J.G. Weisser: Management-Buy-out sichert 156 Arbeitsplätze
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Nach 21 Monaten in Eigenverwaltung gehört der Drehmaschinenbauer J.G. Weisser aus St. Georgen seinen eigenen Führungskräften. Vier Manager um Ansgar Lienert haben das Unternehmen im Juli per Management-Buy-out übernommen, 156 Arbeitsplätze bleiben erhalten.
Das Wichtigste in Kürze
- Vier Führungskräfte haben J.G. Weisser per Management-Buy-out übernommen. Ansgar Lienert, Janik Dorer, Marc Asel und Hannes Beck halten je 25 Prozent am Stammkapital.
- Der Weg führte durch 21 Monate Fortführung unter Insolvenzbedingungen. Im Sommer 2025 wechselte das Management von der Investorensuche zur Sanierung in eigener Regie.
- Kunden, Gläubiger und Arbeitnehmervertreter trugen das Konzept. Unmittelbar nach dem Ende des Insolvenzverfahrens belebte sich das operative Neugeschäft spürbar.
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Die Krise ab Sommer 2024
Der Drehmaschinenbauer J.G. Weisser aus St. Georgen im Schwarzwald wurde 1856 gegründet und fertigt heute hochpräzise Drehbearbeitungszentren und Automatisierungslösungen. Seine Muttergesellschaft Hardinge sitzt in den USA. Im Sommer 2024 stellte Hardinge einen Antrag nach Chapter 11. Das amerikanische Verfahren erlaubt einem Unternehmen, sich unter gerichtlichem Schutz vor seinen Gläubigern neu aufzustellen.
Im September 2024 beantragte J.G. Weisser selbst ein Insolvenzverfahren in Eigenverwaltung. In dieser Verfahrensform führt die bisherige Geschäftsführung das Unternehmen weiter, ein Sachwalter überwacht sie im Auftrag des Gerichts. Für die Belegschaft bedeutete die Sanierung einen tiefen Einschnitt. Sie sank von etwa 280 auf rund 160 Beschäftigte.
Was ist ein Management-Buy-out? Bei einem Management-Buy-out kaufen Führungskräfte das Unternehmen, das sie bisher als Angestellte geleitet haben. Die Finanzierung stützt sich meist auf eine Mischung aus Eigenmitteln der Manager, Krediten und weiteren Bausteinen wie Leasing. Für Verkäufer und Gläubiger hat diese Lösung den Vorteil, dass Personen übernehmen, die Betrieb, Kunden und Belegschaft bereits kennen.
Kurswechsel im Sommer 2025
Zunächst suchte das Management nach einem Investor. Im Sommer 2025 wechselte es den Kurs und setzte auf eine Sanierung in eigener Regie. Diesem Schritt stimmten alle maßgeblichen Beteiligten zu: der Gläubigerausschuss, also das Gremium, das im Verfahren die Interessen der Gläubiger vertritt, dazu der Sachwalter, der Betriebsrat und die IG Metall.
Im Zentrum dieser Entscheidung steht Ansgar Lienert. Er führt J.G. Weisser als CEO und verantwortet als CRO zugleich die Restrukturierung. Mit dem Kurswechsel verband sich ein Rollenwechsel. Aus dem Team, das die Sanierung verantwortete, sollten die künftigen Eigentümer werden.
Vier Eigentümer zu gleichen Teilen
Im Juli 2026 übernahm ein Konsortium aus vier Führungskräften das Unternehmen per Management-Buy-out. Die geordnete Fortführung unter Insolvenzbedingungen hatte bis dahin 21 Monate gedauert. Neben Lienert gehören Janik Dorer, Marc Asel und Hannes Beck zu den Erwerbern. Jeder der vier hält 25 Prozent am Stammkapital. Kein Gesellschafter hat damit eine Mehrheit, die Verantwortung liegt bei allen vier gemeinsam.
156 Arbeitsplätze am Standort St. Georgen bleiben erhalten. Generalbevollmächtigter Markus Fauser, im Verfahren mit umfassender Vertretungsmacht ausgestattet, zog nach dem Abschluss Bilanz: „Nach einer so langen Phase der Ungewissheit wurde eine nachhaltige Lösung gefunden.“
Kunden und Leasing als Rückhalt
Die Rettung aus eigener Kraft trug, weil Gläubiger, Arbeitnehmervertreter und wichtige Kunden das Fortführungskonzept des Managements unterstützten. Wie konkret dieser Rückhalt auf Kundenseite war, beschreibt Lienert so: „Die Kunden wollten uns Aufträge erteilen, sobald wir aus der Insolvenz raus sind.“
Für die Finanzierung des Kaufs holten die vier Manager einen Leasingpartner ins Boot. Zum Finanzierungspaket gehört eine Sale-and-Lease-Back-Lösung der NIV Leasing unter Geschäftsführer Michael Ludwig. Bei diesem Modell verkauft ein Unternehmen eigene Anlagen an eine Leasinggesellschaft und mietet sie anschließend zurück. Kapital, das bisher in Maschinen gebunden war, steht so als Liquidität zur Verfügung, während die Anlagen im Betrieb bleiben.
Neustart mit 160 Stellen
Die Planung der neuen Eigentümer ist auf 160 Mitarbeitende ausgelegt. Unmittelbar nach der Beendigung des Insolvenzverfahrens belebte sich das operative Neugeschäft spürbar. Der Zusammenhang mit Lienerts Beschreibung der Kundenhaltung liegt nahe, auch wenn erst die Auftragsbücher der kommenden Monate zeigen, wie weit er reicht.
Der Weg von J.G. Weisser führte über die Zustimmung von Gläubigern und Arbeitnehmervertretern, über Kunden mit Aufträgen in Aussicht sowie über eine Finanzierung mit einem Leasingpartner. Am Ende stand ein Führungsteam, das die Sanierung selbst geplant hatte und das Unternehmen nun auch besitzt. Ob die Belebung im Neugeschäft trägt, entscheidet sich in den kommenden Quartalen.
Häufige Fragen
Für welche Branchen arbeitet J.G. Weisser?
Die Kunden kommen aus Automobilbau, Luftfahrt, Schifffahrt, Energie, Rüstung und Medizintechnik. Wesentliche Kunden unterstützen das Fortführungskonzept des Managements.
Unter welchem Namen tritt das Unternehmen künftig auf?
Bisher hieß die Gesellschaft J.G. Weisser Söhne, künftig firmiert sie als J.G. Weisser. Der Vertrag über den Management-Buy-out ist notariell beurkundet.
Wie weit reicht die Geschichte des Unternehmens zurück?
Gegründet wurde J.G. Weisser 1856, die Wurzeln reichen bis 1830 zurück. Der Standort des Unternehmens ist St. Georgen.
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