Neobanken machen traditionellen Banken Konkurrenz
13.05.2025

Neobanken: Was traditionelle Banken lernen müssen

3 Min. Lesezeit

Wichtig in Kürze (WIK): Während klassische Online-Banken mit stagnierenden Nutzerzahlen kämpfen, wachsen Neobanken und Broker rasant. Der Unterschied liegt dabei nicht in der Idee – beide wollen Finanzdienstleistungen demokr…

Während klassische Online-Banken mit stagnierenden Nutzerzahlen kämpfen, wachsen Neobanken und Broker rasant. Der Unterschied liegt dabei nicht in der Idee – beide wollen Finanzdienstleistungen demokratisieren – sondern in der Umsetzung. Die neue Generation der Finanzdienstleister hat eben radikal neu gedacht. Karl im Brahm, DACH-CEO beim Bankensoftware-Anbieter Objectway, erklärt, was sich die etablierten Player von ihren Herausforderern abschauen sollten.

 

Neobanken und Broker – die heutigen Disruptoren der Bankenbranche – skalieren schneller, internationaler und erreichen Zielgruppen, die sich früher kaum mit Geldanlage befasst haben. Sie lassen scheinbar etablierte Onlinebanken damit hinter sich. Dabei war deren Ausgangslage seit den 1990ern durchaus solide: bestehende Kundenbeziehungen, starke Marken, physische Präsenz. Doch der Erfolg blieb oft begrenzt. Im Unterschied dazu setzen Neobanken auf vier Prinzipien: konsequente Personalisierung auf Basis skalierbarer Technologie, proaktive Nutzung regulatorischer Anforderungen, durchdachte Automatisierung – und Vertrauen, das nicht auf Tradition, sondern Transparenz basiert.

 

Der Fluch der Bestandskunden

Gerade die breite Kundenbasis traditioneller Banken wurde für diese zum strategischen Risiko. Innovationen mussten Rücksicht auf bestehende Erwartungen nehmen – das bremste mutige Veränderungen.

Neobanken starteten hingegen ohne Altlasten. Ihre Organisation folgt der Customer Journey, nicht den etablierten Produktstrukturen. Sie können ihre Lösungen daher um Lebensziele – etwa Vermögensaufbau oder Altersvorsorge – herum bauen und in frühen Phasen experimentieren, ohne das Vertrauen etablierter Zielgruppen zu verlieren.

 

Entscheidend war auch ihr Geschäftsmodell: ohne Filialen, hochgradig automatisiert, freemium-basiert.

Disruption beginnt im Kopf

Viele Online-Banken denken hingegen in kleinen Schritten – ihre Innovation ist meist inkrementell. Im Gegensatz dazu hinterfragen Neobanken zentrale Paradigmen: Warum sind Mindestinvestitionen nötig? Wozu braucht es persönliche Berater? Weshalb kann Finanzplanung nicht so intuitiv sein wie Spotify? Der Unterschied liegt in der Haltung: Verteidigung bestehender Strukturen versus gezielte Neugestaltung.

Moderne Plattformen kombinieren mobile Erreichbarkeit mit datengesteuerter Personalisierung, API-Offenheit und Behavioural Design – sie helfen Nutzenden, komplexe Entscheidungen einfach zu treffen, ohne sie zu überfordern. Ein weiterer entscheidender Unterschied: Während viele Banken Compliance als Hemmschuh begreifen, ist sie für Neobanken Teil des Markenkerns. Sie integrieren Know-Your-Customer- und Anti-Geldwäsche-Prozesse in die Benutzerführung und nutzen regulatorische Anforderungen zur Vertrauensbildung.

Neobanken schaffen Vertrauen ohne Marmorhallen

Der Aufbau von Vertrauen erfolgt heute auch nicht über Repräsentanz, sondern über digitale Nutzererfahrungen. Neobanken erklären ihre Geschäftsmodelle offen, verzichten auf Fachjargon und setzen auf leicht verständliche Produkte. Bildung ist Teil der Plattform: Anleger werden angeleitet, nicht nur bedient.

 

Die frühen Online-Banken sind nicht abgeschrieben – viele arbeiten inzwischen mit Fintechs zusammen, um hybride Modelle zu entwickeln. Die Branche bewegt sich, zwar langsam, aber gezielt. Wer überleben will, braucht den Mut zur Veränderung. Die Werkzeuge liegen bereit – nur der kulturelle Wandel steht oft noch aus.

Lesetipps der Redaktion

Mehr aus dem MBF Media Netzwerk

cloudmagazin | SecurityToday | Digital Chiefs

Quelle Titelbild: Unsplash / SumUp

Auch verfügbar in

Ein Magazin der evernine media GmbH