Billige KI aus China: Was der Einkauf prüfen muss
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Chinesische KI-Modelle kosten im Listenpreis oft nur einen Bruchteil der großen US-Anbieter. Für den Einkauf im Mittelstand ist das eine Kalkulation mit offenen Posten. Sechs Posten entscheiden, ob der Preisvorteil hält: Lizenz, Datenraum, Deutschqualität, Betriebsaufwand, Regulatorik und Verfügbarkeit. Wer nur gegen den teuersten US-Tarif rechnet, kauft einen Rabatt, den er an anderer Stelle teurer bezahlt.
Das Wichtigste in Kürze
- Falsche Referenz: Gegen GPT-5.5 wirken chinesische Modelle extrem günstig. Gegen Mistral Large 3 schrumpft der Abstand deutlich.
- Aktionspreis endet: Bei DeepSeek V3 stieg der Ausgabepreis nach Aktionsende im Februar 2025 auf das Vierfache.
- API kann wegfallen: Am 24. Juli 2026 schaltete DeepSeek zwei eingeführte API-Namen ab. Wer sie fest verdrahtet hatte, stand still.
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Was ist ein Open-Weight-Modell? Ein Open-Weight-Modell ist ein Sprachmodell, dessen trainierte Gewichte frei herunterladbar sind. Ein Unternehmen kann es auf eigener Hardware betreiben, ohne Anfragen an den Anbieter zu senden. Der Quellcode des Trainings und die Trainingsdaten bleiben dabei meist unter Verschluss. Was erlaubt ist, regelt die Lizenz der jeweiligen Modellversion.
Warum der Preisvergleich meist an der falschen Stelle ansetzt
Der Listenpreis chinesischer Modelle ist real und oft spektakulär niedrig. DeepSeek V4 Flash liegt bei rund 0,12 Euro Eingabe und 0,25 Euro Ausgabe je Million Token. OpenAI GPT-5.5 verlangt rund 4,40 Euro Eingabe und 26,39 Euro Ausgabe. Alle Euro-Angaben in diesem Artikel sind zum EZB-Referenzkurs vom 28. Juli 2026 umgerechnet.
Diese Gegenüberstellung verführt den Einkauf dazu, den Abstand zu groß einzuschätzen. Mistral Large 3 aus Frankreich kostet rund 0,44 Euro Eingabe und 1,32 Euro Ausgabe. Gegen dieses EU-Angebot schrumpft der Preisvorteil erheblich. Dort fällt die EU-Datenhaltung als Zusatzprojekt weg.
Der niedrige Listenpreis ist bei mehreren Anbietern ein Aktionspreis. DeepSeek V3 startete mit rund 0,12 Euro Eingabe und 0,24 Euro Ausgabe. Nach Aktionsende am 9. Februar 2025 lag der Standardpreis bei rund 0,24 Euro Eingabe und 0,97 Euro Ausgabe. Der Ausgabepreis stieg über Nacht auf das Vierfache.
Mistral hat den Abstand von der anderen Seite verkürzt. Beim Wechsel von Large 2 auf Large 3 sanken die Preise von rund 1,76 / 5,28 Euro auf 0,44 / 1,32 Euro. Wer den US-Spitzentarif als Messlatte nimmt, übersieht den europäischen Wettbewerb.
| Modell | Eingabe € / Mio. Token | Ausgabe € / Mio. Token |
|---|---|---|
| DeepSeek V4 Flash | 0,12 | 0,25 |
| Qwen3.5-Flash | 0,09 | 0,35 |
| MiniMax M3 | 0,26 | 1,06 |
| Mistral Large 3 | 0,44 | 1,32 |
| Alibaba Qwen3.7-Plus | 0,35 | 1,41 |
| DeepSeek V4 Pro | 0,38 | 0,77 |
| Google Gemini 3.1 Pro | 1,76 | 10,56 |
| OpenAI GPT-5.5 | 4,40 | 26,39 |
| Anthropic Claude Opus | 4,40 | 21,99 |
Quellen: Listenpreise der Anbieter, Stand 28.07.2026. Umrechnung zum EZB-Referenzkurs vom 28.07.2026. MiniMax M3: dauerhaft halbierter Listenpreis. Qwen3.7-Plus: Listenpreis.
Die Tabelle zeigt den Kern der Einkaufsfrage in einer Zeile. Gegen GPT-5.5 und Claude Opus öffnet sich eine große Lücke. Gegen Mistral Large 3 bleibt ein Vorsprung. Der Abstand liegt aber in einer anderen Größenordnung als der US-Spitzenvergleich.
Bei wiederverwendetem Kontext fällt die Eingabe bei DeepSeek V4 Flash auf rund 0,0025 Euro je Million Token. Dort lohnen sich große Mengen bei gleichen Vorspann-Texten besonders. Die Rechnung geht vor allem bei einfachen bis mittleren Aufgaben auf: Einsortieren, Auslesen, interne Zusammenfassungen.
Was im Kleingedruckten steht, wenn das Modell nichts kostet
Kostenlose Gewichte lösen die Lizenzfrage nicht von selbst. DeepSeek V4 steht unter der MIT-Lizenz, einer anerkannten Standardlizenz. Kommerzieller Einsatz und Weitergabe in eigenen Produkten sind damit klar geregelt.
Qwen3.5 in den frei herunterladbaren Varianten nutzt Apache 2.0, ebenfalls ein Standard. Ältere Qwen-Modelle wie Qwen2.5-72B trugen eine anbietereigene Lizenz. Ab 100 Millionen monatlich aktiven Nutzern brauchte es eine separate Vereinbarung mit Alibaba.
Bei Kimi K3 von Moonshot gilt eine eigene Lizenz. Sie ist keine MIT-Lizenz. Zu genauen Schwellen kursieren Angaben, die sich ohne Vertragstext nicht verifizieren lassen. Der Einkauf muss hier selbst in die Lizenzdatei der konkreten Version schauen.
Die Richtung der Änderungen war zuletzt Lockerung. DeepSeek wechselte zu MIT. Qwen wechselte zu Apache. Die Kernaussage für die Freigabe bleibt: Die Lizenz hängt an der einzelnen Modellversion. Wer „DeepSeek ist MIT“ ins Protokoll schreibt, hat die falsche Ebene geprüft.
Der Datenraum entscheidet, welche Option überhaupt zur Wahl steht
Der Datenraum ist der Filter vor dem Preisvergleich. DeepSeek verarbeitet und speichert nach eigener Datenschutzerklärung in der Volksrepublik China. Ein öffentlich verfügbarer Auftragsverarbeitungsvertrag nach Artikel 28 DSGVO für die gehostete API war nicht auffindbar.
Die Behördenlage ist dokumentiert und datiert. Italiens Garante sperrte die DeepSeek-App im Februar 2025. Die Berliner Datenschutzbeauftragte stufte die Datenübermittlung nach China am 27. Juni 2025 als rechtswidrig ein und wandte sich an Apple und Google. Die niederländische Aufsicht warnte im Februar 2025. In Hessen lief ein Prüfverfahren.
Alibaba betreibt sein Model Studio unter anderem in einer Region Frankfurt. Damit existiert eine EU-Bereitstellungsoption. Auftragsverarbeitungsvertrag und Trainings-Widerspruch gehören in die Verhandlung. Der Wortlaut war für diesen Artikel nicht geprüft.
Beim Selbstbetrieb entfällt die Übermittlung der Eingaben an den chinesischen Betreiber. Es bleiben die eigene Verantwortlichkeit, Protokollierungs- und Sicherheitspflichten. Bei personenbezogenen Trainingsdaten für eine Anpassung gilt weiterhin die DSGVO.
Deutsch ist der Posten, den niemand für Sie testet
Für deutsche Fachsprache gibt es 2026 keinen belastbaren systematischen Benchmark mit harten Fehlerraten. MMLU-Pro, wo Qwen3.7-Max mit rund 89,6 Prozent vorn liegt, misst multidisziplinäres Fachwissen überwiegend auf Englisch. Max ist die Spitzenvariante der Familie; in der Preistabelle oben steht der günstigere Plus-Tarif. Der Benchmark sagt nichts über Vertragsdeutsch, Behördenstil oder deutsche Orthografie aus.
Es gibt einen Mehrsprachigkeits-Index mit einem Deutsch-Teil. Westliche Spitzenmodelle liegen dort vorn. Ein DeepSeek-Modell ist gelistet. Saubere Zahlen lagen für diesen Artikel nicht vor. Pauschale Qualitätsversprechen für Deutsch sind damit unbelegt.
Die Konsequenz für den Einkauf ist eindeutig. Der Betrieb muss selbst mit den eigenen Texten testen. Angebote, Vertragsklauseln, Behördenkorrespondenz und Fachbegriffe der Branche sind die einzige belastbare Abnahme. Ohne diesen Test bleibt die Qualitätsannahme spekulativ.
Warum Selbstbetrieb kein Sparprogramm ist
Die Hardwarekosten für den Eigenbetrieb liegen in einer anderen Liga als der Tokenpreis der API. DeepSeek V4 Flash braucht in stark reduzierter Rechengenauigkeit rund 140 bis 158 Gigabyte Grafikspeicher. Zwei A100-Karten mit je 80 Gigabyte decken das gerade eben ab.
In voller Genauigkeit sind es rund 500 Gigabyte. DeepSeek V4 Pro liegt bei rund 2,4 Terabyte, also bei mehreren Serverknoten. Acht H100 als Mietkapazität lagen bei einem Anbieter bei rund 30,54 Euro je Stunde. Das ist der Einstieg in den Betriebsaufwand, noch ohne Strom und Personal.
Eine vollständige Gesamtkostenrechnung für den DACH-Mittelstand mit Strom, Personal und Abschreibung liegt nicht vor. Produktivbetrieb mit Überwachung, Aktualisierungen und Ausfällen ist keine Nebentätigkeit eines IT-Mitarbeiters. Eine belastbare Zahl an Vollzeitstellen gibt es öffentlich nicht.
Gerade weil die API so billig ist, rechnet sich der Eigenbetrieb über den Tokenpreis nicht. Wer selbst hostet, kauft Kontrolle über Daten und Laufzeitumgebung. Wer Ersparnis sucht, bleibt bei der API und rechnet die Folgekosten der sechs Posten ein.
Der Termin, der am 2. August greift
Der EU AI Act gilt seit dem 1. August 2024. Die Pflichten für allgemeine KI-Modelle laufen seit dem 2. August 2025. Am 2. August 2026 greift die allgemeine Anwendbarkeit samt Durchsetzung durch die Kommission. Das ist der nächste harte Termin in dieser Kalkulation.
Wer ein fremdes Modell nur einsetzt, ist Betreiber und hat Betreiberpflichten. Dazu gehören Transparenz und KI-Kompetenz. Bei hohem Risiko kommen weitere Pflichten hinzu. Das gilt unabhängig vom Herkunftsland des Modells.
Wer das Modell unter eigenem Namen in Verkehr bringt, den Zweck wesentlich ändert oder es substanziell verändert, wird selbst Anbieter. Die Kommission nennt als Richtwert unter anderem ein Nachtrainieren mit mehr als einem Drittel des ursprünglichen Rechenaufwands. Ein Nachtrainieren auf eigenen Daten kann die Rolle im Sinne des Gesetzes drehen. Das ist die teuerste Falle in diesem Posten.
Die Open-Source-Ausnahme deckt nicht alles ab. Die Urheberrechts-Leitlinie und die Zusammenfassung der Trainingsdaten bleiben Pflicht. Wer freie Gewichte nutzt, spart den Modellkauf. Die Dokumentationspflichten bleiben bestehen.
Die US-Debatte trifft deutsche Nutzer indirekt
Die US-Chip-Ausfuhrbeschränkungen bestehen fort. Am 20. Juli 2026 wurde berichtet, dass die US-Regierung erneut Beschränkungen für chinesische KI-Modelle prüft. Ein vollzogenes generelles Verbot gibt es Stand heute nicht. Für deutsche Unternehmen wirkt das indirekt über Cloud-Kataloge, US-Töchter und Lieferanten.
Eine flächendeckende Entfernung chinesischer Modelle aus westlichen Cloud-Katalogen in der EU hat es nicht gegeben. Einzelne Streichungen gab es. DeepSeek V3 verschwand im April 2025 aus dem Modellkatalog von GitHub. Das bleibt ein Einzelereignis im Katalog eines einzelnen Dienstes.
Was passiert, wenn das Modell in zwölf Monaten weg ist
Am 24. Juli 2026 hat DeepSeek zwei eingeführte API-Bezeichnungen abgeschaltet. Sie verwiesen zuvor auf aktuelle Modellvarianten. Integrationen, die nur diese Namen ansprachen, liefen damit ins Leere. Das ist der konkreteste Beleg für Verfügbarkeitsrisiko in dieser Rechnung.
Heruntergeladene Gewichte laufen weiter, solange die Laufzeitumgebung passt. Bei MIT und Apache gibt es keine Rückrufmechanik und keinen Zwang zur Verbindung nach außen. Wegfallen können Zusatzteile von Dritten: Betriebsabbilder, Vorlagen und Filter.
Viele chinesische Anbieter halten sich an die verbreitete OpenAI-Schnittstelle. Der Code-Aufwand eines Wechsels ist gering. Der Aufwand steckt im erneuten Prüfen der Ergebnisqualität. Programmierung und Abnahme sind hier zwei getrennte Posten.
Eine Durchschnittsangabe, wie lange Modellversionen laufen, liegt nicht vor. Zahlen zu Wechselkosten in deutschen Unternehmen ebenfalls nicht. Der Einkauf plant deshalb mit einer konkreten Exit-Klausel im Freigabeprozess. Ohne benannte Ersatzroute bleibt der Listenpreis ungesichert.
Die Checkliste für den Einkauf
Der Preisvorteil chinesischer Modelle ist echt. Er hält dort, wo die sechs Posten geprüft und freigegeben sind. Die folgende Liste ist für den Freigabeprozess gebaut. Jeder Punkt ist eine abhakbare Frage.
- Gegen welche Referenz rechnen wir den Preisvorteil: gegen GPT-5.5 oder auch gegen Mistral Large 3 und einen EU-Host?
- Ist der genannte Tokenpreis ein Listenpreis, ein Aktionspreis oder ein dauerhaft halbierter Preis? Bis wann gilt er?
- Welche Lizenz gilt für genau diese Modellversion? Erlaubt sie unseren geplanten kommerziellen Einsatz?
- Liegt ein Auftragsverarbeitungsvertrag nach Artikel 28 DSGVO vor? In welchem Datenraum laufen Eingaben und Speicherung?
- Haben wir mit eigenen Texten getestet: Angebote, Vertragsklauseln, Behördenkorrespondenz und Fachbegriffe der Branche?
- Rechnen wir Selbstbetrieb als Datenhoheitsprojekt oder als Einsparung über den Tokenpreis?
- Sind wir Betreiber oder werden wir durch Nachtrainieren oder Zweckänderung selbst Anbieter im Sinne des AI Act?
- Welche API-Namen sind hart verdrahtet? Welche Ersatzroute greift, wenn der Anbieter sie abschaltet?
- Sind heruntergeladene Gewichte und die passende Laufzeitumgebung als Fallback dokumentiert?
- Wer im Haus gibt Lizenz, Datenschutz, Qualität und Exit-Plan vor dem Produktivstart frei?
Wer diese zehn Punkte mit Datum und Verantwortlichem abhakt, kauft einen kalkulierten Vorteil. Wer nur den Listenpreis gegen den teuersten US-Tarif stellt, kauft einen Rabatt mit offenen Posten. Die Entscheidung liegt im Freigabeprozess. Der Termin am 2. August 2026 wartet nicht auf die nächste Ausschreibung.
Häufige Fragen
Lohnt sich ein chinesisches Modell schon allein über den Listenpreis?
Nur wenn Sie den Preis auch gegen Mistral Large 3 und andere EU-Optionen rechnen. Gegen GPT-5.5 wirkt der Abstand riesig. Gegen den EU-Tarif von Mistral Large 3 schrumpft er deutlich. Dazu kommen Lizenz, Datenraum und Abnahmetests mit Ihren Texten.
Reicht die MIT-Lizenz von DeepSeek V4 für den Produktiveinsatz?
Für DeepSeek V4 regelt MIT kommerziellen Einsatz und Weitergabe klar. Die Lizenz hängt an der Modellversion. Andere Modelle desselben Anbieters oder anderer Anbieter können abweichende Regeln haben. Prüfen Sie die Lizenzdatei der genauen Version, die Sie einsetzen.
Wann wird aus dem reinen Einsatz eine Anbieterrolle nach dem AI Act?
Wer ein fremdes Modell nur einsetzt, bleibt Betreiber. Wer es unter eigenem Namen in Verkehr bringt, den Zweck wesentlich ändert oder es substanziell verändert, kann selbst Anbieter werden. Die Kommission nennt als Richtwert unter anderem ein Nachtrainieren mit mehr als einem Drittel des ursprünglichen Rechenaufwands.
Was tun, wenn der Anbieter API-Namen abschaltet?
Am 24. Juli 2026 hat DeepSeek zwei eingeführte API-Bezeichnungen abgeschaltet. Planen Sie vor dem Go-live eine Ersatzroute und vermeiden Sie feste Verdrahtung an Alias-Namen. Heruntergeladene Gewichte unter MIT oder Apache laufen lokal weiter, solange die Laufzeitumgebung passt.
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