ifo-Index klettert auf 86,6: Standort bleibt Risiko
4 Min. Lesezeit
Der ifo Geschäftsklimaindex ist im Juli auf 86,6 Punkte gestiegen, weil die Erwartungen sich aufgehellt haben. Mit den laufenden Geschäften sind die Unternehmen etwas weniger zufrieden. Draußen zählt die bessere Stimmung wenig: Jedes vierte Industrieunternehmen sieht seinen Stand außerhalb der EU schwächer.
Das Wichtigste in Kürze
- Der Index steigt, weil die Erwartungen anziehen. Das Geschäftsklima steigt auf 86,6 Punkte nach 85,7 im Juni. Die Erwartungen tragen den Anstieg, die Lagebeurteilung fällt leicht.
- Jedes vierte Industrieunternehmen fürchtet um seinen Stand außerhalb der EU. In der Autoindustrie sind es 43 Prozent. Klaus Wohlrabe nennt die Wettbewerbsprobleme strukturell.
- Die Einkaufspreise folgen der Stimmung nicht. Erzeugerpreise lagen im Juli 3,0 Prozent über dem Vorjahr, Metalle 12,6 Prozent. Strom war 1,6 Prozent günstiger.
Verwandt:Standortwahl: Energiepreis schlägt Autobahnlage / EEG-Novelle 2027: Was Stromkosten dem Mittelstand zumuten
Der Index steigt, weil die Erwartungen sich drehen
Am 27. Juli 2026 legte das ifo Institut den Geschäftsklimaindex auf 86,6 Punkte. Im Juni hatte er bei 85,7 gelegen. Getragen hat den Anstieg die Erwartung: Sie sprang auf 86,7 Punkte. Die Lagebeurteilung rutschte von 87,0 auf 86,5. Präsident Clemens Fuest sagte, trotz der unsicheren Lage am Persischen Golf zeige sich die deutsche Wirtschaft weniger pessimistisch.
| ifo Deutschland | Juli 2026 | Juni 2026 |
|---|---|---|
| Geschäftsklima | 86,6 | 85,7 |
| Lage | 86,5 | 87,0 |
| Erwartungen | 86,7 | 84,3 |
Quelle: ifo Konjunkturumfragen, 27. Juli 2026. Index 2015 = 100, saisonbereinigt.
Im Verarbeitenden Gewerbe zog der Index spürbar an. Die Betriebe berichteten von besserer Nachfrage, der Materialmangel ließ nach. Die Urteile zur aktuellen Lage fielen trotzdem etwas schlechter aus. Der Klimaindex beschreibt vor allem, wie die nächsten Monate eingeschätzt werden, nicht wie das laufende Geschäft läuft.
Einen Tag später, am 28. Juli, kamen die Exporterwartungen: minus 3,3 Punkte nach minus 3,6 im Juni. Klaus Wohlrabe, Leiter der ifo-Umfragen, sagte, die Exportwirtschaft komme weiterhin nicht richtig in Schwung. Hersteller elektrischer Ausrüstungen und Getränkehersteller bleiben zuversichtlich, im Maschinenbau kehrte die Zuversicht zurück. In der Autoindustrie legten die Erwartungen zu, blieben aber im Minus. Hersteller elektronischer und optischer Erzeugnisse rechnen mit sinkenden Exporten, ebenso die Hersteller von Metallerzeugnissen.
Draußen verliert jedes vierte Industrieunternehmen Boden
Was ist die ifo-Wettbewerbsfrage? Industrieunternehmen sagen, ob sich ihre Position innerhalb und außerhalb der EU verbessert, verschlechtert oder gleich bleibt. Das ist eine andere Umfrage als der Klimaindex.
Die Juli-Umfrage dazu erschien am 19. August. 25,4 Prozent der Unternehmen fürchten, außerhalb der EU an Boden zu verlieren. Innerhalb Europas sehen 17 Prozent eine schlechtere Position. Eine Verbesserung außerhalb Europas melden 5,2 Prozent, innerhalb 6,3 Prozent. Wohlrabe sagte, die deutsche Industrie könne auf den internationalen Märkten weiterhin keinen Boden gutmachen. Gerade außerhalb Europas bleibe der Druck hoch. Die Wettbewerbsprobleme seien strukturell. Kurzfristige konjunkturelle Verbesserungen allein würden daran wenig ändern.
| Branche | schwächer außerhalb der EU | schwächer in der EU |
|---|---|---|
| Industrie gesamt | 25,4 % | 17,0 % |
| Autoindustrie | 43,0 % | 24,8 % |
| Metallerzeugung | 29,1 % | k. A. |
| Chemie | 26,0 % | 22,1 % |
| Maschinenbau | 25,5 % | k. A. |
Quelle: ifo Konjunkturumfrage, Juli 2026, veröffentlicht 19. August 2026. Anteil der Unternehmen, die eine schlechtere Wettbewerbsposition melden.
Die Getränkeindustrie ist die einzige Branche, die ihre Position innerhalb und außerhalb der EU verbessern konnte. Metallerzeugnisse und elektrische Ausrüstungen liegen außerhalb der EU bei rund 25 Prozent, also nah am Industrieschnitt.
Im Mai hatte ifo für April 25,2 Prozent außerhalb der EU und 15,5 Prozent innerhalb gemeldet. Außerhalb Europas hat sich fast nichts bewegt. Innerhalb Europas wurde es enger. In der Autoindustrie stieg der Anteil von rund 38 Prozent auf 43 Prozent. In der Metallerzeugung ging der Wert von 38,3 Prozent auf 29,1 Prozent zurück. Daraus folgt weder ein Industrie-Ende noch ein Erholungsbonus.
Die Einkaufspreise folgen der Stimmung nicht
Am 20. August veröffentlichte Destatis die Erzeugerpreise für Juli. Sie lagen 3,0 Prozent über dem Vorjahresmonat und 1,1 Prozent über dem Juni. Vorleistungsgüter verteuerten sich um 5,4 Prozent, Metalle um 12,6 Prozent, Kupfer und Halbzeug daraus um 28,7 Prozent. Chemische Grundstoffe kosteten 11,5 Prozent mehr.
Energie war 3,8 Prozent teurer als im Juli 2025. Den Ausschlag gaben Mineralölerzeugnisse. Strom fiel um 1,6 Prozent, Fernwärme um 0,7 Prozent. Wer Strom und Mineralöl nicht trennt, sieht den Energieanstieg, aber nicht die Ursache. Am Standort zählt oft der Strompreis. In der nächsten Preiskalkulation zählen Kupfer, Stahl und chemische Grundstoffe.
Ein Maschinenbauer mit US-Geschäft und ein Chemiebetrieb mit EU-Kunden lesen dieselbe ifo-Überschrift und kalkulieren trotzdem anders. Beim einen zählt, ob der amerikanische Einkäufer den Metallaufschlag noch nimmt. Beim anderen, ob der europäische Abnehmer den chemischen Grundstoff zum alten Preis nimmt. Der Industrieschnitt von 25,4 Prozent gilt für keine der beiden Firmen. Die 43 Prozent gelten für Automotive.
Häufige Fragen
Heißt der höhere ifo-Index, dass die Lage sich gedreht hat?
Nein. Im Juli haben die Erwartungen den Index getragen, die Lageurteile nicht. Für die Kalkulation zählen daneben die Wettbewerbsfrage und die Erzeugerpreise.
Gilt der Wert von 25,4 Prozent für den ganzen Mittelstand?
Die Zahl kommt aus der ifo-Konjunkturumfrage in der Industrie. Dienstleister, Handel und Bau stecken nicht in diesem Satz. Die Autoindustrie mit 43 Prozent außerhalb der EU darf den Schnitt nicht ersetzen.
Warum fällt Strom in dieser Rechnung kaum ins Gewicht?
Im Juli war Strom 1,6 Prozent günstiger als ein Jahr zuvor. Den Energieanstieg von 3,8 Prozent trugen Mineralölerzeugnisse. Wer beides in einem Posten führt, rechnet mit der falschen Ursache.
Reicht ein Preisaufschlag, wenn die Stimmung steigt?
Nur bei Kunden, die ihn tragen. Die ifo-Zahl sagt, dass jedes vierte Industrieunternehmen draußen schon schwächer dasteht. Ein Aufschlag, den der Kunde nicht mitgeht, beschleunigt den Verlust.
Was ändert die Ausnahme in der Getränkeindustrie?
Sie zeigt, dass der Druck ungleich verteilt ist. Sie entlastet weder Auto noch Chemie. Die eigene Produktliste entscheidet, nicht der Branchendurchschnitt.
Weiterlesen auf MyBusinessFuture
MyBusinessFutureCloudflare 402: Ihr nächster Kunde ist ein KI-AgentMyBusinessFutureB2B-Plattformen: Warum Marktplätze den Vertrieb verändernMyBusinessFutureDigitaler Produktpass: Was Hersteller tun müssenMehr aus dem MBF Media Netzwerk
cloudmagazinVMware ist weg, das Backup nicht mitgezogenDigital ChiefsWarum KI an den Stammdaten scheitertSecurityTodayCRA-Meldepflicht startet: Frühwarnung binnen 24 StundenBildquelle: KI-generiert (September 2026)
