Erzeugerpreise steigen stärker als von Ökonomen erwartet
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Die Teuerung bei deutschen Herstellern hat die Erwartungen der Ökonomen übertroffen. Für Zulieferer und energieintensive Betriebe verteuern sich vor allem Energie und Metalle deutlich, während Nahrungsmittel im Vorjahresvergleich billiger werden.
Das Wichtigste in Kürze
- Das Statistische Bundesamt hat für August 2026 einen Anstieg der Erzeugerpreise um 4,6 Prozent gegenüber dem Vorjahresmonat gemeldet. Ökonomen hatten im Schnitt 4,1 Prozent erwartet, Einkaufsabteilungen verhandeln damit auf einer höheren Basis als geplant.
- Energie verteuerte sich um 8,3 Prozent, ohne Energie betrug der Anstieg nur 3,1 Prozent. Betriebe, die Budgets auf die Rate ohne Energie stützen, unterschätzen ihre eigenen Energierechnungen.
- Metalle kosteten 14,8 Prozent mehr als im Vorjahr, Maschinen nur 2,0 Prozent. Maschinenbauer und Fahrzeugzulieferer sehen ihre Materialkosten damit schneller steigen als ihre Verkaufspreise.
- Verbrauchsgüter verbilligten sich um 2,0 Prozent, Nahrungsmittel kosteten 4,3 Prozent weniger als im August 2025. Bäckereien, Fleischverarbeiter und der Handel bestellen die Ware damit günstiger ein als vor einem Jahr.
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Was sind Erzeugerpreise? Der Index misst, was Bergbau, verarbeitendes Gewerbe sowie Energie- und Wasserwirtschaft in Deutschland für im Inland verkaufte Produkte verlangen. Die Mehrwertsteuer bleibt draußen. Der Stichtag ist der 15. des Berichtsmonats, das Basisjahr 2021. Die Zahl beschreibt eine frühe Stufe im Preisverlauf, noch bevor die Ware im Laden steht.
Der Anstieg fällt höher aus als erwartet
Das Statistische Bundesamt veröffentlichte am 18. September die Erzeugerpreise gewerblicher Produkte für August 2026. Die Preise lagen um 4,6 Prozent über dem Niveau von August 2025. Ökonomen hatten im Schnitt mit 4,1 Prozent gerechnet, wie die Anadolu Agency am Veröffentlichungstag berichtete.
Auch gegenüber Juli stiegen die Preise schneller als erwartet. Der Monatsschritt betrug 1,1 Prozent, erwartet waren 0,6 Prozent. Der Zuwachs fiel damit fast doppelt so stark aus wie prognostiziert.
Energie treibt, Verbrauchsgüter dämpfen
Die Vorjahresrate verteilt sich ungleich über die Produktpalette. Energie verteuerte sich um 8,3 Prozent, Vorleistungsgüter um 6,1 Prozent. Vorleistungsgüter sind Materialien und Bauteile, die Hersteller für die eigene Produktion einkaufen und weiterverarbeiten.
Ohne die Energiepositionen lag der Anstieg zum Vorjahresmonat bei 3,1 Prozent, zum Vormonat bei 0,2 Prozent. Die Lücke zur Gesamtzahl zeigt, wie stark Öl und Gas die Gesamtentwicklung bestimmen. Die folgende Aufstellung stellt die wichtigsten Positionen des Augustwerts nebeneinander.
| Größe | August 2026 zum Vorjahr |
|---|---|
| Erzeugerpreise insgesamt | plus 4,6 Prozent |
| ohne Energie | plus 3,1 Prozent |
| Energie | plus 8,3 Prozent |
| Vorleistungsgüter | plus 6,1 Prozent |
| Verbrauchsgüter | minus 2,0 Prozent |
Quelle: Destatis, Pressemitteilung 328 vom 18. September 2026, Erzeugerpreise im August 2026.
Destatis nennt den Iran als Ursache
Destatis führt die hohen Ölpreise auf die Kriegshandlungen im Iran und im Nahen Osten zurück. Energie verteuerte sich gegenüber Juli um 3,2 Prozent, die Mineralölerzeugnisse allein um 4,9 Prozent.
Im Vorjahresvergleich stiegen leichtes Heizöl und Rohbenzin am stärksten, Rohbenzin kauft die chemische Industrie als Ausgangsstoff ein. Auch die Kraftstoffe liegen weit über dem Vorjahresniveau.
Gas verteuert sich stärker als Strom
Anders als beim Öl fielen die Zuwächse bei Strom und Gas moderater aus. Erdgas in der Verteilung kostete über alle Abnehmergruppen 7,5 Prozent mehr als im Vorjahresmonat, Strom 1,7 Prozent. Der Wert für Gas gilt dabei von privaten Haushalten bis zur Industrie. Gaskunden in der Produktion sehen ihre Kosten damit deutlich schneller steigen als Betriebe mit reinem Strombezug.
Nur die Fernwärme kostete weniger als im August 2025, wenn auch knapp. Welche Energieposition im Einzelnen wie stark ausschlug, zeigt die folgende Tabelle.
| Energieposition | August 2026 zum Vorjahr |
|---|---|
| Mineralölerzeugnisse | plus 40,5 Prozent |
| leichtes Heizöl | plus 65,3 Prozent |
| Kraftstoffe | plus 37,7 Prozent |
| Rohbenzin (Naphtha) | plus 44,4 Prozent |
| Erdgas in der Verteilung | plus 7,5 Prozent |
| Strom | plus 1,7 Prozent |
| Fernwärme | minus 0,5 Prozent |
Quelle: Destatis, Pressemitteilung 328 vom 18. September 2026, Abschnitt Mineralölerzeugnisse.
Metalle steigen 14,8 Prozent, Maschinen nur 2,0
Der Anstieg bei den Vorleistungsgütern kommt vor allem aus den Metallen, die 14,8 Prozent über dem Vorjahresniveau lagen. Dazu gehören Roheisen und Stahl ebenso wie Kupfer und Kupferhalbzeug. Maschinen wurden dagegen nur um 2,0 Prozent teurer. Für Maschinenbauer und Fahrzeugzulieferer steigen die Materialkosten damit deutlich schneller als ihre eigenen Verkaufspreise.
Auf der Absatzseite fallen die Zuwächse geringer aus. Die Investitionsgüter insgesamt verteuerten sich nur um 2,4 Prozent, die Gebrauchsgüter um 2,1 Prozent.
Nahrungsmittel werden billiger
Eine Gegenbewegung läuft bei den Verbrauchsgütern, die als einzige Hauptposition unter dem Vorjahresniveau liegen. Nahrungsmittel kosteten 4,3 Prozent weniger als im August 2025. Sie fallen damit stärker zurück als die gesamte Gruppe.
Besonders auffällig ist die Butter: Sie kostete 40,5 Prozent weniger als im August 2025. Schweinefleisch verbilligte sich um 16,3 Prozent.
Offen bleibt, ob die Kriegshandlungen den Ölpreis auch im September weiter antreiben. Die nächste Monatszahl des Statistischen Bundesamts wird zeigen, ob der Gegensatz zwischen Energie und Nahrungsmitteln bestehen bleibt.
Häufige Fragen
Misst der Index auch die Preise im Exportgeschäft?
Der Index erfasst nur Produkte, die Hersteller aus Bergbau, Verarbeitendem Gewerbe sowie Energie- und Wasserwirtschaft im Inland verkaufen. Exportpreise bleiben außen vor, für das Exportgeschäft erlaubt die Zahl keine direkte Aussage.
Warum weicht die Rate ohne Energie vom Gesamtwert ab?
Destatis veröffentlicht den Wert zusätzlich in einer Fassung ohne Energie. Die Differenz beider Werte misst den Einfluss der Öl- und Gasnotierungen auf den Gesamtwert. Für Verträge, die an den Index gekoppelt sind, macht die Wahl zwischen beiden Raten einen deutlichen Unterschied.
Woher stammt der Wert, an dem sich die Zahl messen lässt?
Die Vergleichsgröße ist ein Konsens aus Ökonomenprognosen, den die Anadolu Agency zum Erscheinungstag der Zahlen zusammengestellt hat. Ein Konsens bündelt Schätzungen verschiedener Häuser, einzelne Institute liegen darum über oder unter dem Schnitt. Eine amtliche Stelle gibt den Wert nicht vor.
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