteil.

Was fordern die Unternehmen von der Europäischen Union?

67 Prozent wollen ein geschlossenes Auftreten, 60 Prozent weniger strategische Abhängigkeiten, 49 Prozent den Ausschluss chinesischer Firmen von kritischer Infrastruktur. 55 Prozent befürworten härtere Maßnahmen, auch wenn sie selbst Nachteile hätten. 37 Prozent lehnen das ab.

Woher stammt der Importüberschuss von 89,3 Milliarden Euro?

Das Statistische Bundesamt weist für 2025 Importe aus China von 170,6 Milliarden Euro und Exporte nach China von 81,3 Milliarden Euro aus. Der Importüberschuss stieg gegenüber 2024 um 22,4 Milliarden Euro.

Welche betrieblichen Antworten nennt die Umfrage?

60 Prozent setzen auf Produktinnovation, 50 Prozent auf Kostensenkung, 39 Prozent auf neue Absatzmärkte. 31 Prozent kooperieren mit chinesischen Partnern. 19 Prozent planen eine Verlagerung von Investitionen.

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