Alibaba ist in Deutschland an den Start gegangen

Datum, Autor / Redaktion: Experte / Redakteur

Obwohl eher B2B-, denn B2C-Plattform für E-Commerce, lehrt Alibaba selbst Amazon langsam das Fürchten. Sang- und klanglos ist der chinesische Riese nun auch in Europa aufgeschlagen. Es geht ihm dabei aber offenbar weniger um hiesige Konsumenten, sondern den globalen Onlinehandel.

Hangzhou 175 km südwestlich von Shanghai wurde von Marco Polo einst als die schönste und großartigste Stadt der Welt bezeichnet. Seit den 1980er Jahre hat sie viel von dem Charme verloren, denn so wie Suzhou, die andere alte Kaiserstadt unweit von Shanghai, hat die heutige Industriemetropole mit heute über neun Millionen Einwohnern viele Unternehmen aus dem In- und Ausland angezogen. Und in Hangzhou hat seit 1999 auch die Alibaba Group ihren Sitz. Dazu gehört die B2B-E-Commerce-Plattform Alibaba.com, seinem Bekunden nach die größte weltweit, und das Online-Auktionshaus Taobao.

Vom Lehrer zum Supermilliardär zum Philanthropen

Der Gründer Jack Ma (Ma Yun), ein ehemaliger Englischlehrer, hat im September 2018 angekündigt, im neuen Jahr den Chairman-Posten abzugeben, um sich der Philanthropie und Bildungsfragen zu widmen. Mit einem geschätzten Vermögen von umgerechnet 34,44 Milliarden Euro und Nummer 21 der Reichsten der Reichen weltweit laut Vermögensmagazin kann er sich es durchaus leisten, mit 55 in den Ruhestand zu gehen. Ohne viel Tamtam hat Alibaba bald darauf sein Europa-Engagement und einen deutschen Auftritt gestartet.

Hub für „Made in Germany“

Wie Felix Lee, der China-Korrespondent der taz, den Alibaba-Europachef zitiert, geht es Chinas größtem privat geführten Unternehmen dabei nicht so sehr darum, den deutschen Markt von unten aufzurollen. Vielmehr gehe es Alibaba darum, mit „Made in Germany“ als in China hochgeschätztes Qualitätssiegel „hiesigen Marken und Händlern zu helfen, die über 700 Millionen aktiven Konsumenten auf unseren Handelsmarktplätzen zu erreichen“. Das heißt, german.alibaba.com soll zunächst vor allem als Hub für deutsche Waren nach China und chinesische Verbraucher im Ausland dienen.

Lüttich soll „Gateway to China” werden

Das im Aufbau befindliche riesige Europa-Logistikzentrum im belgischen Lüttich soll zu so etwas wie ein „Gateway to China“ werden. In China lebten rund 1,4 Milliarden Menschen, über 700 Millionen davon seien regelmäßig online. Weitere knapp 700 Millionen sind ihm zufolge noch nicht auf den Online-Zug gesprungen, das könnte sich aber bald ändern.

 

„Ein Gespenst geht um in Europa – das Gespenst von Alibaba“, eröffnete Lee seinen Beitrag. Ende 2017 habe der Online-Riese bekanntgegeben, am belgischen Flughafen Lüttich für eine Investitionssumme von mindestens 75 Millionen Euro ein gigantisches Logistikzentrum mit einer Fläche von über 220.000 qm einzurichten. Im Januar erfolgte dann die Übernahme des Berliner Startups Data Artisans, für den Alibaba etwa 90 Millionen Euro hingelegt haben soll. Weiter heißt es in dem taz-Artikel, dass hartnäckig das Gerücht halte, der chinesische Riese könnte Zalando übernehmen.

Singles‘-Day-Umsätze lassen andere erblassen

Die Umsätze der Alibaba Group von 2018 lesen sich mit 250 Milliarden Yuan oder 66,42 Milliarden US-Dollar gegenüber 232,9 Milliarden Dollar von Amazon noch bescheiden, aber allein am Singles‘ Day am 11.11.1918 hat Alibaba einen Warenumsatz von 30,8 Milliarden Dollar vermeldet. Entsprechend groß ist bei anderen E-Commerce-Treibenden die Angst, wenn der chinesische Riese sich erst daran macht, den Weltmarkt zu erobern.

 

Tatsächlich ist das schon geschehen. Bei der Suche nach SAP Ariba PunchOut für Anbindung externer Warenkataloge im Beschaffungssystem poppte zufällig die deutsche Alibaba-Seite auf. Das Design ist noch etwas gewöhnungsbedürftig und erinnert eher an frühe Plattformen für den Elektronikeinkauf, ist aber bei näherer Betrachtung durchaus stimmig. 

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