Illustration eines geöffneten Werkstors mit schwarzen und roten Gitterflügeln vor einem Industrieareal.
21.10.2026

Nvidia will seine KI-Modelle dem Mittelstand öffnen

4 Min. Lesezeit

Nvidia-Chef Jensen Huang hat am Montag beim Invest-in-Germany-Summit in Berlin neben Kanzler Friedrich Merz die deutschen Auto- und Maschinenbauer zum schnellen KI-Einsatz aufgerufen. Am selben Tag unterzeichneten Wirtschafts- und Forschungsministerium eine Absichtserklärung mit Nvidia für industrielle KI. Der Konzern will seine Modelle künftig auch dem Mittelstand zugänglich machen.

Das Wichtigste in Kürze

  • Nvidia will seine KI-Modelle auch dem Mittelstand öffnen. Neben der Großindustrie sollen kleinere und mittlere Unternehmen sowie Forschungseinrichtungen Zugang erhalten.
  • Die Plattform Industrie 4.0 bildet den Kern der Partnerschaft. Das Netzwerk wird vollständig auf industrielle KI ausgerichtet und steht allen Unternehmen offen.
  • Investitionszahlen nannte der Bund zunächst nicht. Einem Medienbericht zufolge ist ein dreistelliger Millionenbetrag geplant, verbindlich zugesagt ist er bisher nicht.

Verwandt:BSI und TÜV: KI-Angriffe treffen jede sechste Firma  /  EU sperrt 826 Zulieferer der russischen Rüstungsindustrie

Huangs Appell in Berlin

Jensen Huang wählte in Berlin ein Bild aus der Physik. Elektronen werden Atome nie ersetzen, sagte der Nvidia-Chef am Montag in der Diskussion mit Bundeskanzler Friedrich Merz beim Invest-in-Germany-Summit. Die digitale Technologie werde die Fertigungswelt nie verdrängen. KI könne die eigenen Fähigkeiten der Betriebe nur verstärken.

Die nächste KI-Welle sei physisch, sagte Huang. Gemeint ist KI, die mit der realen Welt zusammenwirkt: in der Robotik, in der Fertigung, in Autos und in der Schwerindustrie. Die deutschen Hersteller von Autos und Industriemaschinen rief er auf, KI schnell einzusetzen. Mit ihren Fertigungsdaten und ihrem Ingenieurswissen könnten sie das angeschlagene Geschäftsmodell Deutschlands nach seinen Worten neu konstruieren.

Was ist Physical AI? Physical AI bezeichnet künstliche Intelligenz, die mit der physischen Welt interagiert. Nvidia-Chef Huang nennt als Einsatzfelder Robotik, Fertigung, Autos und Schwerindustrie. Die Absichtserklärung von BMWE, BMFTR und Nvidia sieht eine Initiative für modernste KI-Modelle in diesem Feld vor.

Fertigungsdaten als nationale Ressource

Fertigungsdaten und Fachwissen seien die natürliche Ressource Deutschlands, sie gehörten der Nation. Die industrielle Revolution stufte Huang als so gewaltig ein, dass Deutschland keine zweite Chance habe. Auch eine Arbeitsteilung skizzierte er. Deutschland solle KI-Technologie importieren, Kultur, Werte und Wissen solle es dagegen nicht exportieren. Die KI solle im Land trainiert werden und dort bleiben.

Huang und Merz bezeichneten KI ausdrücklich als Chance für den Mittelstand. Gemeint sind die hunderten kleinen und mittleren Unternehmen in hochspezialisierten Industriesegmenten.

Was die Absichtserklärung vorsieht

Parallel unterzeichneten das Bundesministerium für Wirtschaft und Energie (BMWE) und das Bundesministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt (BMFTR) beim Gipfel im Beisein des Kanzlers eine Absichtserklärung mit Nvidia. Eine Absichtserklärung hält fest, was die Partner gemeinsam vorhaben. Vereinbart ist eine Initiative für modernste KI-Modelle für Physical AI, also für jene physische KI, die Huang beschrieben hatte. Die Initiative ist in die KI-Roadmap der Bundesregierung und in die Plattform Industrie 4.0 eingebettet.

Ein besonderes Augenmerk liegt auf spezialisierten, offenen Modellen für industrielle KI. Sie sollen auf offenen Basismodellen von Nvidia aufbauen.

Ganz überraschend kam die Unterzeichnung nicht. Bereits am 16. Oktober hieß es aus Regierungskreisen, Deutschland werde in der Folgewoche eine Kooperation mit Nvidia ankündigen, die auch weitere Partner einbezieht. Geplant waren demnach Werkzeuge für das Training von Robotern und selbstfahrenden Fahrzeugen sowie leistungsfähige KI-Modelle für die Industrie. Mit der Absichtserklärung ist dieser Plan teilweise umgesetzt.

Der Zugang für den Mittelstand

Kernelement der Partnerschaft ist die Plattform Industrie 4.0, ein Netzwerk aus Politik, Industrie, Forschung und Verbänden. Sie wird derzeit vollständig auf industrielle KI ausgerichtet und steht allen Unternehmen offen. Hinzu kommt der Modellzugang. Nvidia will seine KI-Modelle künftig neben der Großindustrie auch kleineren und mittleren Unternehmen sowie Forschungseinrichtungen zugänglich machen.

Damit ist der Mittelstand, den Huang und Merz in Berlin als Chance beschrieben, zugleich Adressat des konkreten Angebots. Die Beteiligung von Forschung, Industrie und Mittelstand soll sicherstellen, dass mittelständische Betriebe von den KI-Fortschritten profitieren. Für Geschäftsführer zeichnen sich zwei konkrete Zugänge ab: das offene Netzwerk der Plattform und die angekündigten Modelle.

Offene Fragen zur Finanzierung

Zu möglichen Investitionen im Rahmen der Kooperation machte der Bund zunächst keine Angaben. Einem Medienbericht zufolge will er das Projekt mit einem dreistelligen Millionenbetrag unterstützen. Verbindlich zugesagt ist dieser Betrag bisher nicht.

Entsprechend nüchtern fällt die Einordnung des Gipfels aus. Die Veranstaltung könne ein Impuls sein, löse aber selbstverständlich Deutschlands Investitionsprobleme nicht, sagt ZDF-Wirtschaftsexperte Frank Bethmann.

Häufige Fragen

Auf welchen Nvidia-Modellen bauen die Industriemodelle auf?

Als Basis nennt die Partnerschaft offene Modelle wie Nemotron und Cosmos von Nvidia. Auf dieser Grundlage sollen spezialisierte, offene Modelle für industrielle KI entstehen.

Wofür soll das Geld des Bundes eingesetzt werden?

Einem Medienbericht zufolge soll der geplante dreistellige Millionenbetrag unter anderem der Anmietung von Rechenkapazitäten in der KI-Cloud der Deutschen Telekom dienen. Eine KI-Cloud stellt Rechenleistung für KI-Anwendungen über das Netz bereit. Auch dieser Teil ist Planungsstand.

Wie viel hat Nvidia bereits in Deutschland investiert?

Nach eigenen Angaben hat Nvidia im vergangenen Jahr rund 890 Millionen Euro in Deutschland investiert. Der Betrag bezieht sich auf das abgeschlossene Jahr 2025.

Weiterlesen auf MyBusinessFuture

MyBusinessFutureNachfolge: Käufer brauchen die Bankzusage vor dem TerminMyBusinessFutureTelekom: KI bearbeitet 60 Prozent der KundenanfragenMyBusinessFutureWindows 11 begrenzt, worauf KI-Agenten zugreifen

Bildquelle: KI-generiert (Oktober 2026)

Mehr aus dem MBF Media Netzwerk

cloudmagazinNvidia kauft Hugging Face: Offene Modelle bleiben wählbarDigital ChiefsMicrosoft: Deutschland ist EU-Spitze bei CyberangriffenSecurityTodayWenn der Security-Stack schneller wächst als die Strategie
MBF Media Newsletter

Das monatliche Briefing für Entscheider

Einmal im Monat bündelt der MBF Media Newsletter das Wichtigste aus cloudmagazin, MyBusinessFuture, Digital Chiefs und SecurityToday, kuratiert von der Redaktion.

Rund 23.500 IT- und Business-Entscheider lesen diesen Newsletter. Lesen Sie mit.

Kostenfrei abonnieren
MBF Media Newsletter, aktuelle Ausgabe auf dem iPhone
Ein Magazin der Evernine Media GmbH
Das Entscheider-Magazin für den DACH-Mittelstand

Weiterlesen auf MyBusinessFuture

MyBusinessFutureDavos: Nachhaltigkeit durch DigitalisierungMyBusinessFuture»MyBusinessFuturePwC: E-Auto-Kosten für Hersteller vs. Verbrenner-Vergleich