CO2 Reduktion durch Digitalisierung
27.06.2024

Bitkom: Digitalisierung verspricht große CO2-Reduktion im Gebäudesektor

Ein Großteil der CO2-Emissionen Deutschlands entstehen durch Bau und Nutzung von Immobilien. Durch die Digitalisierung des Sektors ließe sich sehr viel erreichen, um dem Ziel, bis 2030 ein CO2-Äquivalent von 308 Millionen Tonnen einzusparen, näherzukommen. Das belegt Bitkom in einer Studie.

Der Betrieb von Wohn- und Gewerbeimmobilien verursacht in Deutschland laut dem Umweltbundesamt rund 35 Prozent des Endenergieverbrauchs und 30 Prozent der CO2-Emissionen. Bitkom zufolge hängt der Sektor noch hinterher, um das von der Bundesregierung angestrebte Ziel zu erreichen, bis 2030 rund 308 Millionen Tonnen CO2-Äquivalente einzusparen.

 

Der ITK-Branchenverband fordert daher die Einführung digitaler Technologien im Gebäudesektor. Er weist dabei besonders auf die Potenziale hin, die Building Information Modelling (BIM), Digitale Zwillinge und Energiemanagementsysteme bei flächendeckender Nutzung mit sich bringen. Der Aufbau von BIM-Kapazitäten sei Voraussetzung für eine international wettbewerbsfähige Bau- und Immobilienwirtschaft, betont Bitkom in der Studie „Building Information Modelling – Grundlage der Dekarbonisierung von Immobilien“.

 

BIM und Digitale Zwillinge als maßgebliche Hebel

BIM ist dem Verband zufolge eine prozessorientierte Methode der Planung, Ausführung und Bewirtschaftung von Bauwerken und basiert auf der Erstellung und Verwendung digitaler Modelle mit Informationen über den gesamten Lebenszyklus der Gebäude.

Hilfreich sind dabei auch CAD-Systeme für computerunterstütztes Design. Wie es in einer von Accenture durchgeführten anderen Bitkom-Studie heißt, lassen sich durch die Digitalisierung des Gebäudesektors 12,4 bis 18,3 Millionen Tonnen CO2 einsparen. Sehr viele Potenziale für das nachhaltige Betreiben der Immobilien versprechen auch die oben genannten Digitalen Zwillinge.

BIM und digitale Zwillinge verbessern die Bauplanung und Verwaltung und helfen, CO2 im Gebäudesektor zu reduzieren. (Bildquelle Adobe Stock / chanidapa)

Diese und BIM dienten dabei als Plattform für das Property- und Facility-Management und umfassen auch eine Reihe von Daten von Smart Metern und Energiedaten der Versorgungsunternehmen.

Rahmenbedingungen und Standardisierung gefordert

Als Handlungsempfehlungen an die Politik nennt Bitkom zunächst die Schaffung der richtigen Rahmenbedingungen und von Anreizen für Innovation und Digitalisierung in der Immobilienwirtschaft. Konkret schlägt der Digital- und Branchenverband folgende fünf Punkte vor:

  1. Etablierung von Branchenclustern und -schlüsseln, um die Wertschöpfung rund um den Immobilienlebenszyklus neu zu definieren, sowie die Einrichtung eines betreffenden Arbeitskreises. Dieser soll auch die soziale Stabilität der Nebenkosten und Mieten sowie die Energieeffizienz im Blick haben.
  2. Anpassung der Honorarordnung für Architekten und Ingenieure (HOIA), um die dort definierten Verfahren hinsichtlich der „Digitalisierungs-, Nachhaltigkeits- und Dekarbonisierungsagenda“ zu prüfen und zu reformieren. Dazu soll laut Bitkom auch ein Expertenkreis gebildet werden, der sich auch aus Verantwortlichen im Bereich Smart City rekrutiert.
  3. Weiterentwicklung der BIM-Standardisierung und des Datenaustausches auf nationaler wie internationaler Ebene. Gemeint sind dabei auch die aus Digitalen Zwillingen gewonnenen Daten und die Kompatibilität mit Gaia-X-Anforderungen und anderen Datenrauminitiativen, um mehr Transparenz und Interoperabilität zu schaffen.
  4. Basisbestandteile der BIM definieren, um die Systeme zu vereinheitlichen. Dazu muss laut Bitkom auch klar sein, welche Mindestanforderungen eine BIM beinhalten sollte und was die Hauptsteuerungsmaßeinheiten sein sollen. Außerdem gilt es, die siloartig betriebenen unterschiedlichen Datenquellen für Heizung und Strom in den BIM-Systemen zusammenzuführen.
  5. Datenschutz und Datensicherheit sind bei den in einem BIM-Modell zusammengeführten, sensiblen und besonders personenbezogen Daten entscheidend. Dabei ist es auch notwendig, sich damit auseinanderzusetzen, welche Art von Daten gesammelt und wie sie verwendet werden sollen.

 

Ferner fordert Bitkom auch, erfolgreiche Projekte und den Erfahrungsaustausch zu fördern und BIM-Modelle für alle Bauvorhaben und Bestandsbauten verpflichtend zu machen, sowie auch Digitale Zwillinge zur ESG-Pflicht bei Neubauten. Außerdem sollte dem ITK-Branchenverband zufolge bis Ende 2025 als Anreiz eine einmalige 100-prozenige Sonderabschreibung für die Erstellung von BIM-Modellen und Digitalen Zwillingen eingeführt werden.

 

Soweit eine Wiedergabe der Bitkom-Studie zur Einführung und Förderung von BIM-Modellen und Digitalen Zwillingen, um die CO2-Emissionen im Gebäudesektor zu senken. Das Potenzial von Smart Metern ist dabei nur angerissen, aber im Zusammenhang mit Smart Grids mindestens so groß wie das von BIM-Systemen. Denn damit und mit minuten- oder stundengenauen Tarifen lässt sich der Strom aus erneuerbaren Energien sehr viel effizienter nutzen und steuern. Ein wichtiger Beitrag, um die ambitionierten Klimaschutzziele der Bundesregierung zu erreichen.

 

 

Quelle Titelbild: Adobe Stock / sam