Digitalisierung / Digitalization
03.12.2020

So kann die Digitalisierung die Klimabilanz verbessern

Eine Studie der Bitkom zeigt auf, dass durch die Digitalisierung fast die Hälfte der Klimaziele bis 2030 erreicht werden kann. Besonders hervorzuheben ist der Wert in Höhe von 120 Megatonnen: Das entspricht der Menge CO2, die durch die beschleunigte Digitalisierung eingespart werden könnte.

Grundsätzlich hat sich Deutschland zum Ziel gesetzt 2030 543 Megatonnen CO2 zu produzieren, was etwas mehr als die Hälfte (55%) von dem Wert aus dem Jahr 1990 entspricht. Zum Vergleich: 2019 lag der Ausstoß bei 805 Metatonnen CO2.

Um dieses Ziel zu erreichen, müssen alle Bereiche aktiv werden. Die Studie der Bitkom „Klimaeffekte der Digitalisierung“ untersucht deswegen, welches Potenzial die Digitalisierung in Bezug auf diese Ziele hat. In diesem Zusammenhang werden sieben Bereiche genauer betrachtet.

Moderate und beschleunigte Digitalisierung

Um die Ergebnisse möglichst greifbar zu machen, hat man zwei Szenarien genauer betrachtet: die moderate und die beschleunigte Digitalisierung.

Bei ersterem verbleibt man bei der aktuellen Geschwindigkeit. Dazu zählen neben den Rahmenbedingungen auch aktuelle Anreize. Unter der beschleunigten Digitalisierung wird ein höheres Tempo durch neue Anreize verstanden.

Quelle: iStock / metamorworks
Durch die Digitalisierung ist eine maßgebliche Senkung von CO2 möglich. (Quelle: iStock / metamorworks)

Wie könnte es weitergehen?

Die Studie zeigt, dass bei einer moderaten Geschwindigkeit durch die Digitalisierung insgesamt bis zu 78 Megatonnen CO2 eingespart werden könnte. Das entspricht etwa 30 Prozent der Ziele. Durch neue Anreize und somit einem höheren Tempo könnten bis 2030 120 Megatonnen eingespart werden. Das entspricht 46 Prozent.

Quelle: Bitkom
Die industrielle Fertigung ist der lukrativste Bereich zur Einsparung. (Quelle: Bitkom)

Die Ergebnisse im Einzelnen

Industrielle Fertigung

Wie auch schon durch die Grafik deutlich wird, weist die industrielle Fertigung das größte Potenzial auf. Insgesamt 35 Megatonnen beziehungsweise 61 Megatonnen durch eine beschleunigte Digitalisierung könnten eingespart werden. Besonders erwähnenswert sind hier die Automatisierung in der Produktion und der Digitale Zwilling. Ersteres stellt einen Prozess dar, bei der Anlagen, Maschinen, Werkstücke und Bauteile miteinander vernetzt sind und Arbeiten autonom mit einem möglichst geringem Energieeinsatz durchlaufen. Der Digitale Zwilling ermöglicht eine Einsparung von Material, Energie und Ressourcen, indem die einzelnen Prozesse an einem digitalen Produkt getestet werden.

Mobilität

Die Mobilität liegt mit 17 beziehungsweise 28 Megatonnen auf Platz 2. Neben einer Intelligenten Verkehrssteuerung und einer Smarten Logistik hebt sie hier auch die Sharing Mobility hervor. Zur Erklärung: unter einer Intelligenten Verkehrssteuerung versteht man beispielsweise GPS-Systeme in Autos, die Daten generieren, wodurch Ampeln dementsprechend geschaltet oder auch Verkehrsströme umgeleitet werden. Eine Smarte Logistik reduziert Leerfahrten und optimiert Frachtrouten. Teilen sich mehrere Fahrer ein Fahrzeug, spricht man von Car- oder Ride-Sharing. Je nachdem, ob die Benutzer ein ähnliches Ziel haben oder nicht.

Quelle: iStock / Hispanolistic
Smart Homes und vernetzte Büros können einen Beitrag zur Erreichung der Klimaziele leisten. (Quelle: iStock / Hispanolistic)

Gebäude

Smart Homes und Vernetzte Gebäude ermöglichen eine Einsparung von 16 beziehungsweise 19 Megatonnen CO2.

Die Idee dahinter ist recht simpel. Wird ein Fenster geöffnet, regelt sich die Heizung herunter, ist ein Raum leer, schaltet sich das Licht aus. Auch bei Bürokomplexen agiert diese Technologie sehr effizient.

So regelt sich beispielsweise die Klimatisierung autonom nach den Wetterverhältnissen. Gleiches gilt für die Lüftung oder die Heizung.

Arbeit & Business

Die Überweisungen werden online getätigt und das Büro ist in den eigenen vier Wänden angesiedelt. Mithilfe von Online Banking und E-Work können bis 2030 10 beziehungsweise 12 Megatonnen CO2 eingespart werden. Vor allem durch das Home Office kann massiv CO2 gespart werden. Dies liegt unter anderem an Video-Konferenzen, die eine Flugreise ersetzen oder den täglichen Weg zur Arbeit.

Der CO2-Fußabdruck

Dass CO2 durch die Digitalisierung eingespart werden kann, wird in der Studie deutlich. Dem steht allerdings die Produktion dieses Gases durch diese Technologie entgegen. Vor allem die Endgeräte, die es für Digitalisierungsprozesse benötigt, verursachen in der Herstellung hohe Mengen an CO2.

Nichtdestotrotz ergibt sich bei einer Gegenüberstellung eine eindeutige Tendenz: Das Einsparungspotenzial liegt deutlich über dem Ausstoß – sowohl bei der moderaten als auch bei der beschleunigten Einsparung.

Quelle: Bitkom
Durch die beschleunigte Digitalisierung kann 14% mehr CO2 eingespart werden. (Quelle: Bitkom)

Letzten Endes liegt die Höhe des einzusparenden CO2 stark an eindeutigen Regelungen und Anreizen durch die Politik sowie den Entscheidungsträgern der Unternehmen. Außerdem bedingt dieser Fortschritt nicht nur ökologische Aspekte, sondern verbessert auch die Wettbewerbsfähigkeit, wodurch das Wirtschaftswachstum gesteigert wird. Demnach ergänzen sich der Umwelt- und Klimaschutz und ökonomischen Ziele immer mehr.

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Quelle Titelbild: iStock /Laurence Dutton

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