Lokales KI-Modell auf Server: Unabhängigkeit vom Cloud-Dienstleister für KMU.
03.04.2026

Microsoft Copilot: 15 Millionen Nutzer, 3,3 Prozent zahlen

4 Min. Lesezeit

Microsoft Copilot hat 15 Millionen zahlende Nutzer erreicht. Das klingt nach Erfolg. In Relation gesetzt klingt es anders: Nur 3,3 Prozent der 450 Millionen Microsoft-365-Geschäftskunden zahlen für das KI-Add-on. Von denjenigen die es lizenziert haben, werden nur 36 Prozent zu aktiven Nutzern. Für den Mittelstand stellt sich die Frage: Lohnt sich Copilot für 30 Euro pro Nutzer und Monat – oder wird das die teuerste unbenutzte Software im Unternehmen?

Das Wichtigste in Kürze

  • Microsoft 365 Copilot zählt 15 Millionen zahlende Nutzer (Q2 FY2026). Das entspricht 3,3 Prozent der kommerziellen M365-Abonnenten.
  • Nur 35,8 Prozent der lizenzierten Nutzer werden aktiv. Wenn Nutzer Zugang zu Copilot, ChatGPT und Gemini haben, wählen nur 8 Prozent Copilot als bevorzugtes Tool.
  • Ein britischer Regierungspilot mit 20.000 Nutzern zeigte: 26 Minuten Zeitersparnis pro Tag und Mitarbeiter.

Die Zahlen hinter dem Hype

Microsoft hat Copilot als wichtigsten Wachstumstreiber für das M365-Ökosystem positioniert. 70 Prozent der Fortune-500-Unternehmen haben Copilot eingeführt – aber „eingeführt“ bedeutet in den meisten Fällen: Pilotprojekte und schrittweise Rollouts, nicht flächendeckende Nutzung. Die globale Adoptionsrate liegt bei 3,3 Prozent der kommerziellen Subscriber-Basis.

Noch aufschlussreicher ist die Aktivierungsrate. Von allen Nutzern die eine Copilot-Lizenz besitzen, werden nur 35,8 Prozent zu regelmäßigen Nutzern. Das bedeutet: Fast zwei Drittel der lizenzierten Nutzer öffnen das Tool entweder nicht oder probieren es einmal und kehren zu gewohnten Workflows zurück.

3,3 %
der M365-Geschäftskunden zahlen für Copilot
35,8 %
der Lizenzierten werden aktive Nutzer
26 Min.
Zeitersparnis pro Tag (UK Government Pilot)

Was das für den Mittelstand bedeutet

Copilot kostet 30 Euro pro Nutzer und Monat als Add-on zu einer bestehenden M365-Lizenz. Bei 100 Mitarbeitern sind das 36.000 Euro pro Jahr. Wenn nur 36 Prozent das Tool tatsächlich nutzen, zahlt das Unternehmen effektiv 83 Euro pro aktivem Nutzer und Monat. Das relativiert die Produktivitätsversprechen erheblich.

Die britische Regierung hat in einem Pilotprojekt mit 20.000 Nutzern 26 Minuten Zeitersparnis pro Tag gemessen. Hochgerechnet auf einen Vollzeitangestellten sind das rund 5 Prozent der Arbeitszeit. Ob sich 30 Euro Monatslizenz durch 5 Prozent Zeitersparnis rechtfertigen lassen, hängt vom Stundenlohn der betroffenen Mitarbeiter ab. Bei Wissensarbeitern mit Gehältern über 60.000 Euro jährlich kann die Rechnung aufgehen. Bei administrativen Tätigkeiten wird es eng.

„Copilot ist kein Selbstläufer. 64 Prozent der Lizenzierten nutzen es nicht. Das Problem ist nicht die Technologie – es ist die fehlende Integration in bestehende Arbeitsprozesse.“
– mybusinessfuture Redaktionsbewertung

Handlungsempfehlung

Drei Regeln für den Copilot-Rollout im Mittelstand. Erstens: Klein starten. Nicht 100 Lizenzen kaufen, sondern 10 – für die Mitarbeiter mit dem höchsten Potenzial (Vertrieb, Controlling, Projektmanagement). Zweitens: Nutzung tracken. Microsoft bietet über Viva Insights ein Adoption-Reporting. Wer nach 90 Tagen unter 50 Prozent Aktivierungsrate liegt, sollte nicht skalieren, sondern Ursachen analysieren. Drittens: Workflows vor Lizenzen. Copilot bringt Produktivität dort, wo Prozesse definiert sind. In chaotischen Workflows produziert es chaotische Ergebnisse.

Häufige Fragen

Lohnt sich Copilot für kleine Unternehmen?

Nur wenn klare Use Cases definiert sind. Für ein 20-Personen-Unternehmen, das hauptsächlich E-Mails und Excel nutzt, kann Copilot Zusammenfassungen und Analysen beschleunigen. Aber die 30 Euro pro Nutzer rechnen sich nur bei Mitarbeitern, deren Zeitersparnis den Lizenzbetrag deutlich übersteigt. Ein Pilotprojekt mit 5 Lizenzen für 3 Monate kostet 450 Euro und liefert belastbare Daten.

Warum ist die Aktivierungsrate so niedrig?

Drei Gründe: mangelnde Schulung, unklare Use Cases und Gewohnheit. Die meisten Mitarbeiter nutzen M365 seit Jahren auf bestimmte Weise. Copilot erfordert neue Arbeitsroutinen – Prompting statt Klicken. Ohne gezielte Schulung und Begleitung bleibt Copilot ein ungenutztes Icon in der Menü-Leiste.

Gibt es günstigere Alternativen?

Ja. ChatGPT Teams kostet 25 US-Dollar pro Nutzer und Monat, Google Gemini Business 22 Euro. Beide sind plattformunabhängig. Für Unternehmen tief im Microsoft-Ökosystem hat Copilot den Integrationsvorteil. Für alle anderen lohnt sich der Vergleich.

Quelle Titelbild: Pexels / Tranmautritam (px:326511)

Auch verfügbar in

Ein Magazin der evernine media GmbH