Bitkom: Deutsche Büros sagen ade zu Papier- und Aktenbergen
3 Min. Lesezeit
Eine Umfrage des Branchenverbands Bitkom zeigt, dass Unternehmen und Büros in Deutschland, wohl auch ausgelöst durch Covid-19, sehr viel weniger Papier verbrauchen und heute mehr auf Digitalisierung setzen. Es ist aber noch Luft nach oben.
Papier ist geduldig, heißt es. Wenn aber Unternehmen und Behörden daran oder auch am Faxgerät festhalten, reißt vielen Menschen in Deutschland mehr und mehr der Geduldsfaden. Tatsächlich hat sich in den letzten fünf Jahren seit den Anfängen von Corona und Homeoffice-Zwang schon viel getan. Immer mehr Unternehmen kommen von den analogen Medien los, kommunizieren digital und speichern Inhalte in der Cloud ab, um sie allen Befugten zugänglich zu machen.
Knapp drei Viertel (72 Prozent) der von dem Digitalverband Bitkom befragten 602 deutschen Unternehmen mit mehr als 20 Beschäftigten nutzen heute etwas weniger oder deutlich weniger (32 Prozent) Papier als vor fünf Jahren. Der „Unverändert“-Anteil ist bei großen Unternehmen mit mehr als 500 Mitarbeitenden mit 27 gegenüber 21 Prozent höher als der im Schnitt und bei den Betrieben mit bis zu 99 Beschäftigten.
Große Unternehmen schieben mehr Akten
Bei Aktenordnern ist die Situation mit 34 Prozent „unverändert“ noch etwas anders. Nur 57 Prozent der Unternehmen haben weniger oder sehr viel weniger (20 Prozent) im Einsatz als 2020, fünf Prozent sogar mehr.Besonders das HR- oder Personalwesen, Buchhaltung, Finanzen und Controlling sowie das Top-Management kleben mit Anteilen von 94 bis 82 Prozent noch an ihren analogen Aktenbergen. In den Bereichen Kundendienst, Vertrieb und Logistik sind es nur 69 respektive 65 Prozent. Am geringsten ist der Aktenwust traditionell in der Produktion und Fertigung mit 30 Prozent. Bitkom bewertet den Rückgang der Aktenordner aber insgesamt als Erfolg.
Viele der Unternehmen finden, dass sie digital auch schon viele Fortschritte gemacht haben. Jedes neunte Unternehmen (11 Prozent) sieht sich digital sogar schon an der Spitze, gut ein Drittel (37 Prozent) als Vorreiter, knapp die Hälfte (49 Prozent) jedoch immer noch als Nachzügler. Ein Prozent der Befragten gibt sogar zu, die Digitalisierung verpasst oder verschlafen zu haben.
Digitale Services müssen besser werden
Was die digitalen Services angeht, wünschen die meisten Kundinnen und Kunden, dass die Geldinstitute diese verbessern. Das zeigt auch die leicht verschlechterte Note von 3,1 gegenüber 2,9 in der letzten Erhebung. Rohleder sagt zwar, dass die Banken diesbezüglich immer besser werden, aber Mühe haben, „mit den steigenden Erwartungen der Kundinnen und Kunden Schritt zu halten“.
Vor allem jüngeren Deutschen sind die Digitalangebote von Banken wichtiger als Filialen und Beratung vor Ort. 78 Prozent aller Befragten ist eine benutzerfreundliche Banking-App wichtig, bei den 16- bis 29-Jährigen ist der Anteil mit 85 Prozent am höchsten. 73 Prozent der Befragten wünschen sich eine breite Angebotspalette beim Online-Banking, 62 Prozent achten auf die Möglichkeit, Mobile Payment nutzen zu können.
Häufig gestellte Fragen
Wie weit ist das papierlose Buero in Deutschland?
Der Trend ist klar, aber noch nicht am Ziel. Laut Bitkom haben die meisten Unternehmen mindestens einen papierlosen Kernprozess. Vollstaendig papierlos arbeiten aber weniger als 10% – insbesondere regulierte Branchen hinken hinterher.
Was sind die größten Huenden?
Gesetzliche Aufbewahrungspflichten, fehlende digitale Signaturen, Gewohnheit und mangelnde Digitalkompetenz. Viele Mitarbeitende drucken Dokumente aus Gewohnheit, nicht aus Notwendigkeit.
Welche Quick Wins gibt es?
Digitale Rechnungsverarbeitung (spart 60-80% Bearbeitungszeit), elektronische Signatur für Vertraege und ein Dokumentenmanagement-System als zentrale Ablage. Diese drei Massnahmen eliminieren die meisten Papierberge.
„Vollstaendig papierlos arbeiten aber weniger als 10% – insbesondere regulierte Branchen hinken hinterher.“
Gestiegenes Vertrauen in KI
Mehr als ein Viertel der Befragten (28 Prozent) würden ihre Finanzplanung mittlerweile schon einer KI anvertrauen. 2024 lag der Anteil mit 20 Prozent noch deutlich darunter. 30 Prozent gegenüber 26 Prozent im Vorjahr denken sogar, dass KI bei Empfehlungen zu Finanzprodukten besser sein kann als Bankangestellte.
Bitkom-Präsident Rohleder sagt dazu: „Auch wenn eine Mehrheit noch skeptisch ist, zeigt sich das steigende Interesse der Deutschen an KI-Anwendungen auch in Sachen Finanzen. Für Banken und Finanzdienstleister bietet die Technologie nicht nur im Hinblick auf interne Prozesse, sondern auch für den Privatkundenbereich enorme Potenziale, zum Beispiel für eine hochgradig individualisierte Finanzplanung.“
Lesetipps der Redaktion
- Fördermittel bremsen den Mittelstand: Warum einfach machen schneller ist
- Managed Services: Warum der Mittelstand IT auslagert statt aufbaut
- NIS2-Umsetzung: Was der Mittelstand jetzt noch erledigen muss
Mehr aus dem MBF Media Netzwerk
cloudmagazin | SecurityToday | Digital Chiefs
Quelle Titelbild: Unsplash / rupixen
Auch verfügbar in
