Dunkler Betonblock mit teilweise abgebrochener roter Verkleidung und Trümmern auf hellem Untergrund.
06.10.2026

Industrie im August: Großaufträge weg, Kerngeschäft hält

4 Min. Lesezeit

Der reale Auftragseingang im Verarbeitenden Gewerbe ist im August 2026 nach vorläufigen Angaben um 10,6 Prozent zum Vormonat gesunken, weit stärker als erwartet. Fast der gesamte Rückgang entfällt auf den Sonstigen Fahrzeugbau, der im Juli außergewöhnlich viele Großaufträge verbucht hatte. Ohne Großaufträge lagen die Bestellungen nur 0,1 Prozent unter dem Juli.

Das Wichtigste in Kürze

  • Der reale Auftragseingang im Verarbeitenden Gewerbe sank im August 2026 um 10,6 Prozent zum Vormonat. Fast der gesamte Rückgang entfällt auf den Sonstigen Fahrzeugbau, dessen Bestellungen nach einem Juli voller Großaufträge um 61,5 Prozent fielen.
  • Ohne Großaufträge lag das Minus bei 0,1 Prozent. Im Dreimonatsvergleich von Juni bis August sank der Auftragseingang ohne Großaufträge allerdings um 2,6 Prozent.
  • Die Inlandsaufträge fielen um 17,3 Prozent, die Auslandsaufträge um 5,4 Prozent. Michael Herzum von Union Investment sieht die Industrie stabilisiert, mit einem rechnerischen Auftragspolster von rund neun Monaten.

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Rückprall im Sonstigen Fahrzeugbau

Volkswirte hatten für August mit einem kleinen Minus gerechnet. Die von Dow Jones Newswires befragten Ökonomen erwarteten einen Rückgang des Auftragseingangs um 1,0 Prozent. Tatsächlich sank der reale, also preisbereinigte Auftragseingang im Verarbeitenden Gewerbe um 10,6 Prozent gegenüber Juli 2026. Die Werte sind vorläufig sowie saison- und kalenderbereinigt. Typische Jahreszeitenmuster und die unterschiedliche Zahl der Arbeitstage sind also herausgerechnet.

Fast ausschließlich geht der Rückgang auf den Sonstigen Fahrzeugbau zurück. Zu dieser Branche zählen Hersteller von Flugzeugen, Schiffen, Zügen und Militärfahrzeugen. Ihr Auftragseingang fiel im August um 61,5 Prozent. Im Juli hatte er sich wegen eines außergewöhnlich hohen Volumens an Großaufträgen im Schiff-, Schienenfahrzeug- und Flugzeugbau mehr als verdoppelt. Nach revidierten Zahlen betrug das Plus damals 129,4 Prozent gegenüber Juni. Der Einbruch im August folgt damit auf einen Ausnahmemonat.

Im Vorjahresvergleich bleibt ein Zuwachs. Kalenderbereinigt lag der Auftragseingang im August 2,7 Prozent über dem Niveau von August 2025. Im Juli hatte der Abstand zum Vorjahresmonat 14,0 Prozent betragen.

Was ist der reale Auftragseingang? Der reale Auftragseingang misst den Wert der neuen Bestellungen in der Industrie, bereinigt um Preisänderungen. Der zugehörige Index setzt das durchschnittliche Ergebnis des Jahres 2021 auf 100 Punkte und wird mit dem Verfahren X13 JDemetra+ saison- und kalenderbereinigt. Erhoben werden die Auftragseingänge nur in ausgewählten Wirtschaftszweigen nach der Klassifikation der Wirtschaftszweige, Ausgabe 2008.

Auftragslage ohne Großaufträge

Klammert man die Großaufträge aus, bleibt der Auftragseingang im August nahezu unverändert. Die Bestellungen lagen in dieser Rechnung nur 0,1 Prozent unter dem Vormonat. Sie blendet einzelne Bestellungen mit sehr hohem Volumen aus, die den Monatswert stark bewegen können.

Der Dreimonatsvergleich glättet die Ausreißer einzelner Monate und fällt weniger freundlich aus. Von Juni bis August 2026 lag der gesamte Auftragseingang 1,3 Prozent über den drei Monaten davor. Ohne Großaufträge sank er im selben Vergleich um 2,6 Prozent. Ohne die großen Einzelbestellungen lag das Bestellvolumen der Sommermonate damit unter dem Niveau der Vorperiode.

Inlands- und Auslandsbestellungen

Im Inland fiel der Rückgang im August deutlicher aus als im Ausland. Die Aufträge aus Deutschland sanken gegenüber dem Vormonat um 17,3 Prozent, die Auslandsaufträge um 5,4 Prozent. Aus der Eurozone kamen 5,4 Prozent weniger Bestellungen, von außerhalb der Eurozone 5,5 Prozent weniger.

Nach Gütergruppen traf es die Investitionsgüter am stärksten. Dazu zählen Maschinen, Anlagen und Fahrzeuge, die Unternehmen für ihre eigene Produktion anschaffen. Ihr Auftragseingang lag 15,3 Prozent unter dem Juli. Bei den Konsumgütern betrug das Minus 7,3 Prozent, bei den Vorleistungsgütern 2,6 Prozent. Vorleistungsgüter sind Vorprodukte wie Bauteile oder Materialien, die in andere Erzeugnisse eingehen.

Maschinenbau im Vorjahresvergleich

Im Maschinen- und Anlagenbau sank der reale Auftragseingang im August 2026 nach Angaben des Branchenverbands VDMA um 5 Prozent gegenüber dem Vorjahresmonat. Die Inlandsbestellungen gingen um 2 Prozent zurück, die Auslandsorders um 6 Prozent. Aus den Euro-Partnerländern kamen 10 Prozent weniger Bestellungen, aus den Nicht-Euro-Ländern 5 Prozent weniger. Weil diese Werte die Veränderung zum Vorjahresmonat messen, lassen sie sich mit der Monatsrechnung für die gesamte Industrie nicht direkt vergleichen.

VDMA-Chefvolkswirt Johannes Gernandt spricht nach zwei Monaten mit Wachstum von einem leichten Dämpfer. Im Gegensatz zum Vorjahr habe es im August keine Bestellungen für Großanlagen gegeben.

Auftragspolster der Industrie

Michael Herzum, Leiter Volkswirtschaft bei der Fondsgesellschaft Union Investment, stellt die Augustdaten in einen längeren Zusammenhang. Nach seiner ersten Einschätzung bieten die Auftragsbücher der deutschen Industrie rechnerisch ein Polster von rund neun Monaten. Die Auftragslage habe sich seit Herbst 2025 deutlich verbessert. Viele Unternehmen arbeiteten zusätzliche Aufträge mit bestehenden Kapazitäten ab, ohne die Fertigung auszuweiten. Die deutsche Industrie habe sich stabilisiert, ein Boom sei das aber noch nicht.

Häufige Fragen

Warum schwanken die Industrieaufträge von Monat zu Monat so stark?

Nach Darstellung des Bundeswirtschaftsministeriums hängt das unter anderem mit der gestiegenen Bedeutung öffentlicher Beschaffungen zusammen. Zu Jahresbeginn prägten zudem Sondereffekte im Zusammenhang mit dem Krieg im Nahen Osten die Nachfrage, ihre Wirkung hat im dritten Quartal spürbar nachgelassen. Deutlich verbessert hat sich die Auftragslage zuletzt vor allem in Branchen, die vom KI-Hochlauf und staatlichen Beschaffungen profitieren.

Wie hat sich der Umsatz der Industrie im August entwickelt?

Der reale Umsatz im Verarbeitenden Gewerbe blieb im August 2026 nach vorläufigen Angaben saison- und kalenderbereinigt unverändert zum Vormonat. Gegenüber August 2025 lag er kalenderbereinigt 0,9 Prozent höher.

Wie belastbar sind die vorläufigen Augustzahlen?

Vorläufige Werte werden später revidiert. Für Juli 2026 ergab die Revision beim Auftragseingang ein Plus von 3,2 Prozent gegenüber Juni, vorläufig waren es 2,5 Prozent gewesen. Beim Umsatz wurde das Juli-Minus von vorläufig 1,5 Prozent auf 1,4 Prozent korrigiert.

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