Ein einzelnes präzise gefrästes Metallbauteil aus Aluminium liegt auf einem hellen Schreibtisch, daneben ein Stapel gedruckter Auftragsformulare mit rotem Klemmclip und ein Tischkalender; sachliches E
19.09.2026

VDMA senkt Prognose: viertes Minusjahr im Maschinenbau

4 Min. Lesezeit

Die Auftragseingänge im deutschen Maschinen- und Anlagenbau ziehen an, die Produktion sinkt trotzdem weiter. Der Branchenverband VDMA hat seine Jahresprognose deshalb zum zweiten Mal in diesem Jahr gesenkt, von Stagnation auf ein reales Minus von 2 Prozent. Für die Betriebe wird damit das vierte Jahr mit sinkender Produktion in Folge Realität, während die erwartete Erholung auf 2027 rückt.

Das Wichtigste in Kürze

  • Der VDMA hat die Jahresprognose 2026 von Stagnation auf ein reales Minus von 2 Prozent gesenkt. Betriebe müssen für das restliche Jahr mit geringerer Auslastung planen.
  • Die reale Produktion lag von Januar bis Juli rund 4 Prozent unter dem Vorjahr, die Kapazitäten blieben deutlich unterausgelastet. Die schwache erste Jahreshälfte lässt sich 2026 nicht mehr ausgleichen.
  • Die preisbereinigten Auftragseingänge stiegen um 5 Prozent, getragen von Bestellungen aus Ländern außerhalb der Eurozone. Die Nachfrage aus dem Inland bleibt deutlich dahinter zurück.
  • Für 2027 rechnet der Verband mit einem realen Plus von 3 Prozent. Chefvolkswirt Johannes Gernandt macht den Aufschwung von besseren Investitionsbedingungen abhängig.

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Was ist reale Produktion? Der VDMA misst die Maschinenproduktion preisbereinigt, also ohne den Effekt steigender Listenpreise. Ein reales Minus bedeutet, dass weniger Maschinen und Anlagen das Werk verlassen, auch wenn der Umsatz in Euro höher aussehen kann. Die Prognose gilt für den Maschinen- und Anlagenbau in Deutschland.

VDMA senkt die Jahresprognose für 2026 erneut

Der Verband Deutscher Maschinen- und Anlagenbau (VDMA) begründet die Korrektur vom 17. September mit der schwachen Entwicklung im laufenden Jahr, wie das Handelsblatt aus Düsseldorf berichtete.

Aufgestellt hatte der Verband die Prognose für 2026 erstmals im September 2025, damals mit einem realen Plus von 1 Prozent. Im April hatte der VDMA diese Erwartung auf der Hannover Messe noch einmal bestätigt. Im Juni senkte er erstmals auf Nullwachstum, die jetzige Korrektur ist die zweite in diesem Jahr. Wie stark sich die Erwartung für das laufende Jahr binnen eines Jahres verschoben hat, zeigt die folgende Übersicht.

Zeitpunkt Prognose für 2026
September 2025 plus 1 Prozent real
Juni 2026 Stagnation
17. September 2026 minus 2 Prozent real

Quelle: VDMA-Zahlen in der Süddeutschen Zeitung vom 17. September 2026. Zusätzlich Dow Jones über finanzen.net.

Aufträge aus dem Ausland wachsen, die Inlandsnachfrage bleibt zurück

Die reale Produktion lag von Januar bis Juli rund 4 Prozent unter dem Niveau des Vorjahreszeitraums. Die technischen Kapazitäten blieben dabei deutlich unterausgelastet. Für die Marge ist das ungünstig, weil ein großer Teil der Kosten unabhängig von der gefertigten Menge anfällt.

Die Nachfrage entwickelte sich im selben Zeitraum gegenläufig. Die preisbereinigten Auftragseingänge stiegen um 5 Prozent. Bestellungen aus Ländern außerhalb der Eurozone nahmen dabei um 14 Prozent zu. Die Nachfrage aus dem deutschen Binnenmarkt blieb demgegenüber deutlich hinter dem Ausland zurück.

Größe Januar bis Juli 2026
Reale Produktion minus 4,1 Prozent zum Vorjahr
Auftragseingang preisbereinigt plus 5 Prozent zum Vorjahr
Bestellungen aus Nicht-Euro-Ländern plus 14 Prozent zum Vorjahr

Quelle: VDMA, 17. September 2026, über Dow Jones / finanzen.net.

minus 2 Prozent
Reale Produktionsprognose des VDMA für 2026 nach der Korrektur vom 17. September, nach Zählung des Verbands das vierte Minusjahr in Folge
VDMA über Dow Jones Newswires, 17. September 2026

Warum die zweite Jahreshälfte das Minus 2026 nicht mehr ausgleicht

Der Verband geht davon aus, dass die Aufhellung der Geschäftserwartungen in der zweiten Jahreshälfte in der Produktion ankommt. Für das Gesamtjahr reicht das nach seiner Einschätzung dennoch nicht aus, um die schwache erste Jahreshälfte zu kompensieren. Zugleich räumt der Verband ein, dass diese Impulse in der Breite des Maschinen- und Anlagenbaus noch nicht angekommen sind.

Das vierte Rückgangsjahr nach der Zählung des Verbands

Die Zählung dahinter stammt von Johannes Gernandt, dem Chefvolkswirt des VDMA. Nach seiner Einschätzung wird 2026 voraussichtlich das vierte Jahr in ununterbrochener Reihe, in dem die Produktion sinkt. Zum Vergleich: 2024 war die reale Produktion um fast 7 Prozent eingebrochen. 2025 sank die Produktion erneut, wenn auch langsamer als im Jahr zuvor.

Wie die Süddeutsche Zeitung berichtete, korrigierte der Verband mit der aktuellen Prognose auch die Vorjahresbilanz. Nach aktualisierter Auswertung lag der Produktionsrückgang 2025 bei 1,3 Prozent, bislang war von 2,2 Prozent ausgegangen worden. Das Minus fiel damit etwas kleiner aus als veranschlagt. Für die betroffenen Unternehmen ändert das nichts an zwei schwachen Geschäftsjahren in Serie.

„Die bessere Auftragslage und die leicht aufgehellten Erwartungen sprechen dafür, dass die Produktion 2027 wieder wächst.“

Johannes Gernandt, Chefvolkswirt des VDMA

Gernandt nennt die Bedingungen für das Plus im Jahr 2027

Für 2027 rechnet der VDMA mit einem realen Produktionsplus von 3 Prozent.

Die WirtschaftsWoche wies zugleich darauf hin, dass die Erwartung mit erheblichen Risiken behaftet ist. Nach den Worten Gernandts wird daraus ein nachhaltiger Aufschwung nur, wenn bessere Investitionsbedingungen privates Kapital mobilisieren und die Wettbewerbsfähigkeit des Standorts Deutschland wieder gestärkt wird. Ob und wann diese Voraussetzungen geschaffen werden, ist offen.

Häufige Fragen

Gilt die gesenkte Prognose für alle Maschinenbauer gleich?

Der VDMA schätzt die Branche insgesamt. Nach seiner Aussage sind die Impulse aus dem Ausland in der Breite noch nicht angekommen.

Sagt das reale Minus etwas über Umsatz und Marge aus?

Nein, die Prognose misst preisbereinigte Mengen. Umsätze und Margen hängen zusätzlich von Preisen und Auftragsstruktur ab.

Wie verlässlich sind die Jahreswerte des Verbands?

Der VDMA korrigiert Jahreswerte nachträglich, den Rückgang 2025 hat er im September von 2,2 auf 1,3 Prozent revidiert. Der Wert für 2026 ist eine Prognose, die er in diesem Jahr schon zweimal gesenkt hat.

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