Mediamarkt-Saturn wird chinesisch – wer ist JD.com?
Schon länger gibt es Gerüchte, dass der chinesische Internet- und E-Commerce-Riese JD.com die Mediamarkt-Saturn-Mutter Ceconomy übernehmen will. Jetzt werden die Pläne offenbar konkreter.
Wenn alles so läuft, wie geplant, wird die Mediamarkt-Saturn-Mutter Ceconomy möglicherweise bald ein chinesisches Unternehmen sein. Begibt man sich im Internet auf die Suche nach dem Kaufinteressenten JD.com, erscheint eine rein chinesische Webseite. JD und die chinesischen Kurzzeichen, die man wörtlich mit „im Osten der Hauptstadt“ übersetzen könnte, stehen für die Initialen des Gründers Richard Liu (Liu Qiangdong) und seiner damaligen Freundin Jing.
Unter dem Namen JD Multimedia hatte Liu 1998 bis 2003 in Beijing schon zwölf Ladengeschäfte betrieben. Die SARS-Epidemie zwang ihn 2004 dann praktisch zu seinem Glück und er sprang auf den E-Commerce-Zug auf. Heute gilt das auch als das offizielle Gründungsjahr des Unternehmens, das in Europa als Joybuy in verschiedenen Sprachen Waren anbietet, so auch auf Deutsch.
Online-Gigant mit über 620.000 Beschäftigten
Mit über 620.000 Mitarbeitenden und 158,8 Milliarden US-Dollar Umsatz ist JD heute ein ganz großer Player im Bereich E-Commerce. Ein 2015 eingegangenes Joint-Venture mit dem deutschen Versandhaus Otto hatte zwar nur weniger als drei Jahre Bestand.
Nun greift JD.com jedoch erneut nach den deutschen Sternen, genauer nach der strauchelnden größten Elektronikkette des Landes. Wie t3n berichtet, sind die Verhandlungen über die Übernahme von Ceconomy schon weit fortgeschritten.

Wie Media-Saturn ins Straucheln kam
Weitere Großaktionäre sind das norddeutsche Telekommunikationsunternehmen Freenet AG (6,7 Prozent), die Familie Otto Beisheim (4,8 Prozent) und EXOR NV (4,2 Prozent). Letztere beide erhöhen nach Definition der Deutschen Börse den Streubesitz von 27,3 auf 36,3 Prozent.
Die Media-Saturn Holding, 1979 von Leopold Stiefel, Walter Gunz, Erich und Helga Kellerhals ursprünglich in München gegründet, gilt oder galt in China als Einkaufsmacht sowie als Handelskette mit Eröffnung der ersten MediaMarkt-Filiale in Shanghai 2010 auch als große Nummer. Zusammen mit dem taiwanesischen OEM-Riesen folgten kurz hintereinander sechs weitere „MediaMärkte“ in der Volksrepublik, bevor Anfang 2013 das China-Engagement der deutschen Handelsgruppe schon zum Erliegen kam, weil ihr das nötige Kapital fehlte. Der Rückzug aus dem potenziell größten Absatzmarkt dauerte dann nur wenige Monate. Heute betreibt der Konzern mit Sitz in Ingolstadt immer noch über 1.000 Märkte in elf Ländern und kann sich wohl mit Recht als größte Elektronik-Fachmarkt-Kette Europas bezeichnen.
Neustart mit Rückenwind aus China?
Was ihr aber nachhaltig geschadet hat, waren nicht nur Fehlentscheidungen wie der späte Einstieg in den Online-Handel, sondern auch der seit 2012 schwelende Gesellschafterstreit über verschiedene Standorte mit der Metro, der 2017 in die Abspaltung der Lebensmittelgroßhandelssparte mündete. Der verbliebene Elektronik-Teil mit MediaMarkt, Saturn und redcoon firmiert seitdem als Ceconomy, dem Kunstnamen aus Consumer Electronics und Economy.
Der potenzielle neue Eigentümer mit seiner umfassenden Expertise im Online-Handel könnte nun frischen Wind in das angeschlagene Geschäftsmodell bringen und MediaMarkt-Saturn fit für die digitale Zukunft machen. Damit eröffnet sich für Ceconomy die Chance, im E-Commerce endlich entscheidend aufzuholen und der wachsenden Konkurrenz aus den USA und China selbstbewusst entgegenzutreten.
Quelle Titelbild: Unsplash / CARLOS DE SOUZA

