Aufnahme von Diego Delso aus Berlin zeigt das Bundeskanzleramt bei Nacht.
28.04.2026

Made for Germany: Zwischenbilanz mit Lücken

5 Min. Lesezeit

Neun Monate nach dem Start im Juli 2025 zählt die Initiative Made for Germany 129 Mitglieder mit Investitionszusagen von über 800 Milliarden Euro für 2025 bis 2028. Das BIP wuchs Ende 2025 um 0,2 Prozent. 85 Prozent der Unternehmen erwarten laut ifo-Daten für 2026 keine Besserung, BDI-Präsident Wolfram Leibinger spricht von der schwersten Krise seit Gründung der Bundesrepublik. Eine nüchterne Mittelstands-Prüfung der Offensive zeigt drei laufende Förder-Cluster und eine Reihe Versprechen, die noch unterwegs sind.

Das Wichtigste in Kürze

  • Initiative steht, Wirkung fehlt. 129 Konzerne und Investoren, über 800 Milliarden Euro Investitionszusagen für 2025 bis 2028. Bundeskanzler Friedrich Merz hat Made for Germany am Bundeskanzleramt offiziell empfangen.
  • Drei Förder-Cluster sind operativ. Mittelstand-Digital-Zentren-Neuausschreibung des BMWE (Skizzen-Frist 30. April), IPCEI-AI mit über einer Milliarde Euro Volumen (Matchmaking 10. März 2026), IPCEI-Halbleiter mit 38 ausgewählten deutschen Projekten am 19. März 2026.
  • Makro-Realität bleibt schwierig. BIP wuchs Ende 2025 um 0,2 Prozent, 85 Prozent der Unternehmen erwarten 2026 keine Besserung. Konkrete IPCEI-AI-Bewilligungen liegen frühestens in H2 2026.
  • 2026 wird das Reform-Jahr. BDI und DIHK fordern verlässliche Zukunftsperspektiven. Mittelständler bauen ihre Investitionsplanung besser auf der eigenen Bilanz auf, Förder-Hebel kommen als Top-up dazu.

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Was Made for Germany ist und was die Initiative liefern soll

Made for Germany ist eine im Juli 2025 gegründete branchenübergreifende Initiative von zunächst 61, mittlerweile 129 Konzernen und Investoren in Deutschland. Mitglieder verpflichten sich zu Investitionen in Innovation, Forschung, Infrastruktur und Arbeitsplätze. Gemeinsam mit der Bundesregierung erarbeitet die Initiative in zehn strategischen Themenfeldern Reformvorschläge zu Digitalisierung, Energiekosten und Bürokratieabbau.

Die Anspruchsmarke war hoch: 800 Milliarden Euro Investitionszusagen über drei Jahre, mit öffentlichem Empfang am Bundeskanzleramt und Kanzler-Statement zur strategischen Bedeutung. Die makroökonomische Realität liest sich anders. Das BIP wuchs Ende 2025 um 0,2 Prozent. Die ifo-Daten vom Dezember 2025 zeigen 85 Prozent der Unternehmen ohne Erwartung einer Besserung 2026.

Die DIHK formuliert den Anspruch für das laufende Jahr: 2026 müsse das Jahr der Reformen werden. Bisher getroffene Maßnahmen reichen nach DIHK-Position bei weitem nicht aus, viele Initiativen bleiben auf dem Papier angekündigt. Die Initiative selbst hat im Februar 2026 nachgelegt und mutige Reformen für die europäische Wettbewerbsfähigkeit gefordert.

800 Mrd. €
Investitionszusagen der 129 Made-for-Germany-Mitglieder für 2025 bis 2028.
Quelle: madeforgermany.net, Stand April 2026

Drei Ebenen, an denen Made for Germany messbar wird

Die 800-Milliarden-Marke ist der Aufmacher. Belastbar wird die Initiative aber erst, wenn man sie an drei Ebenen prüft. Die erste Ebene ist die Trennung zwischen Ankündigung und Bindung. Wie viel der zugesagten Summen ist neu gebundenes Kapital, wie viel ohnehin geplante Investitionen, die jetzt unter neuem Label laufen. Eine saubere Trennung gibt es bisher weder im offiziellen Reporting noch in der Begleit-Berichterstattung.

Die zweite Ebene ist Leuchtturm gegen Breitenwirkung. Sichtbare Großprojekte sind politisch dankbar, treffen aber selten den Mittelstand. Die Kennzahlen, die hier zählen, lauten: Förderzugang für KMU, Geschwindigkeit der Bewilligungen, Co-Investment-Effekte über die Konzernebene hinaus. Stand April 2026 sind diese Daten für Made-for-Germany-nahe Programme nur lückenhaft öffentlich verfügbar.

Die dritte Ebene ist die Systemfähigkeit des Standorts: Genehmigungsdauern, Energiepreise, Fachkräfteverfügbarkeit. Hier liegt der eigentliche Engpass. Er bewegt sich unabhängig von Investitionszusagen. Bleiben Genehmigungsverfahren bei den heutigen Laufzeiten, verpufft jede zusätzliche Milliarde im Ankündigungs-Zyklus.

Drei Förder-Cluster, die operativ angelaufen sind

Drei Förder-Verfahren liefen im Frühjahr 2026 messbar an. Das erste sind die Mittelstand-Digital-Zentren. Das BMWE hat das Programm neu ausgeschrieben, der Förderaufruf erschien am 23. Dezember 2025. Skizzen für regionale Zentren waren bis 31. März fällig, Themen- und Branchen-Zentren bis 30. April. Das alte Programm läuft Ende 2026 aus. Mittelständler in Konsortien können sich um nicht-rückzahlbare Förderung für KI- und Digitalisierungs-Beratung bewerben.

Das zweite Verfahren ist IPCEI Künstliche Intelligenz. BMWE hat das Interessenbekundungsverfahren am 5. Dezember 2025 gestartet, Skizzen-Frist war der 21. Januar 2026. Auf nationaler Ebene haben die EU-Mitgliedstaaten rund 150 Projekte vorausgewählt. Das europäische Matchmaking startete am 10. März 2026 mit einem zentralen Event in Berlin. Deutschland plant eine Beteiligung von über einer Milliarde Euro mit Förderbeträgen bis 25 Millionen Euro pro Projekt.

Das dritte Verfahren ist IPCEI Halbleiter. Am 19. März 2026 hat das BMWE 38 deutsche Projekte für das europäische Schlüsselprogramm ausgewählt. Das ist messbarer Fortschritt, kein Reform-Versprechen.

Drei Förder-Cluster im Liefer-Vergleich

Cluster Was geliefert wurde Was noch aussteht
Mittelstand-Digital-Zentren BMWE-Förderaufruf 23.12.2025, Skizzen-Fristen 31.03. und 30.04.2026 Bewilligungen, Programmstart der neuen Zentren, Übergangslogik für Bestandskonsortien
IPCEI Künstliche Intelligenz Verfahren gestartet 05.12.2025, Matchmaking 10.03.2026, ~150 Projekte vorausgewählt EU-Notifizierung, konkrete Bewilligungen, IPCEI-Genehmigung der EU-Kommission
IPCEI Halbleiter 38 deutsche Projekte ausgewählt am 19.03.2026 für das europäische Schlüsselprogramm Implementierung, Beteiligungs-Cluster mit Mittelstand, sichtbare Investitionsflüsse

„85 Prozent der Unternehmen erwarten laut ifo-Daten für 2026 keine Besserung, BDI-Präsident Wolfram Leibinger spricht von der schwersten Krise seit Gründung der Bundesrepublik.“

Mittelstands-Hausaufgaben für die nächsten 90 Tage

Die Frage, die sich ein Mittelstands-CFO im April 2026 ehrlich stellen muss: Was müsste passieren, damit Made for Germany meine Investitionsentscheidung heute beeinflusst. Realistische Antwort: ein Bewilligungsbescheid in einem konkreten Förder-Cluster, ein verbindlicher Co-Investment-Partner aus dem Konzernkreis oder eine Genehmigungs-Beschleunigung in einem laufenden Vorhaben. Keiner dieser drei Auslöser ist Stand heute über die Initiative direkt aktivierbar. Die operativen Anknüpfungen liegen in den parallelen BMWE-Programmen.

Drei konkrete Hebel kommen aus den Cluster-Verfahren ins Mittelstandsmanagement. Der erste betrifft die Mittelstand-Digital-Zentren: Konsortien sollten prüfen, ob für die 30.-April-Frist noch eine Skizze passt. Bestandskonsortien sind in der besseren Position, den Übergang zur neuen Programmlogik aktiv mitzugestalten, statt das Programmende abzuwarten.

Der zweite Hebel ist das IPCEI-AI-Matchmaking. Mittelständler ohne eigene Skizze können sich an bestehende Projekte als Anwender oder Lieferant andocken. Das Matchmaking-Event in Berlin im März war öffentlich zugänglich, die Liste der vorausgewählten Projekte ist über die nationalen Kontaktstellen einsehbar.

Bleibt die eigene Investitionsplanung. Die makroökonomischen Indikatoren zeigen für 2026 wenig Rückenwind. Eine Bilanz-Strategie, die Förder-Hebel als Top-up nutzt und nicht als Treiber, ist gegenüber den ifo-Daten realistischer als das Setzen auf konjunkturellen Aufschwung in Q3 oder Q4.

Der Erfolg der Initiative wird sich am Tempo entscheiden, mit dem Bewilligungen, Genehmigungen und Mittelabflüsse beim Mittelstand ankommen. Bewegt sich diese Kennzahl bis Mitte 2027 messbar, liefert Made for Germany Standortwirkung. Bewegt sie sich nicht, bleibt die Bilanz: ein Vertrauenssignal mit hoher Reichweite und geringer Tiefe.

Häufige Fragen

Wenn Made for Germany makroökonomisch wenig wirkt, lohnt es sich für Mittelständler, sich damit zu beschäftigen?

Ja, aber gefiltert. Die operativen Anknüpfungspunkte liegen weniger in der Initiative selbst als in den parallel laufenden BMWE-Förderprogrammen, die im Kontext entstanden oder beschleunigt wurden. Mittelstand-Digital-Zentren und IPCEI-AI sind die zwei realistischsten Andockpunkte für DACH-Mittelstand mit eigener Innovationsagenda.

Wann ist mit konkreten IPCEI-AI-Bewilligungen zu rechnen?

Stand April 2026 ist die Bewilligung noch nicht erfolgt. Nach dem nationalen Matchmaking im März 2026 läuft das europäische Notifizierungsverfahren bei der EU-Kommission. Erfahrungswerte aus IPCEI Halbleiter und IPCEI Wasserstoff lassen Bewilligungen frühestens in der zweiten Jahreshälfte 2026 erwarten.

Welche Mittelständler kommen für IPCEI-AI in Frage?

Hochinnovative Projektideen für industrielle KI mit substanzieller Forschungs- und Entwicklungs-Komponente. Förderbeträge bis 25 Millionen Euro pro Projekt. Voraussetzungen: technische Originalität, europäische Kooperation und nachweisbarer Markt-Bezug. KMU können auch als Teil eines Konsortiums teilnehmen, ohne selbst Hauptantragsteller zu sein.

Quelle Titelbild: Wikimedia Commons / Diego Delso (CC BY-SA 4.0)

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