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17.09.2026

Destatis meldet 12 812 Insolvenzen, Höchststand seit 2013

5 Min. Lesezeit

Das Statistische Bundesamt zählt im ersten Halbjahr 2026 so viele Unternehmensinsolvenzen wie seit 2013 nicht. Am 8. September meldet das Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung Halle für den August weniger Fälle und gleichzeitig mehr betroffene Arbeitsplätze. Destatis kommt mit Gerichtsentscheidungen, das IWH mit aktuellen Registerbekanntmachungen.

Das Wichtigste in Kürze

  • Destatis registriert 12812 Unternehmensinsolvenzen im ersten Halbjahr. Das ist der höchste Stand seit 2013, die Forderungssumme fällt trotzdem.
  • Das IWH zählt im August 1525 Gesellschaften, 10 Prozent weniger als im Juli. Gleichzeitig steigen die betroffenen Jobs in den großen Verfahren.
  • Steffen Müller nennt den August eine Verschnaufpause. Die Frühindikatoren des IWH lagen im Juni und Juli hoch.
  • Marc Evers von der DIHK sieht den Mittelstand unter Druck. Die Kammer verlangt, den Reformkurs zu halten.

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Was ist der IWH-Insolvenztrend? Das Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung Halle wertet monatlich die Insolvenzbekanntmachungen der Registergerichte für Personen- und Kapitalgesellschaften aus. Die Reihe liegt früher vor als die amtliche Destatis-Statistik, zählt aber eine engere Menge.

Destatis zählt 12812 Anträge im ersten Halbjahr

Das Statistische Bundesamt veröffentlicht am 11. September 2026 die Pressemitteilung Nr. 325. Im Juni registrierten die Amtsgerichte 2266 beantragte Unternehmensinsolvenzen, 15,8 Prozent mehr als im Juni 2025.

Von Januar bis Juni summiert Destatis 12812 Anträge. Das sind 6,7 Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum. Eine höhere Halbjahreszahl gab es zuletzt 2013 mit 13253 Fällen.

Die Anträge fließen erst nach der ersten Gerichtsentscheidung in die Statistik. Destatis schreibt, der tatsächliche Antrag liege in vielen Fällen rund drei Monate davor. Die Juni-Zahl beschreibt deshalb oft das Frühjahr.

Die Gläubiger fordern 18,5 Milliarden Euro

Die Amtsgerichte beziffern die Forderungen aus den im ersten Halbjahr 2026 gemeldeten Unternehmensinsolvenzen auf rund 18,5 Milliarden Euro. Im ersten Halbjahr 2025 lagen sie bei rund 28,2 Milliarden Euro.

Destatis führt den Rückgang darauf zurück, dass 2025 mehr wirtschaftlich bedeutende Unternehmen Insolvenz beantragt hatten. 2026 steigen die Fallzahlen, während die Summe der Forderungen fällt.

12812 Anträge
Unternehmensinsolvenzen im ersten Halbjahr 2026, höchster Stand seit 13253 Fällen im ersten Halbjahr 2013
Destatis, Pressemitteilung Nr. 325, 11. September 2026

Verkehr und Lagerei liegen bei 71,6 je 10000

Bezogen auf 10000 Unternehmen zählt Destatis im ersten Halbjahr 36,2 Unternehmensinsolvenzen. Die Häufigkeit ist in drei Wirtschaftsabschnitten deutlich höher.

Wirtschaftsabschnitt Insolvenzen je 10000 Unternehmen
Alle Abschnitte 36,2
Verkehr und Lagerei 71,6
Gastgewerbe 59,6
Baugewerbe 53,4

Quelle: Destatis, Pressemitteilung Nr. 325, 11. September 2026, erstes Halbjahr 2026.

Diese drei Abschnitte stehen im Alltag vieler Mittelständler als Kunde, Zulieferer oder Auftraggeber. Eine höhere Häufigkeit dort trifft auch deren Partner.

Das IWH zählt im August 1525 Gesellschaften

Das Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung Halle legt am 8. September 2026 den Insolvenztrend für den August vor. Es zählt 1525 Insolvenzen von Personen- und Kapitalgesellschaften. Das sind 10 Prozent weniger als im Juli und 9 Prozent mehr als im August 2025.

Gegenüber einem durchschnittlichen August der Jahre 2016 bis 2019 liegt die Zahl um 63 Prozent höher. Der Rückgang zum Vormonat senkt das Niveau, er erreicht das Vor-Corona-Niveau nicht.

Steffen Müller, Leiter der IWH-Insolvenzforschung, sagt, nach den Höchstwerten der vergangenen Monate sei der Rückgang eher eine Verschnaufpause als eine Entwarnung. Trotz erster konjunktureller Erholungssignale bewege man sich weiterhin auf einem hohen Niveau.

Mehr als 16000 Jobs in den großen Pleiten

In den größten 10 Prozent der insolventen Unternehmen waren im August nach IWH mehr als 16000 Arbeitsplätze betroffen. Das liegt 21 Prozent über dem Juli-Wert.

Zum Vorjahresmonat steigt die Zahl um 33 Prozent. Gegenüber dem August-Durchschnitt der Jahre 2016 bis 2019 verdoppelt sich die Zahl der betroffenen Beschäftigten in dieser Gruppe.

Weniger Verfahren können mehr Jobs treffen, wenn größere Arbeitgeber insolvent werden.

Die Frühindikatoren des IWH liefen dem Insolvenzgeschehen in der Regel zwei bis drei Monate voraus. Im Juni und Juli lagen sie hoch, im August niedriger. Wegen der hohen Werte der beiden Vormonate rechnet das Institut in den kommenden beiden Monaten wieder mit hohen Insolvenzzahlen.

Personen- und Kapitalgesellschaften sind nicht die ganze Statistik

Das IWH erfasst Personen- und Kapitalgesellschaften. Diese Gruppe bildet nach Institutsangabe in der Regel mehr als 90 Prozent der betroffenen Arbeitsplätze und 95 Prozent der Forderungen ab.

Destatis zählt Unternehmensinsolvenzen einschließlich Kleinstunternehmen. Die IWH-Fälle machen etwa zwei Drittel der amtlichen Unternehmensinsolvenzen aus. Prozentuale Monatsveränderungen beider Reihen können deshalb auseinanderlaufen.

Reihe Zeitraum Fälle Richtung
Destatis Unternehmensinsolvenzen Juni 2026 2266 plus 15,8 Prozent zum Vorjahr
Destatis Unternehmensinsolvenzen erstes Halbjahr 2026 12812 plus 6,7 Prozent, höchster Stand seit 2013
IWH Personen- und Kapitalgesellschaften August 2026 1525 minus 10 Prozent zum Juli, plus 9 Prozent zum Vorjahr

Quelle: Destatis, 11. September 2026. IWH-Insolvenztrend, 8. September 2026, unter iwh-halle.de. Die Reihen zählen verschiedene Mengen.

Wer die 2266 Juni-Anträge von Destatis neben die 1525 August-Gesellschaften des IWH legt, vergleicht zwei Mengen und zwei Monate. Die Destatis-Gerichtsstatistik des Frühjahrs steigt noch. Der IWH-Registertrend im August fällt bei den Fällen und steigt bei den Jobs.

„Nach den absoluten Höchstwerten der vergangenen Monate ist der Rückgang der Insolvenzzahlen im August eher eine Verschnaufpause als eine Entwarnung.“

Steffen Müller, Leiter der IWH-Insolvenzforschung

Marc Evers warnt vor einem Kurswechsel

Die Deutsche Industrie- und Handelskammer kommentiert die Destatis-Zahlen am 11. September 2026. Marc Evers, DIHK-Mittelstandsexperte, nennt das erste Halbjahr das höchste Niveau seit 13 Jahren.

Hohe Energiepreise, Bürokratie und Fachkräftemangel belasten nach seiner Darstellung vor allem den Mittelstand. Die Politik müsse den Reformkurs halten, statt hinter die Vereinbarungen des Koalitionsvertrags zurückzufallen.

Die Reihen liefern unterschiedliche, zeitlich versetzte Einblicke. Der Rückgang der IWH-Fallzahl im August ist deshalb weder eine Widerlegung der Destatis-Halbjahresbilanz noch schon eine Entwarnung für die folgenden Monate.

Häufige Fragen

Zählen Destatis und IWH dieselben Insolvenzen?

Destatis zählt beantragte Unternehmensinsolvenzen einschließlich Kleinstunternehmen. Das IWH zählt Personen- und Kapitalgesellschaften aus den Registergerichten und kommt damit auf etwa zwei Drittel der amtlichen Fälle. Prozentuale Veränderungen beider Reihen können auseinanderlaufen.

Warum sinkt die Forderungssumme, obwohl mehr Anträge eingehen?

Destatis führt den Rückgang auf weniger wirtschaftlich bedeutende Unternehmen im ersten Halbjahr 2026 zurück. Die Fallzahl steigt auf 12812, die Forderungen fallen auf rund 18,5 Milliarden Euro nach 28,2 Milliarden Euro im Vorjahreszeitraum.

Was bedeutet der dreimonatige Nachlauf bei Destatis?

Anträge fließen erst nach der ersten Gerichtsentscheidung in die Statistik. Destatis schreibt, der tatsächliche Antrag liege oft rund drei Monate davor. Die Juni-Zahl beschreibt deshalb häufig das Frühjahr.

Was misst die IWH-Zahl zu den betroffenen Jobs?

Das IWH nennt die Arbeitsplätze in den größten 10 Prozent der insolventen Unternehmen. Im August waren das mehr als 16000. Die Zahl liegt 21 Prozent über dem Juli-Wert, obwohl die Fallzahl der Gesellschaften sank.

Liegt eine Destatis-Zahl für August 2026 vor?

Eine amtliche Monatszahl für August 2026 liegt nicht vor. Destatis hat am 11. September die Juni-Zahl und das erste Halbjahr veröffentlicht. Der IWH-Trend für den August steht früher zur Verfügung.

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