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21.09.2021

Pandemie verändert Einkaufsverhalten im Lebensmittelhandel

5 Min. Lesezeit

Aktualisiert am 11. Mai 2026 · Ursprünglich veröffentlicht 21. September 2021

Die Pandemie hat das Einkaufsverhalten im Lebensmittelsektor verändert, der eigentliche Umbruch kam aber erst danach: Inflation, Konsolidierung im Online-Lebensmittelhandel und das Sterben des Quick-Commerce haben das Bild zwischen 2023 und 2026 endgültig neu sortiert. Eigenmarken legen zu, Frequenz steigt, Warenkorbgrößen sinken – und Online-Anteile haben das hohe Pandemie-Niveau nicht gehalten.

Das Wichtigste in Kürze

  • Online-Lebensmittelhandel: Anteil normalisiert sich 2026 bei rund 3 bis 4 Prozent in DE – weit unter Pandemie-Hoch und ebenso weit unter UK- oder NL-Niveau. Rewe, Picnic und Knuspr teilen den Wachstumsmarkt unter sich auf.
  • Quick-Commerce: Gorillas, Flink, Getir – das Sterben der Dark-Stores ist weitgehend abgeschlossen. Reste werden in Foodora/Wolt und stationäre Convenience-Konzepte integriert.
  • Inflation und Eigenmarken: Eigenmarken gewinnen seit 2023 deutlich Marktanteil, vor allem bei Aldi, Lidl, Rewe und Edeka. Premium-Eigenmarken (z.B. Rewe Feine Welt, Edeka Genuss) wachsen besonders stark.
  • Frequenz statt Warenkorb: Konsumenten gehen 2026 häufiger einkaufen, kaufen pro Besuch weniger – die Bevorratungs-Logik der Pandemie ist verschwunden.

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Online-Lebensmittelhandel: Konsolidierung statt Boom

Die Pandemie hat den Lebensmittel-Onlinehandel kurzzeitig zweistellig wachsen lassen. Inzwischen ist das Bild nüchterner. Der Online-Anteil am gesamten Lebensmittelhandel in Deutschland liegt bei rund 3 bis 4 Prozent – deutlich unter dem Hoch von 2021 und weit unter Vergleichsmärkten wie Grossbritannien oder den Niederlanden. Treiber sind heute klar identifizierbare Player: Rewe mit dem eigenen Liefer-Service, Picnic im günstigen Vollsortiment-Segment, Knuspr (Rohlik) im Premium-Frische-Segment.

Amazon Fresh und Flaschenpost spielen jeweils Nischen. Der Verdrängungswettbewerb auf Stadt-Ebene ist hart – die Frage ist nicht mehr, ob Online-Lebensmittel überleben, sondern wer in welchem Liefergebiet die Dichte erreicht, die Stückkosten tragen.

Quick-Commerce: vom Hype zum Reststand

Gorillas, Flink, Getir, Wolt, Foodpanda – der 10-Minuten-Lieferung-Hype zwischen 2020 und 2022 ist 2026 weitgehend abgeräumt. Gorillas wurde an Getir verkauft und mit dem deutschen Markt zurückgezogen, Getir hat das Geschäft 2024 in Europa weitgehend eingestellt. Übrig bleiben hybride Modelle – Rewe und Wolt mit stationären Mikro-Hubs, Convenience-Konzepte in Tankstellen und Bahnhöfen.

Die Lehre aus dem Quick-Commerce-Crash: Dark-Stores ohne Bestandsdichte und ohne zweite Erlösquelle (Werbung, Daten) tragen sich nicht. Anbieter, die heute überleben, kombinieren bestehende Logistik (Lieferdienst, Stationärhandel) mit Quick-Layer.

Inflation und Eigenmarken: der eigentliche Strukturbruch

Zwischen 2022 und 2024 haben Lebensmittelpreise in Deutschland in der Spitze um über 20 Prozent zugelegt. Konsumenten haben mit Marken-Substitution reagiert: Eigenmarken gewinnen Marktanteil, Premium-Eigenmarken wachsen am stärksten. Aldi und Lidl bauen ihre Eigenmarken-Anteile aus, Rewe und Edeka stärken Feine Welt und Genuss. Markenartikel müssen sich neu rechtfertigen – vor allem in Segmenten, in denen Eigenmarken qualitativ aufgeschlossen haben.

Für Hersteller heisst das: Preis-Promotions ersetzen kein klares Wertversprechen. Wer im 2026er Regal sichtbar bleiben will, braucht greifbare Differenzierung (Herkunft, Verarbeitung, Nachhaltigkeitsdaten) statt austauschbarer Wettbewerbsaussagen.

Frequenz steigt, Warenkorb sinkt

Die Bevorratungs-Logik der Pandemie ist verschwunden. Konsumenten gehen 2026 häufiger einkaufen, kaufen pro Besuch weniger. Frequenz steigt, Warenkorbgrösse sinkt. Das ist ökonomisch nachvollziehbar: kleinere Haushalte, mehr Berufstätige Single-Haushalte in Städten, höhere Lebensmittelpreise machen kleinere, häufigere Einkäufe attraktiver als Wocheneinkäufe mit Verderb-Risiko.

Für stationäre Händler ist das ein Argument für mehr Convenience und schnellere Kassen-Durchlaufzeiten. SB-Kassen, Mobile-Pay und Scan&Go-Lösungen werden zu Wettbewerbs-Hebeln, nicht zu Komfort-Features.

Was Handel, Industrie und IT jetzt prüfen sollten

Drei Schritte für 2026. Erstens: für stationäre Händler die Frequenz-Logik in der Filialplanung berücksichtigen – kleinere Formate, höhere Kassen-Kapazität, Convenience-Mix. Zweitens: für Online-Anbieter die Dichte-Frage ehrlich beantworten – in welchen Liefergebieten ist die zweite, dritte und vierte Tour wirtschaftlich. Drittens: für Markenhersteller das Wertversprechen klären und mit harten Daten unterlegen (Herkunft, CSRD-Pflichtdaten, Produktionsumstellung).

Häufige Fragen

Wie hoch ist der Online-Anteil im Lebensmittelhandel 2026 wirklich?

In Deutschland liegt der Online-Anteil bei rund 3 bis 4 Prozent, je nach Quelle und Definition. Internationale Vergleichsmärkte wie UK (rund 11 Prozent) oder Niederlande (rund 8 Prozent) zeigen das Potenzial – DE hängt strukturell hinterher.

Warum ist Quick-Commerce in Deutschland gescheitert?

Die Stückkosten der 10-Minuten-Lieferung lagen dauerhaft über der Zahlungsbereitschaft. Ohne Verdichtung der Bestände und ohne zweite Erlössäule (Werbung, Daten) blieb der Business-Case strukturell defizitär. Hybride Modelle mit bestehender Logistik überleben.

Welche Eigenmarken-Segmente wachsen am stärksten?

Premium-Eigenmarken (Rewe Feine Welt, Edeka Genuss, Aldi Specially Selected) – sie nutzen die Wertigkeits-Lücke, die Markenartikel offen lassen, wenn sie ausschliesslich auf Preisaktionen setzen.

Was bedeutet das für stationäre Händler?

Höhere Frequenz pro Filiale verlangt schnellere Kassen-Durchlaufzeiten und mehr Convenience-Optionen. SB-Kassen, Mobile-Pay, Scan&Go sind keine Komfort-Features mehr, sondern Wettbewerbs-Faktoren.

Wie können Markenhersteller im 2026er Regal bestehen?

Mit greifbarer Differenzierung (Herkunft, Verarbeitung, Nachhaltigkeitsdaten) statt Preisaktionen. CSRD-Daten und Lieferketten-Transparenz werden zu Vertriebsargumenten, nicht zu Reporting-Pflichten.

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Quelle Titelbild: adobestock / DisobeyArt

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