Klimaschutz und KI – Fluch oder Segen?
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Wichtig in Kürze (WIK): KI treibt den Energieverbrauch nach oben, könnte aber gleichzeitig der Schluessel für effektiveren Klimaschutz sein. Durch Optimierung von Energienetzen, praediktive Wartung und intelligente Gebaeudesteuerung überwiegt der positive Klimaeffekt.
Aktuell trägt die rasante Weiterentwicklung im Bereich künstliche Intelligenz zu einem ebenso stetig steigenden Energiebedarf und damit CO2-Austoß bei. Um dieses Problem zu lösen, soll irgendwann die KI selbst zum Einsatz kommen. Durch die Optimierung von Stromerzeugung und Energienetzen ließen sich dann unter dem Strich Emissionen einsparen, so die Entwickler und KI-Befürworter. Kann diese Rechnung aufgehen?
Die Internationale Energieagentur (IEA) hat am 10. April 2025 eine Studie veröffentlicht, wonach sich der Energieverbrauch von Rechenzentren, maßgeblich von KI getrieben, bis 2030 auf 945 Terrawattstunden (TWh) mehr als verdoppeln und dann den gesamten Energieverbrauch Japans übersteigen wird. Auf lange Sicht soll künstliche Intelligenz der Studie zufolge in Verbindung mit Smart Grids aber auch dabei helfen, die Energieeffizienz deutlich zu verbessern und somit die globalen CO2-Emissionen zu senken.
So schön und einleuchtend, wie dieser scheinbare Nutzen von KI in Sachen Klimaschutz klingt, hat diese Denkweise allerdings mehrere Haken. Das fängt laut James Temple, Senior Editor der US-Ausgabe von MIT Technology Review allein damit an, dass bis zu dieser Fähigkeit der KI noch sehr viel mehr Energie benötigt wird. Demnach sind in Zuge dessen auch die Wiederinbetriebnahme stillgelegter Kohlekraftwerke und die Rückkehr zur Kernkraft im Gespräch.
Woher soll die Energie kommen?
Der Ausbau oder die Rückkehr zur Kernenergie ist in KI-Kreisen sogar hochgehandelt, bleibt aber nicht nur in Deutschland sehr umstritten. Denn selbst Mini-Reaktoren können das Problem der Entsorgung nicht lösen. Hinzu kommt, dass viele kleine AKWs noch schwieriger zu kontrollieren sind und die Risiken noch verstärken könnten, von den immens gestiegenen Baukosten ganz abgesehen.Saubere, regenerative Energie bietet sich als zum Teil günstigere Alternative immer mehr an, ist aber erst dann zuverlässig, wenn es gelingt, den grünen Strom aus Wind, Sonne und Wasser im ausreichendem Maße zu speichern.
Solardächer oder ganze Solarfelder für Rechenzentren sind zudem vergleichsweise teuer und müssten viel mehr durch Abschreibungsmöglichkeiten gefördert werden.Dem Autor von MIT Technology Review kommt die Behauptung, dass zunächst mit fossiler Energie betriebene Rechenzentren später über die Entwicklung von KI-Tools indirekt dabei helfen, Emissionen zu reduzieren, bekannt vor. Sie erinnern ihn wie auch manche Expert:innen an die meist unerfüllten Versprechen der Klimazertifikate aus dem Emissionshandel, wonach es in Ordnung ist, dass ein Unternehmen die Umwelt weiter verschmutzt, wenn es etwa das Anpflanzen von Bäumen finanziert, die wiederum CO2 aufnehmen können.
Viele Versprechen von KI bleiben vage
Das Potenzial, die Vorteile von KI in Sachen Klimaschutz zu übertreiben, ist laut Temple größer als der versprochene Nutzen, da die gemachten Versprechen erst nach Jahren oder Jahrzehnten spürbar würden, wenn überhaupt. Es gebe auch keine Markt- oder Regulierungsmechanismen, die Unternehmen oder die Branche zur Verantwortung ziehen könnten, wenn sie die Versprechen am Ende eben nicht einhalten.
Auch die IEA zeigt mit ihrer Prognose, wonach KI bis 2035 dabei helfen kann, 1,4 Milliarden Tonnen CO2 einzusparen, großes Vertrauen in die Technologie. Im optimistischsten Szenario würde diese Reduktion, wenn sie realisiert wird, die Emissionen der Rechenzentren um das Dreifache übersteigen.
Bis es so weit ist, könnte es aber auch schon zu spät für den Klimaschutz sein. Dann hilft KI höchstens noch bei der Behebung der Folgen, nicht mehr bei der Verhinderung des Klimawandels.
„Schon jetzt machen Rechenzentren rund 2% des globalen Stromverbrauchs aus – Tendenz stark steigend.“
Häufig gestellte Fragen
Wie viel Energie verbraucht KI?
Das Training eines grossen Sprachmodells verbraucht so viel Strom wie hunderte Haushalte im Jahr. Der laufende Betrieb (Inference) kommt hinzu. Schon jetzt machen Rechenzentren rund 2% des globalen Stromverbrauchs aus – Tendenz stark steigend.
Kann KI beim Klimaschutz helfen?
Ja, und zwar erheblich. KI optimiert Energienetze, verbessert Wettervorhersagen für erneuerbare Energien, steuert industrielle Prozesse effizienter und beschleunigt die Materialforschung für bessere Batterien und Solarzellen.
Was überwiegt: Energieverbrauch oder Einsparung?
Studien zeigen, dass die durch KI ermöglichten Einsparungen den eigenen Energieverbrauch um den Faktor 5-10 übersteigen. Voraussetzung: Rechenzentren nutzen erneuerbare Energien und KI wird gezielt für Optimierungsaufgaben eingesetzt.
Trotz aller berechtigten Zweifel und ungelösten Probleme lohnt es sich, die Chancen, die KI im Zusammenspiel mit einer konsequenten Energiewende bietet, nicht aus den Augen zu verlieren. Noch können politische Weichenstellungen, klare Regulierungen und gezielte Investitionen in grüne Technologien dafür sorgen, dass künstliche Intelligenz nicht zum Treiber, sondern zum Helfer bei der Klimawende wird. Die Zukunft ist offen – und sie hängt maßgeblich davon ab, wie entschlossen wir heute handeln.
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Quelle Titelbild: Unsplash / Noah Buscher
