Ökonomen erwarten höhere Zinsen nach Inflationssprung
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Die Inflationsrate in Deutschland steigt im September 2026 nach vorläufiger Schätzung auf 3,3 Prozent. Die Energiepreise liegen vorläufig 14,9 Prozent über dem Vorjahresmonat, im August waren es 10,5 Prozent. Ökonomen erwarten weitere Zinserhöhungen der EZB. Ihren Leitzins hat sie bereits im September auf 2,5 Prozent angehoben.
Das Wichtigste in Kürze
- Die Inflation steigt auf vorläufig 3,3 Prozent. Im Juli lag die Rate bei 2,8 Prozent, im August bei 2,9 Prozent.
- Energie kostet nach vorläufiger Schätzung 14,9 Prozent mehr als vor einem Jahr. Ohne Energie und Nahrungsmittel liegt die Teuerung bei 2,4 Prozent.
- Ökonomen erwarten weitere Zinsschritte der EZB. Jack Allen-Reynolds von Capital Economics rechnet mit einer Pause im Oktober und einer Erhöhung im Dezember.
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Energie treibt die Teuerung
Von Juli bis September steigt die Inflationsrate in Deutschland von Monat zu Monat. Im Juli lag sie bei 2,8 Prozent, im August bei 2,9 Prozent. Für September ergibt die vorläufige Schätzung des Statistischen Bundesamts 3,3 Prozent gegenüber dem Vorjahresmonat. Nach Agenturangaben ist das der schnellste Anstieg seit Dezember 2023.
Haushaltsenergie und Kraftstoffe verteuerten sich im September 2026 zusammen voraussichtlich um 14,9 Prozent gegenüber dem Vorjahresmonat. Im August lag der Zuwachs bei 10,5 Prozent, im Juli bei 8,3 Prozent. Die Preise steigen also erneut schneller.
Andere Bereiche ziehen deutlich langsamer an. Waren verteuern sich um 3,8 Prozent, Dienstleistungen um 2,7 Prozent. Nahrungsmittel kosten nur 0,4 Prozent mehr als im Vorjahresmonat. Die Kerninflation misst die Teuerung ohne Nahrungsmittel und Energie. Sie liegt im September bei 2,4 Prozent.
Was ist ein Zweitrundeneffekt? Ein Zweitrundeneffekt entsteht, wenn ein Preisschock etwa bei Energie auf Löhne und andere Preise übergreift. Unternehmen geben höhere Kosten weiter und Beschäftigte verlangen zum Ausgleich mehr Lohn, wodurch sich die Teuerung verfestigen kann. Nach Einschätzung von EZB-Präsidentin Christine Lagarde hat die diesjährige Inflationsspitze im Euroraum bislang keine gefährlichen Zweitrundeneffekte erzeugt.
Diesel auf Rekordniveau
Dieselkraftstoff hat in den vergangenen Wochen in Deutschland Rekordstände erreicht. Das gilt ebenso für Frankreich, Italien und mehrere weitere Länder des Euroraums. Der Grund liegt in der Golfregion. Weil der Krieg im Nahen Osten die Verschiffung von Rohöl und Raffinerieprodukten aus dem Golf verlangsamt, kommt weniger Ware in Europa an.
In den Projektionen der Europäischen Zentralbank vom 10. September gilt ein Lieferschock bei Energie als Ursache des Preisanstiegs. Auslöser ist der Nahostkonflikt mit der Blockade der Straße von Hormus.
Streit um das Zinstempo
Die EZB hat ihren Leitzins bereits im September auf 2,5 Prozent angehoben. Nach den neuen Preisdaten rechnen Ökonomen mit weiteren Erhöhungen. EZB-Präsidentin Christine Lagarde hält eine moderate geldpolitische Reaktion dagegen weiterhin für angemessen. Sie begründet das damit, dass die diesjährige Inflationsspitze im Euroraum bislang keine gefährlichen Zweitrundeneffekte erzeugt habe.
Jack Allen-Reynolds, Ökonom bei Capital Economics, liest aus den Septemberdaten ab, dass die höheren Energiekosten beginnen, sich auf die übrige Wirtschaft auszuwirken. Er erwartet, dass die EZB die Zinsen auf ihrer Oktober-Sitzung unverändert lässt und im Dezember erneut erhöht.
Dirk Schumacher, Chefökonom der KfW, wertet die stabile deutsche Kerninflation von 2,4 Prozent als Entlastung. Aus seiner Sicht sollte sie den unmittelbaren Druck verringern, die Geldpolitik auf der nächsten EZB-Sitzung weiter zu straffen.
EZB erwartet 3,6 Prozent im Schlussquartal
Für den Euroraum erwarten die EZB-Volkswirte eine Inflation von 3,3 Prozent im dritten Quartal und 3,6 Prozent im vierten Quartal 2026. Gemessen wird sie am Harmonisierten Verbraucherpreisindex (HVPI). Die erneute Beschleunigung der deutschen Energiepreise passt zu diesem Bild. Nach den Projektionen soll der energiegetriebene Inflationsanstieg bis ins vierte Quartal andauern. Ökonomen sehen den diesjährigen Höchstwert sogar näher an 4 Prozent.
Für das reale Wachstum der Wirtschaft im Euroraum rechnen die EZB-Volkswirte 2026 mit 0,9 Prozent. Ihre Projektionen unterstellen, dass der Energieschock allmählich abklingt. Die Unsicherheit über diese Annahme stufen sie selbst als hoch ein.
Die anstehende Oktober-Sitzung der EZB entscheidet über den nächsten Schritt.
Häufige Fragen
Wann stehen die endgültigen Inflationszahlen für September fest?
Das Statistische Bundesamt veröffentlicht die endgültigen Ergebnisse für den Verbraucherpreisindex September 2026 am 13. Oktober 2026. Bis dahin gelten alle Septemberwerte als vorläufige Schätzung.
Worin unterscheidet sich der HVPI vom Verbraucherpreisindex?
Der Harmonisierte Verbraucherpreisindex ist die europäisch vergleichbare Messgröße, auf der auch die EZB-Projektionen beruhen. Für Deutschland steigt er im September vorläufig um 3,3 Prozent zum Vorjahresmonat und um 0,6 Prozent zum Vormonat. Seit Januar 2026 gilt eine überarbeitete Methodik mit der Indexbasis 2025=100.
Wann soll die Inflation im Euroraum wieder sinken?
Nach den EZB-Projektionen fällt die Inflation nach dem Höchststand im vierten Quartal 2026 auf 2,5 Prozent im zweiten Quartal 2027. Danach soll sie nahe 2,0 Prozent pendeln.
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