Istock - Banking as a Service: Welche Optionen Banken beim Outsourcing haben
24.10.2018

Banking as a Service: Outsourcing-Optionen für Banken

5 Min. Lesezeit

Aktualisiert am 11. Mai 2026 · Ursprünglich veröffentlicht 24. Oktober 2018

Banking-as-a-Service ist 2026 ein anderes Geschäft als 2018: Die Solaris-Krise und der BaFin-Druck nach N26 und Wirecard haben den Markt bereinigt, Embedded-Finance über Stripe, Adyen und Treasury-APIs ist Standard im Handel, und mit DORA hat die EU einen verbindlichen Rahmen für IT-Auslagerung im Bankensektor gezogen. Wer als Bank, Sparkasse oder Finanzinstitut Outsourcing-Pfade plant, muss heute andere Fragen beantworten als vor sieben Jahren.

Das Wichtigste in Kürze

  • Markt-Konsolidierung: Solaris steckt seit 2024 in einer Restrukturierung, der BaaS-Markt in DACH hat sich entzerrt. Erfolgreiche Anbieter setzen heute auf klare Lizenzbasis und enge BaFin-Kommunikation.
  • Embedded Finance dominiert: Stripe, Adyen und spezialisierte Treasury-API-Provider stellen Zahlungen und Konto-Infrastruktur als API bereit. Der Handel zieht damit Finanzfunktionen ins eigene Produkt.
  • Core-Banking modernisiert sich: Mambu, 10x Banking, Thought Machine, FintechOS – moderne Core-Banking-Plattformen sind 2026 reif und werden auch von etablierten Banken eingesetzt.
  • DORA verbindlich: Seit 17.01.2025 müssen Banken IT-Auslagerungen nach DORA dokumentieren – mit Lieferanten-Register, Tests und Konzentrations-Risiko-Analyse.

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Wie BaaS 2018 begann – und was sich bis 2026 geändert hat

Die Grundidee von Banking-as-a-Service ist gleich geblieben: regulierte Banken stellen Konto-, Zahlungs- und Kartenfunktionen als modulare Services bereit, andere Unternehmen integrieren sie in ihre eigenen Produkte. Geändert hat sich der Markt drumherum. Die ursprünglichen Studien dieser Periode – etwa der Checklisten-Bericht, der von Avaloq und zeb stammt – argumentierten noch stark mit Greenfield-Bank-Szenarien. Heute treibt vor allem der Handel die Nachfrage: Zalando, About You, Otto Group, Klarna und die grossen Marktplätze bauen Finanzfunktionen direkt ins Kunden-Erlebnis ein.

Der zweite grosse Bruch kam 2024: Die BaFin hat mit ihrem Vorgehen gegen Solaris (Sondervorgaben, Wachstumsbeschränkung, Restrukturierung) signalisiert, dass schnelles Skalieren auf Kosten der Compliance nicht mehr trägt. Wirecard, N26 und die Krypto-Pleiten haben den Aufsichtston dauerhaft verschärft.

Embedded Finance: der eigentliche Wachstumshebel

Embedded Finance bedeutet, dass Finanzfunktionen in nicht-finanzielle Produkte eingebettet sind – der Endkunde sieht keine Bank, sondern eine Funktion des Händlers oder Software-Anbieters. Stripe und Adyen stellen Zahlungen, Adyen Issuing liefert Karten, Treasury-APIs (Wise, Modern Treasury, Unit) bauen Konto-Logik. Banken übernehmen dabei die Rolle des regulierten Hintergrunds – kein direkter Markenkontakt, aber stabile Provisions-Erlöse.

Für Banken heisst das: BaaS ist 2026 nicht primär ein Frontend-Geschäft, sondern Infrastruktur-Vermietung. Der wirtschaftliche Sinn liegt in der Skalierung der Plattform-Kosten über mehr Endkunden, nicht in der Markenführung.

Welche Outsourcing-Modelle Banken heute realistisch fahren

Drei Modelle haben sich in DACH etabliert:

  1. Lift-and-Shift mit Core-Banking-Plattform: Banken migrieren bestehende Bereiche auf moderne Core-Banking-Systeme wie Mambu, 10x oder Thought Machine. Vorteil: schrittweise Modernisierung. Risiko: Datenmigration und Schnittstellen-Komplexität.
  2. BaaS-Lizenzverleih: Eine Bank stellt ihre Lizenz und Compliance-Infrastruktur für Fintechs und Handelsplattformen bereit. Erlös: Provisions-Modelle. Risiko: Konzentration auf wenige Grosskunden und gemeinsame Reputations-Risiken.
  3. Verbund-Modell: Sparkassen- und Genossenschaftsverbände betreiben gemeinsame BaaS-Plattformen (Finanz Informatik, atruvia) statt jeder Institut-eigenen Lösung. Vorteil: geteilte Kosten, einheitliche Compliance. Risiko: gemeinsame Updategeschwindigkeit.

DORA: warum IT-Outsourcing 2026 strenger geregelt ist

Der Digital Operational Resilience Act (DORA) gilt seit 17. Januar 2025 für Banken, Versicherer und kritische IT-Dienstleister im Finanzsektor. Konkrete Anforderungen: ein vollständiges Register aller IT-Auslagerungen, Testpflichten (TLPT – Threat-Led-Penetration-Tests), Vorfall-Meldepflichten an die BaFin, Konzentrations-Risiko-Analyse über mehrere Banken. Für BaaS-Anbieter heisst das: ohne saubere DORA-Compliance-Aufstellung kein Bank-Mandat.

Banken, die heute Outsourcing-Modelle bauen, müssen den Lieferanten DORA-fest auswählen, vertraglich nach DORA-Vorgaben binden und ihre Konzentrations-Risiken im Auge behalten. Wer zu wenige Anbieter über zu viele Funktionen verteilt, verstösst gegen die Konzentrations-Vorgaben.

Was Banken, Sparkassen und Fintechs jetzt prüfen sollten

Drei konkrete Schritte für 2026. Erstens: Core-Banking-Roadmap mit klarem Modernisierungs-Pfad festlegen – schrittweise Mambu/10x/Thought-Machine-Migrationen sind heute reifer als 2018 und liefern messbare Time-to-Market-Vorteile. Zweitens: DORA-Auslagerungs-Register vollständig pflegen, mit Konzentrations-Analyse pro kritischer Funktion. Drittens: für BaaS-Anbieter eine ehrliche Konzentrations-Diskussion mit dem grössten Endkunden führen – sonst wird das nächste Solaris-Szenario ein eigenes Risiko.

Häufige Fragen

Ist BaaS in DACH nach der Solaris-Krise tot?

Nein. Der Markt hat sich konsolidiert. Erfolgreiche Anbieter setzen auf eigene Lizenz, klare Compliance-Aufstellung und enge BaFin-Kommunikation. Reine Skalierungs-Modelle ohne Risk-Tiefe sind aber ausgelaufen.

Was unterscheidet Embedded Finance von klassischem BaaS?

Embedded Finance ist die Endkunden-Sicht – Finanzfunktionen in einem Nicht-Bank-Produkt. BaaS ist die Anbieter-Sicht – die Bank stellt Infrastruktur und Lizenz bereit. Beide Begriffe beschreiben dasselbe Marktphänomen aus unterschiedlichen Richtungen.

Welche Core-Banking-Plattformen sind in DACH wirklich angekommen?

Mambu, 10x Banking, Thought Machine, FintechOS – alle vier laufen in Produktiv-Migrationen bei deutschen oder österreichischen Instituten. Daneben bleiben Avaloq und die Verbund-Lösungen Finanz Informatik (Sparkassen) und atruvia (Volks- und Raiffeisenbanken) die etablierten Anker.

Was bedeutet DORA konkret für BaaS-Verträge?

Verträge müssen DORA-konforme Klauseln enthalten (Ausstiegsstrategie, Recht auf Audit, Vorfall-Meldewege, Subunternehmer-Transparenz). Banken müssen den BaaS-Anbieter als kritischen IT-Dienstleister erfassen und regelmässig testen.

Wie verändern sich Erlös-Modelle 2026?

Provisions-Modelle dominieren, oft kombiniert aus Setup-Fee, monatlicher Plattform-Pauschale und transaktionsbasierter Komponente. Reine Volumen-Modelle ohne Mindestbeitrag laufen aus, weil sie regulatorische Aufwände nicht decken.

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Titelbild: iStock / pixdeluxe

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