A single analog stopwatch lying on an open paper ledger. The stopwatch hand is racing. The ledger line below is a flat horizontal ink stroke. Warm paper background, subtle warm red accent #c0392b, edi
27.08.2026

McKinsey: KI macht schnell, der EBIT bleibt flach

4 Min. Lesezeit

Acht von zehn Befragten in der neuen McKinsey-Survey sagen, KI habe sie persönlich schneller gemacht. Auf der GuV landet das kaum. Dieser Abstand hält schon das zweite Jahr.

Das Wichtigste in Kürze

  • Die persönliche Beschleunigung ist da: Die Mehrheit merkt Tempo und bessere Entscheidungen. Der Ergebnisbeitrag der Firma bleibt flach.
  • Konzerne skalieren Agenten, der Rest bleibt stehen: Große Organisationen ziehen bei Agenten davon. Kleinere bleiben auf dem Vorjahresniveau.
  • Der Hebel sitzt im Ablauf: High Performer schneiden Arbeit neu. Wer nur Sitze kauft, zahlt Betriebskosten.

Verwandt:Copilot im Mittelstand: Was Sitze wirklich kosten  /  Agenten kosten Anbieter fünfmal so viel wie Chat

Was ist ein KI-High-Performer? McKinsey zählt dazu nur Organisationen, die der KI mindestens fünf Prozent ihres EBIT zuschreiben und den Effekt als erheblich beschreiben. In der aktuellen Survey sind das rund sechs Prozent der Befragten.

Die Kluft sitzt in der GuV

McKinsey QuantumBlack hat zwischen Anfang Mai und Anfang Juni 2026 rund 1.700 Fach- und Führungskräfte in 97 Ländern befragt. Fast neun von zehn nutzen KI regelmäßig in mindestens einer Funktion. Die persönliche Wirkung ist greifbar: Acht von zehn fühlen sich produktiver, die Hälfte trifft bessere Entscheidungen.

Die Firma als Ganzes erzählt eine andere Geschichte. Nur 37 Prozent schreiben der KI irgendeinen Beitrag zum Ergebnis vor Zinsen und Steuern zu. Dieser Anteil hat sich gegenüber 2025 praktisch nicht bewegt. High Performer im engen McKinsey-Sinn bleiben eine kleine Minderheit.

Der Abstand ist kein Messfehler. Mitarbeiter schließen Tickets schneller. Die Freigabe, der Hand-off und die Rechnung laufen weiter wie zuvor. Gesparte Minuten versickern, sobald der nächste Engpass unverändert bleibt.

37 %
schreiben der KI irgendeinen EBIT-Beitrag zu. Acht von zehn Befragten fühlen sich persönlich schneller. Der Abstand hält das zweite Jahr.
Quelle: McKinsey QuantumBlack, The state of AI in 2026

Der Copilot liegt auf dem alten Ablauf

McKinsey unterscheidet scharf: High Performer setzen KI auf Wachstum und Innovation, nicht nur auf Effizienz. Fast drei Viertel von ihnen schneiden Abläufe grundlegend neu. Beim Rest tut das nur etwa ein Viertel. Der Unterschied ist die Arbeit selbst, nicht das Modell.

Wer den Chat neben die alte Prozessmappe legt, beschleunigt die Person und belässt die Kette. Angebot, Freigabe, Buchung, Versand: Jeder Schritt hat einen Eigentümer, eine Wartezeit und eine Ausnahme. KI ohne neuen Schnitt verschiebt den Stau nur um eine Station.

Das spüren die, die den Alltag tragen. Fast die Hälfte der mittleren Führung und der Fachkräfte ohne Führungsfunktion berichtet von Belastungen durch KI. Bei der oberen Ebene ist es knapp ein Drittel. Tempo oben, Reibung in der Mitte: Genau dort entsteht der tote Gewinn.


KI hebt die Produktivität der Mitarbeiter. Der finanzielle Effekt hält nicht Schritt.
– Redaktion, nach McKinsey QuantumBlack, State of AI 2026

Vier Prüfschritte, bevor neue Sitze kommen

Ein Betrieb braucht einen Pfad, den er in einem Quartal gehen kann. Die Survey liefert die Lehre, nicht die Softwareliste.

  1. Einen Ablauf wählen, der Geld bewegt. Angebot, Auftragsklärung, Rechnung oder Einkauf. Ein Chat, der nur interne Mails ersetzt, bleibt unsichtbar in der GuV.
  2. Vorher messen. Durchlaufzeit, Fehlerrate, Nacharbeit, gebundene Tage. Ohne Baseline ist jede Copilot-Story nur Gefühl.
  3. Den Ablauf neu schneiden. Schritte streichen, Freigaben bündeln, Übergaben abbauen. Das Modell kommt in den neuen Schnitt, nicht daneben.
  4. Owner und Kostenkappe setzen. Eine Person haftet für die Kennzahl. Die Betriebskosten inklusive Token bekommen ein Limit, bevor Sitze wachsen. Rund ein Fünftel der Befragten drosselt den KI-Einsatz bereits wegen dieser Kosten.

High Performer verdoppeln gegenüber dem Rest die Chance, dass die Führung den Einsatz trägt und der Effekt gemessen wird.

Hebel 30 Tage 60 Tage 90 Tage
Ablauf einen geldnahen Prozess wählen Schnitt neu ziehen, Chat nur dort halten oder den Sitz stoppen
Kennzahl Baseline in Tagen und Fehlern Delta gegen die Baseline eine ebitnahe Größe berichten
Kosten Kappe für Lizenzen und Token Verbrauch gegen die Kappe halten Sitze nur nach Treffer aufstocken

Quelle: eigene Ableitung aus McKinsey QuantumBlack, The state of AI in 2026.

Erst der Prozess, dann der Sitz

Große Organisationen mit Milliardenumsatz skalieren Agenten deutlich schneller: vier von zehn, nach gut einem Viertel im Vorjahr. Kleinere bleiben bei rund 22 Prozent stehen. Wer Sitze verteilt, ohne einen Ablauf zu besitzen, kauft genau diese Lücke ein.

Die Erwartung von Stellenabbau steigt. Fast vier von zehn rechnen im kommenden Jahr mit einem KI-bedingten Rückgang. Die tatsächlichen Rückgänge des vergangenen Jahres lagen weit unter dem, was die Vorjahresumfrage prophezeit hatte. Personal abbauen, bevor ein Prozess auf der GuV sichtbar wird, ist Spekulation.

Die Entscheidung ist schlicht: Ein Ablauf, eine Kennzahl, eine Kappe. Zeigt sich nach 90 Tagen kein ebitnaher Effekt, bleibt der Copilot ein Werkzeug für Einzelne. Dann sind weniger Sitze die richtige Antwort.

Häufige Fragen

Reicht ein Copilot, damit KI ins Ergebnis kommt?

Nein. Die Survey zeigt persönliche Beschleunigung bei acht von zehn Befragten und einen flachen EBIT-Beitrag. Ohne neu geschnittenen Ablauf bleibt das Tempo in den Köpfen.

Welche Kennzahl zählt nach 90 Tagen?

Eine Größe, die neben der Durchlaufzeit auch Kosten oder gebundenes Kapital abbildet. Tickets pro Stunde allein reichen nicht, weil sie den Engpass in der Kette unsichtbar lassen.

Was unterscheidet High Performer vom Rest?

Sie schneiden Abläufe neu, messen den Effekt und lassen die Führung den Einsatz tragen. McKinsey zählt dazu nur rund sechs Prozent der Befragten.

Sollen Agenten folgen, weil Konzerne skalieren?

Nur wenn der gewählte Ablauf bereits eine Baseline und einen Owner hat. Bei kleineren Organisationen ist die Agenten-Skalierung seit einem Jahr praktisch stehengeblieben.

Warum landet Tempo nicht in der GuV?

Gesparte Minuten versickern in unveränderten Freigaben und Übergaben. Der nächste Engpass bleibt stehen, die Person ist nur schneller an ihm angekommen.

Weiterlesen auf MyBusinessFuture

MyBusinessFutureDokumenten-KI: Wo Bürokratiekosten wirklich sinkenMyBusinessFutureKI-Erfolg ohne Experte: Wer verantwortet das ErgebnisMyBusinessFuture95 Prozent der KI-Piloten bringen nichts, 5 Prozent schon

Mehr aus dem MBF Media Netzwerk

cloudmagazinKubeflow: CNCF erklärt die KI-Plattform für reifDigital ChiefsStripe kauft OpenRouter, Ramp öffnet Router.comSecurityTodayZimbra: Eine Mail reicht bei SNMP

Bildquelle: KI-generiert (August 2026)

MBF Media Newsletter

Das monatliche Briefing für Entscheider

Einmal im Monat bündelt der MBF Media Newsletter das Wichtigste aus cloudmagazin, MyBusinessFuture, Digital Chiefs und SecurityToday, kuratiert von der Redaktion.

25.000 IT- und Business-Entscheider lesen diesen Newsletter. Lesen Sie mit.

Kostenfrei abonnieren
MBF Media Newsletter, aktuelle Ausgabe auf dem iPhone
Ein Magazin der Evernine Media GmbH
Das Entscheider-Magazin für den DACH-Mittelstand