Mittelstand bremst Investitionen trotz Bedarf
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92 Prozent der Unternehmen sehen grundlegenden Investitionsbedarf, aber nur 61 Prozent planen im kommenden Jahr auch Investitionen. Diese Lücke aus der aktuellen KfW-Befragung ist die eigentliche Nachricht. Sie zeigt eine Wirtschaft, die genau weiß, was sie tun müsste und es trotzdem aufschiebt.
Für die Geschäftsführung heißt das: Die Lücke zwischen Investitionsbedarf und konkreten Plänen muss sichtbar werden. KfW nennt als Bremsen vor allem das gesamtwirtschaftliche Umfeld sowie hohe Energie-, Material- und Lohnkosten – intern zählen Freigabe und Priorisierung.
Das Wichtigste in Kürze
- Bedarf hoch, Umsetzung niedrig: 92 Prozent melden Investitionsbedarf, 53 Prozent melden konkreten Digitalisierungsbedarf. Nur 61 Prozent planen konkrete Vorhaben.
- Unter Krisenniveau: 57 Prozent investierten im vergangenen Jahr, weniger als im Krisenjahr 2009 mit damals 68 Prozent.
- Kredit als letzte Wahl: Nur 27 Prozent ziehen einen Bankkredit zur Finanzierung überhaupt in Betracht, 2017 waren es noch 66 Prozent.
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Was die KfW-Befragung misst
Zwischen Anfang März und Ende April 2026 hat die KfW 1.567 Unternehmen aus 19 Branchenverbänden befragt. Das Ergebnis fasst der Titel der Auswertung nüchtern zusammen: hohe Investitionsbedarfe, niedrige Investitionsplanungen. Der Bedarf ist da – in konkrete Projekte übersetzen ihn aber nur 61 Prozent der Befragten.
Am häufigsten sehen die Unternehmen ihren Bedarf bei der Digitalisierung, hier melden 53 Prozent konkreten Handlungsdruck. Das passt zum Bild der vergangenen Jahre: Die Notwendigkeit zu modernisieren ist unbestritten, die Umsetzung stockt an anderer Stelle.
Warum die Kreditnachfrage einbricht
Der auffälligste Wert betrifft die Finanzierung. Mehr als ein Viertel der Unternehmen bewertet den Kreditzugang aktuell als schwierig. Gravierender ist die grundsätzliche Haltung: Laut einer Sonderbefragung des KfW-Mittelstandspanels vom Januar 2026 liegt die Bereitschaft, überhaupt einen Bankkredit für Investitionen zu nutzen, auf einem Allzeittief. Nur 27 Prozent ziehen diesen Weg in Betracht, gegenüber 66 Prozent im Jahr 2017.
Das ist mehr als eine Zinsfrage. Wenn Unternehmen selbst bei erkanntem Bedarf keinen Kredit aufnehmen wollen, spielt Unsicherheit die Hauptrolle. Wer nicht weiß, wie das nächste Jahr läuft, bindet sich ungern langfristig. Verstärkend kommt hinzu, dass rund 31 Prozent im Frühjahr 2026 von einer gesunkenen Eigenkapitalquote berichten. Dünnere Puffer machen vorsichtiger.
Eine Investitionsquote unter Rezessionsniveau
Die historische Einordnung macht den Ernst der Lage deutlich. Nur 57 Prozent der Unternehmen haben im vergangenen Jahr tatsächlich investiert. Das liegt unter dem Wert des Krisenjahres 2009, als trotz Finanzkrise noch 68 Prozent investierten. Die aktuelle Zurückhaltung ist damit mehr als eine konjunkturelle Delle. Sie markiert ein strukturell niedriges Niveau.
Als Hauptgrund nennen die Unternehmen, die 2025 nicht investiert haben, das gesamtwirtschaftliche Umfeld, gefolgt von hohen Kosten für Energie, Material und Löhne. Die Diagnose ist eindeutig, die Therapie liegt nur teilweise in der Hand der einzelnen Firma.
Digitalisierung gegen Liquidität abwägen
Für Geschäftsführer entsteht daraus ein Zielkonflikt. Der Digitalisierungsbedarf ist real und wächst mit jedem Jahr des Aufschubs. Gleichzeitig verlangt ein unsicheres Umfeld nach Liquiditätsdisziplin. Beides gegeneinander auszuspielen, führt in die Falle: Wer gar nicht investiert, spart kurzfristig und verliert langfristig Anschluss.
Der Ausweg liegt in der Priorisierung. Nicht jede Digitalisierung braucht ein Großprojekt. Viele wirksame Schritte sind klein, schnell amortisiert und aus dem laufenden Cashflow finanzierbar. Wer die Vorhaben mit dem schnellsten Rückfluss zuerst angeht, hält die Modernisierung in Bewegung, ohne die Liquidität zu gefährden.
Fünf Hebel für die Investitionsplanung
Die Umfrage beschreibt ein Problem, das sich im eigenen Haus angehen lässt. Fünf Hebel helfen, aus der Blockade herauszukommen.
- Amortisation vor Größe: Vorhaben mit dem schnellsten Rückfluss zuerst umsetzen, statt auf das eine Leuchtturmprojekt zu warten.
- Förderung prüfen: Für Digitalisierung und Effizienz gibt es Programme, die den Kapitalbedarf senken und die Kreditskepsis umgehen.
- Cashflow-Finanzierung nutzen: Kleinere Schritte aus dem laufenden Betrieb finanzieren, statt jede Modernisierung an einen Kredit zu knüpfen.
- Eigenkapital im Blick behalten: Die Quote aktiv steuern, damit sie nicht zum stillen Bremsklotz für künftige Vorhaben wird.
- Auf 2027 planen: Die Basis für die erwartete Erholung im schwachen Jahr legen, statt sie zu verpassen.
Häufige Fragen
Wie viele Unternehmen sehen Investitionsbedarf?
92 Prozent der befragten Unternehmen melden grundlegenden Investitionsbedarf, am häufigsten bei der Digitalisierung mit 53 Prozent. Nur 61 Prozent planen in den kommenden zwölf Monaten konkrete Vorhaben.
Warum halten sich Unternehmen bei Krediten zurück?
Nur 27 Prozent ziehen einen Bankkredit zur Investitionsfinanzierung überhaupt in Betracht, ein Allzeittief gegenüber 66 Prozent im Jahr 2017. Neben dem Zugang wirkt vor allem Unsicherheit, verstärkt durch gesunkene Eigenkapitalquoten.
Ist die Investitionsquote wirklich so niedrig?
Ja. Nur 57 Prozent haben im vergangenen Jahr investiert, weniger als im Krisenjahr 2009 mit 68 Prozent. Das deutet auf ein strukturell niedriges Niveau hin, nicht nur auf eine kurzfristige Delle.
Was hält Unternehmen konkret ab?
Die Unternehmen, die 2025 nicht investiert haben, nennen an erster Stelle das gesamtwirtschaftliche Umfeld, gefolgt von hohen Kosten für Energie, Material und Löhne.
Was können Geschäftsführer trotz Unsicherheit tun?
Klein anfangen und priorisieren: Vorhaben mit schnellem Rückfluss zuerst, Förderprogramme nutzen, aus dem Cashflow finanzieren und die Eigenkapitalquote im Blick behalten. So bleibt die Modernisierung in Bewegung.
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