Illustration eines Gebäudes mit Funkmast, roten konzentrischen Signalen und sechseckigem Zielsymbol
07.07.2026

5G-Campusnetze: Was der Mittelstand von 424 Frequenzen lernt

7 Min. Lesezeit

424 Frequenzzuteilungen im 3,7-Gigahertz-Band hat die Bundesnetzagentur bis Oktober 2024 für lokale 5G-Netze erteilt. Die meisten davon gehen an Großkonzerne. Für mittelständische Fertiger, Logistiker und Hafenbetreiber bleibt das eigene Campusnetz ein kaum genutzter Hebel. Dabei liegt die 10-Jahres-Zuteilung für eine 25-Hektar-Fläche bei rund 3.250 Euro. Wer autonome Fahrzeuge, Robotik oder echtzeitkritische Steuerung plant, kommt am öffentlichen Mobilfunk mittelfristig vorbei.

Das Wichtigste in Kürze

  • Eigenes Netz, eigene Regeln. Ein 5G-Campusnetz läuft isoliert vom öffentlichen Mobilfunk. Kapazität, Latenz und Priorisierung bestimmen Sie selbst.
  • 424 Zuteilungen, kaum Mittelstand. Die Bundesnetzagentur hat bis Oktober 2024 424 Frequenzen im 3,7-Gigahertz-Band vergeben. Die Nachfrage aus dem Mittelstand bleibt schwach.
  • Kosten sind planbar. Eine 10-Jahres-Zuteilung für 30 Megahertz auf 25 Hektar kostet rund 3.250 Euro. Die Investition liegt in der Hardware.
  • Use Cases reifen. Echtzeit-Steuerung, autonome Fahrzeuge, Condition Monitoring und Robotik brauchen die geringe Latenz, die nur ein isoliertes Netz liefert.

Verwandt:Heimladestrom beim E-Dienstwagen: Warum die Pauschale 2026 endet  /  Investitionsstau: Wie KI verborgene Budgets freilegt

Was ein Campusnetz vom öffentlichen 5G unterscheidet

Ein 5G-Campusnetz ist ein lokales Mobilfunknetz, das ein Unternehmen exklusiv für sein Gelände betreibt. Die Bundesnetzagentur stellt dafür Frequenzen im Bereich 3,7 bis 3,8 Gigahertz zur Verfügung. Anders als beim öffentlichen Mobilfunk konkurriert das Netz nicht mit anderen Nutzern um Bandbreite. Wer das Netz betreibt, kontrolliert Kapazität, Latenz und Priorisierung der Datenpakete selbst.

Für industrielle Anwendungen ist das der entscheidende Unterschied. Echtzeit-Steuerung in der Fertigung braucht Latenzen unter zehn Millisekunden. Autonome Fahrzeuge in der Logistik brauchen eine durchgehende Versorgung ohne Handover-Lücken. Condition Monitoring an tausend Maschinen braucht eine garantierte Bandbreite, die kein Schwanken toleriert. Das öffentliche Netz liefert das im Durchschnitt, aber nicht verlässlich in jeder Sekunde. Das Campusnetz liefert es verlässlich, weil es exklusiv ist.

Die 424 Frequenzzuteilungen, die die Bundesnetzagentur bis Oktober 2024 gezählt hat, verteilen sich nach Erkenntnissen des Informationszentrums Mobilfunk schwerpunktmäßig auf Großkonzerne in Automotive, Chemie und Hafenlogistik. Der Mittelstand ist unterrepräsentiert. Das liegt weniger an der Technik als an der Wahrnehmung: Viele Betriebsleiter halten Campusnetze für ein Thema der Großindustrie.

~3.250 €
Kosten für eine 10-Jahres-Frequenzzuteilung über 30 Megahertz auf einer 25-Hektar-Fläche. Die Hardware liegt darüber.
Quelle: BMWK-Leitfaden 5G-Campusnetze (Orientierungshilfe für KMU)

Vier Use Cases, die ein Campusnetz brauchen

Nicht jeder Betrieb braucht ein eigenes 5G-Netz. Vier Anwendungsfälle rechtfertigen die Investition, weil das öffentliche Netz oder WLAN an ihre Grenzen stößt.

Use Case Anforderung Warum öffentlich scheitert
Echtzeit-Steuerung Fertigung Latenz < 10 ms Schwankt unter Last
Autonome Fahrzeuge Lückenlose Versorgung Handover-Lücken
Condition Monitoring Garantierte Bandbreite Keine Priorisierung
Robotik / Mensch-Roboter-Kollaboration Deterministische Latenz Sicherheitsrisiko bei Jitter

Quelle: BMWK-Leitfaden, Monitoringbericht Campusnetze 2024

Wer einen dieser Fälle plant, sollte früh prüfen, ob das öffentliche Netz die Anforderung erfüllt. Ein Feldtest mit einem Mobilfunkanbieter auf dem eigenen Gelände zeigt, wo die Versorgung abbricht. Wer in einer Halle mit viel Stahl und Beton produziert, kennt das Problem: das Smartphone zeigt Empfang, die Maschine aber nicht.

Was die Zuteilung kostet und wie sie läuft

Die Bundesnetzagentur vergibt Frequenzen auf Antrag. Der Prozess ist standardisiert, dauert in der Regel mehrere Wochen. Der Antrag enthält die geografische Abgrenzung, die geplante Bandbreite und den Nutzungszweck. Wer das erste Mal beantragt, profitiert von der Orientierungshilfe des Bundeswirtschaftsministeriums, die gezielt für kleine und mittlere Unternehmen geschrieben ist.

Die Frequenzgebühr ist überschaubar. Das BMWK nennt als Beispiel rund 3.250 Euro für eine 10-Jahres-Zuteilung über 30 Megahertz auf 25 Hektar. Die eigentliche Investition liegt in der Hardware: Basisstationen, Kernnetz und Endgeräte. Hier liegen die Kosten je nach Geländegröße und Anbieter zwischen fünfstelligen und niedrigen sechsstelligen Beträgen.

Drei Betriebsmodelle haben sich etabliert. Erstens der Eigenbetrieb, bei dem das Unternehmen das Netz kauft und selbst betreibt. Zweitens das Betreibermodell, bei dem ein Telekommunikationsansteller das Netz auf dem Gelände aufbaut und betreibt. Drittens das Shared-Modell, bei dem mehrere Betriebe auf einem Industriepark ein gemeinsames Netz teilen. Für den Mittelstand ist oft das Betreibermodell der realistische Einstieg, weil es die Fachpersonal-Anforderung senkt.

Was bricht

  • Öffentliches Netz unter Last
  • WLAN in Stahl-/Betthallen
  • Echtzeit-Steuerung ohne Garantie

Was trägt

  • Exklusive Bandbreite
  • Betreibermodell senkt Fachbedarf
  • Planbare Frequenzgebühr

Was bis 2027 auf Mittelständler zukommt

Die Bundesnetzagentur hat im Zuge der Neuvergabe der 5G-Frequenzen nach einem Gerichtsurteil des Verwaltungsgerichts Köln den Zuteilungsprozess neu aufgesetzt. Wer jetzt eine Frequenz beantragt, bekommt sie unter den aktualisierten Bedingungen. Das erhöht die Verfügbarkeit, weil freie Frequenzen schneller vergeben werden.

Für den Mittelstand verschiebt sich die Relevanz nicht durch Regulation, sondern durch Anwendungen. Wer Robotik, autonomes Fahren auf dem Werksgelände oder eine durchgehende Maschinen-Vernetzung in die Roadmap geschrieben hat, kommt am Campusnetz mittelfristig nicht vorbei. Wer klassisch fertigt ohne Echtzeit-Anforderungen, braucht es nicht. Die Frage ist nicht, ob das eigene Netz Sinn macht, sondern ob die eigenen Prozesse die Anforderungen aufbauen, die es rechtfertigen.

Der BMWK-Leitfaden, der Campusnetzplaner der TU Dortmund und die Monitoringberichte des Bundes liefern die Grundlagen für eine Einschätzung. Wer die nächsten Schritte plant, sollte einen Feldtest mit einem Anbieter vereinbaren und die Versorgung auf dem eigenen Gelände messen. Die Entscheidung fällt nicht im Meeting, sondern im Messprotokoll.

Häufige Fragen

Was kostet eine 5G-Campusnetz-Frequenz?

Die Frequenzgebühr der Bundesnetzagentur ist moderat. Das BMWK nennt als Beispiel rund 3.250 Euro für eine 10-Jahres-Zuteilung über 30 Megahertz auf 25 Hektar. Die eigentliche Investition liegt in der Hardware.

Braucht jeder Mittelständler ein eigenes 5G-Netz?

Nein. Wer klassisch fertigt ohne Echtzeit-Steuerung,Robotik oder autonome Fahrzeuge, braucht kein Campusnetz. Der Hebel liegt bei Anwendungen, die deterministische Latenz oder garantierte Bandbreite erfordern.

Kann man ein Campusnetz mieten statt kaufen?

Ja. Im Betreibermodell baut ein Telekommunikationsanbieter das Netz auf dem Gelände auf und betreibt es gegen monatliche Gebühr. Das senkt die Fachpersonal-Anforderung und ist für viele Mittelständler der realistische Einstieg.

Wie lange dauert die Frequenzzuteilung?

Der Prozess ist standardisiert und dauert in der Regel mehrere Wochen. Der Antrag enthält die geografische Abgrenzung, die geplante Bandbreite und den Nutzungszweck. Die Bundesnetzagentur hat den Prozess nach einem Gerichtsurteil neu aufgesetzt.

Welche Frequenzen stehen zur Verfügung?

Die Bundesnetzagentur stellt für Campusnetze primär den Bereich 3,7 bis 3,8 Gigahertz zur Verfügung. Ergänzend gibt es mmWave-Frequenzen im Bereich 24,25 bis 27,5 Gigahertz, für die bis April 2025 24 Zuteilungen erteilt wurden.

Weiterlesen auf MyBusinessFuture

MyBusinessFutureHeimladestrom beim E-Dienstwagen: Warum die Pauschale 2026 endetMyBusinessFutureE-Dienstwagen: Warum die 0,25-Prozent-Regel den Fuhrpark drehtMyBusinessFutureInvestitionsstau: Wie KI verborgene Budgets freilegt

Mehr aus dem MBF Media Netzwerk

cloudmagazinFast auf Spitzenniveau, günstiger und über drei KontinenteDigital ChiefsWarum mehr Tech-Budget keinen Vorsprung sichertSecurityTodayWenn ein Anruf die Autoproduktion stoppt

Bildquelle: KI-generiert (Juli 2026)

Ein Magazin der evernine media GmbH
Das Entscheider-Magazin für den DACH-Mittelstand