Geschäftsmodell: Energiewende macht Siemens Energy reich
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2024 war das sauberste Stromjahr der deutschen Geschichte: 62,7 Prozent der öffentlichen Nettostromerzeugung kamen aus erneuerbaren Quellen. Doch die eigentliche Nachricht steht in den Bilanzen: Siemens Energy verzeichnet einen Rekordauftragseingang von 50 Milliarden Euro, Nordex installiert jede dritte Windturbine in Deutschland, und die CO2-Emissionen der Stromerzeugung haben sich seit 2014 halbiert. Die Energiewende ist nicht mehr das Problem – sie ist die Lösung.
Das Wichtigste in Kürze
- 62,7 Prozent Erneuerbare: 62,7 Prozent der öffentlichen deutschen Nettostromerzeugung kamen 2024 aus Erneuerbaren – ein neuer Rekord. Windkraft lieferte 136,4 TWh, Solarstrom erreichte mit 72,2 TWh ebenfalls einen Höchstwert (Fraunhofer ISE, 2025).
- Siemens Energy auf Rekordkurs: Siemens Energy erzielte im Geschäftsjahr 2024 einen Umsatz von 34,5 Milliarden Euro (+12,8 %), einen Nettogewinn von 1,335 Milliarden Euro und einen Rekord-Auftragseingang von 50,2 Milliarden Euro (Siemens Energy Geschäftsbericht 2024).
- Nordex verdreifacht Gewinn: Nordex installierte 2025 jede dritte neue Windturbine in Deutschland: 285 Turbinen mit 1.647 MW, 31,5 Prozent aller neuen Onshore-Kapazität (Deutsche WindGuard, 2025).
- 58 Prozent weniger CO2: Die CO2-Emissionen der deutschen Stromerzeugung sanken gegenüber 1990 um 58 Prozent. 2024 war das erste vollständige Jahr ohne Atomkraft seit 1962 (UBA, 2025).
- Eigenstrom für 4 bis 6 Cent: Eigenstromerzeugung aus Solar oder Wind kostet Industrieunternehmen 4 bis 6 Cent pro kWh – gegenüber 15 bis 25 Cent aus dem Netz. Bei 10 GWh Jahresverbrauch spart ein Mittelständler über eine Million Euro jährlich (BDEW, 2025).
Siemens Energy: Vom Sorgenkind zum Börsenliebling
Noch 2023 war Siemens Energy ein Sanierungsfall. Die Windkraft-Tochter Gamesa produzierte Milliardenverluste, die Aktie brach ein, die Bundesregierung schnürte eine Garantie über 15 Milliarden Euro. Die Schlagzeilen waren vernichtend.
Ein Jahr später sieht die Welt anders aus. Geschäftsjahr 2024: Umsatz 34,5 Milliarden Euro, Nettogewinn 1,335 Milliarden, Auftragseingang 50,2 Milliarden, Auftragsbestand 123 Milliarden Euro – alles Rekordwerte. Alle Jahresziele erreicht.
Was ist passiert? Die Nachfrage nach Strominfrastruktur explodiert weltweit. Rechenzentren für KI-Anwendungen, Elektromobilität, Wärmepumpen und der Ausbau der Erneuerbaren erzeugen einen Investitionszyklus, von dem Siemens Energy als Infrastruktur-Anbieter überproportional profitiert. Transformatoren, Schaltanlagen, Gasturbinen – die Produkte, die niemand sexy findet, aber jeder braucht.
Nordex: Marktführer durch Execution
Nordex aus Hamburg hat 2025 in Deutschland jede dritte neue Windturbine installiert: 285 Anlagen mit einer Gesamtleistung von 1.647 Megawatt – 31,5 Prozent Marktanteil. Der Umsatz stieg 2024 auf 7,3 Milliarden Euro, ein Plus von 12,5 Prozent.
Der Erfolg von Nordex ist kein Zufall, sondern das Ergebnis einer konsequenten Fokussierung auf Onshore-Wind. Während Siemens Gamesa Milliarden in Offshore verlor und Vestas mit Qualitätsproblemen kämpfte, hat Nordex seine Turbinen zuverlässig und termingerecht geliefert. Im Mittelstands-Markt – Bürgerwindparks, kommunale Projekte, mittelgroße Entwickler – ist diese Zuverlässigkeit der entscheidende Faktor. Ein Muster, das sich auch bei Deutschlands Hidden Champions zeigt: Fokussierung auf Kernkompetenz statt Diversifikation.
„Die Reindustrialisierung wird zunehmend als strategische Antwort auf das geopolitische Umfeld gesehen. Mehr als die Hälfte der Führungskräfte sagt, dass Zölle ihre Reshoring-Bemühungen beschleunigen.“
– Capgemini Research Institute, Reindustrialization Report 2025
Was die Energiewende für den Mittelstand bedeutet
Für Industrieunternehmen wird Eigenstromerzeugung zum Wettbewerbsvorteil. Unternehmen mit eigenen Solar- oder Windanlagen zahlen 4 bis 6 Cent pro Kilowattstunde – gegenüber 15 bis 25 Cent aus dem Netz. Bei einem mittelständischen Fertigungsbetrieb mit 10 GWh Jahresverbrauch bedeutet das eine Ersparnis von über einer Million Euro pro Jahr.
Die Rechnung geht auf, weil die Kosten für erneuerbare Erzeugung gefallen sind, während die Netzentgelte gestiegen sind. Die sinkende CO2-Bilanz wird dabei zum relevanten Faktor in Nachhaltigkeitsberichten und CSRD-Audits. Die Rückverlagerung der Produktion nach Europa verstärkt diesen Effekt: Wer lokal fertigt, braucht auch lokale Energiequellen.
Gleichzeitig profitiert die europäische Halbleiterindustrie von stabiler Energieversorgung – Chipfabriken gehören zu den energieintensivsten Industrieanlagen überhaupt.
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Quelle Titelbild: Pexels / Kristina Kutleša

