Zapfpistole an einer Tankstelle, Symbol für den Kraftstoffanteil in der Teuerung (KI-generiert)
08.09.2026

Destatis warnt: 2,9 Prozent Inflation durch Energiepreise

5 Min. Lesezeit

Seit der Tankrabatt am 30. Juni ausgelaufen ist, zahlen Speditionen und Handwerker wieder den vollen Steuersatz auf Diesel und Benzin. Das Statistische Bundesamt schätzt die Inflation für August auf 2,9 Prozent, Energie liegt 10,5 Prozent über dem Vorjahr. Betriebe mit einer Preisklausel auf den Gesamtindex erhalten von diesem Anstieg fast keinen Ausgleich.

Das Wichtigste in Kürze

  • Destatis schätzt die August-Inflation vorläufig auf 2,9 Prozent. Die endgültige Zahl folgt am 10. September 2026, für viele Preisklauseln der eigentliche Stichtag.
  • Energie verteuerte sich um 10,5 Prozent, Nahrungsmittel blieben bei 0,1 Prozent. Der Preisschub kommt fast allein aus dem Energiekorb.
  • Im Juli lagen Kraftstoffe 23 Prozent über dem Vorjahr, Strom darunter. Beides heißt in der Statistik Energie. Bezahlt hat den Anstieg der Fuhrpark, die Halle zahlte weniger als vor einem Jahr.
  • Die Erzeugerpreise zeigen den Schub eine Stufe früher. Mineralölerzeugnisse kosteten im Juli knapp ein Drittel mehr als vor einem Jahr, Kupfer gut ein Viertel mehr.

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Was ist die Kerninflation? Destatis rechnet die Teuerungsrate ohne Nahrungsmittel und Energie. Im August 2026 liegt dieser Wert vorläufig bei 2,4 Prozent und damit unter der Gesamtrate. Er zeigt den Preisdruck außerhalb der beiden schwankungsanfälligen Gruppen.

Der Tankrabatt ist weg, der Sprit bleibt teuer

Am 30. Juni endete der Tankrabatt, mit dem der Bund den Sprit seit dem Frühjahr verbilligt hatte. Für eine Spedition hieß das: Ab dem 1. Juli tankte sie zum vollen Steuersatz. An der Zapfsäule kam davon alles an. Ruth Brand, die Präsidentin des Statistischen Bundesamtes, führte den Preisanstieg im Juli ausdrücklich auf die Energiepreise zurück, die sich überdurchschnittlich verteuert hätten, vor allem die Kraftstoffe.

Am 31. August legte ihr Haus die Schnellschätzung für August vor: 2,9 Prozent Teuerung zum Vorjahr, 0,1 Punkte mehr als im Juli. Im Juni hatte die Rate noch bei 2,3 Prozent gelegen und eine Abkühlung nahegelegt. Diese Abkühlung ist mit dem Ende des Rabatts vorbei.

Aktualisierung vom 10. September 2026: Destatis hat die endgültigen Augustwerte vorgelegt und die 2,9 Prozent bestätigt. Energie liegt 10,5 Prozent über dem Vorjahr, Kraftstoffe 27,7 Prozent. Wer eine Preisgleitklausel auf den Gesamtindex hat, rechnet also mit 2,9 Prozent.

Eine Zahl, zwei Richtungen

Die Gesamtrate ist ein Mittelwert über einen Warenkorb, in dem sich die Preise gerade in entgegengesetzte Richtungen bewegen. Energie zog im August um 10,5 Prozent an, Nahrungsmittel blieben praktisch stabil. Die übrigen Gruppen liegen dazwischen.

August 2026, vorläufig zum Vorjahr
Verbraucherpreise gesamt +2,9 Prozent
Kernrate ohne Energie und Nahrungsmittel +2,4 Prozent
Energie (Haushaltsenergie und Kraftstoffe) +10,5 Prozent
Nahrungsmittel +0,1 Prozent
Dienstleistungen +2,8 Prozent
Waren +3,0 Prozent

Quelle: Statistisches Bundesamt, Schnellschätzung vom 31. August 2026. Energie im Juni +3,4 Prozent, im Juli +8,3 Prozent. Endgültige Werte am 10. September.

Die Schnellschätzung zerlegt Energie noch nicht in Kraftstoff und Haushalt. Die Juli-Zahlen tun das. Sie zeigen den Unterschied zwischen Kraftstoff und Haushaltsenergie: Das Ende des Tankrabatts traf nur die Kraftstoffe. Strom, Gas und Fernwärme lagen im Juli unter dem Vorjahr. Weil Kraftstoffe im Energiekorb der Statistik schwerer wiegen als Strom, steigt die Gruppe trotz billigerem Strom.

Position (Juli 2026) zum Vorjahr zum Vormonat
Kraftstoffe +23,0 Prozent +11,2 Prozent
Diesel k. A. +12,6 Prozent
Leichtes Heizöl +34,7 Prozent k. A.
Haushaltsenergie gesamt -1,4 Prozent k. A.
Strom -5,3 Prozent k. A.
Erdgas einschließlich Betriebskosten -2,9 Prozent k. A.
Fernwärme -1,2 Prozent k. A.

Quelle: Statistisches Bundesamt, Verbraucherpreisindex Juli 2026. Heizöl hat im Korb der Haushaltsenergie wenig Gewicht.

Für einen Betrieb mit Lieferflotte und Fertigungshalle sind das zwei verschiedene Rechnungen. Der Fuhrpark zahlt den Juli-Anstieg, der Strombezug nicht. In der Gewinn- und Verlustrechnung laufen beide Positionen getrennt, in der Umgangssprache heißen sie gemeinsam Energie. Ein pauschaler Energiezuschlag auf alle Artikel verteilt deshalb eine Tankrechnung auf Kosten, die gar nicht gestiegen sind.

Mineralölerzeugnisse kosten die Erzeuger ein Drittel mehr

Eine Stufe vor dem Verbraucher liegt der Erzeugerpreisindex, den Destatis am 20. August für Juli vorgelegt hat. Gewerbliche Produkte kosteten drei Prozent mehr als vor einem Jahr, Mineralölerzeugnisse knapp ein Drittel mehr. Strom blieb auch auf dieser Stufe unter dem Vorjahr.

Erzeugerpreise Juli 2026 zum Vorjahr zum Vormonat
Gewerbliche Produkte gesamt +3,0 Prozent +1,1 Prozent
Energie +3,8 Prozent +3,4 Prozent
Mineralölerzeugnisse +31,4 Prozent +6,6 Prozent
Kraftstoffe +29,4 Prozent k. A.
Strom -1,6 Prozent k. A.
Kupfer und Halbzeug daraus +28,7 Prozent k. A.

Quelle: Statistisches Bundesamt, Erzeugerpreisindex gewerblicher Produkte Juli 2026, veröffentlicht am 20. August 2026.

Zwischen Erzeugerpreis und Verbraucherpreis liegt Zeit. Eine Spedition merkt den Diesel an der nächsten Tankquittung. Ein Metallverarbeiter, der Kupfer einkauft, merkt den Aufschlag erst, wenn der nächste Liefervertrag neu verhandelt wird oder ein laufender Kontrakt ausläuft. Der Verbraucherindex bildet denselben Anstieg später und über den gesamten Warenkorb ab. Eurostat meldete am 1. September für den Euroraum dasselbe Muster: eine Rate von 3,3 Prozent, getrieben von der Energie.

Was der Vertrag aus der Zahl macht

Viele Liefer- und Mietverträge im Mittelstand enthalten eine Preisgleitklausel, die an den Verbraucherpreisindex gebunden ist. Sie greift, sobald Destatis den endgültigen Monatswert veröffentlicht, je nach Vertrag einmal im Jahr oder ab einer vereinbarten Schwelle. Nennt der Vertrag nur die Gesamtrate, folgt die Anpassung den knapp drei Prozent. Der Kraftstoffsprung von 23 Prozent im Fuhrpark bleibt darin unsichtbar. Nennt der Vertrag einen Energieindex, ohne Kraftstoffe getrennt zu führen, mittelt er den Diesel mit dem gesunkenen Strompreis.

Umgekehrt trifft ein pauschaler Energiezuschlag Kunden, deren Ware keinen Kraftstoff enthält. Nahrungsmittel stehen im August bei 0,1 Prozent. Ein Lebensmittelhändler, der einen allgemeinen Aufschlag bekommt, sieht in der Statistik keinen Grund dafür und verhandelt entsprechend. Ein Zuschlag, der nach Fahrt, Tour oder Palette berechnet wird, entspricht dagegen den Juli-Kraftstoffwerten.

Am 10. September veröffentlicht Destatis die endgültige August-Zahl. An diesem Tag steht fest, ob die Anpassung greift und in welcher Höhe. Welche Position sie trifft, steht im Indexbezug des jeweiligen Vertrags: Gesamtrate, Energiekorb oder ein Kraftstoffindex. Ob die August-Zerlegung dasselbe Bild zeigt wie der Juli, teurer Sprit und billigerer Strom, wissen Controlling und Einkauf erst dann.

Häufige Fragen

Ist die August-Zahl schon verbindlich?

Nein. Destatis hat am 31. August eine Schnellschätzung veröffentlicht. Die endgültigen Ergebnisse folgen am 10. September 2026. Ob Destatis die Schnellschätzung revidiert, steht am 10. September fest.

Ziehen Strom und Gas mit dem Sprit mit?

Im Juli 2026 nicht. Haushaltsenergie lag insgesamt 1,4 Prozent unter dem Vorjahr, Kraftstoffe 23 Prozent darüber. Die Erzeugerpreise zeigen dasselbe Muster. Für August liegt diese Zerlegung noch nicht vor.

Was misst der Euroraum-Wert von 3,3 Prozent?

Den Harmonisierten Verbraucherpreisindex, mit dem Eurostat die Länder vergleichbar macht. Der deutsche Wert nach dieser Methode liegt ebenfalls bei voraussichtlich 2,9 Prozent, der Euroraum-Wert enthält einen anderen Energiekorb.

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