CSRD-Erstberichtspflicht 2026: Das müssen Finanzteams wissen
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Die CSRD-Erstberichtspflicht ist da. Unternehmen mit über 1.000 Mitarbeitern müssen für das Geschäftsjahr 2025 erstmals nach den European Sustainability Reporting Standards berichten – der Bericht ist 2026 fällig. Rund 13.000 deutsche Unternehmen sind in der ersten Welle betroffen. Deutschland hat die Umsetzungsfrist bereits verpasst, der Gesetzentwurf liegt seit September 2025 vor. Die EU-Kommission hat mit dem Omnibus-Paket den Schwellenwert angehoben – aber die Pflicht bleibt. Was Finanzabteilungen jetzt wissen und umsetzen müssen.
Das Wichtigste in Kürze
- Ca. 13.000 deutsche Unternehmen sind von der CSRD-Erstberichtspflicht betroffen – Berichtszeitraum Geschäftsjahr 2025, Veröffentlichung 2026.
- Double Materiality: Unternehmen müssen sowohl die Auswirkungen ihres Geschäfts auf Umwelt und Gesellschaft (Inside-out) als auch die Auswirkungen von Nachhaltigkeitsrisiken auf ihr Geschäft (Outside-in) berichten.
- EU Omnibus-Paket: Schwellenwert angehoben auf Unternehmen ab 1.000 Mitarbeitern UND 450 Millionen Euro Umsatz. Kleinere Unternehmen bekommen mehr Zeit.
- Deutschland in Verzug: Die nationale Umsetzungsfrist (Juli 2024) wurde verpasst. Der Gesetzentwurf liegt vor, die Pflicht greift trotzdem – die CSRD gilt als EU-Richtlinie mit Direktwirkung bei Nichtumsetzung.
Was CSRD konkret fordert
Die Corporate Sustainability Reporting Directive ersetzt die bisherige Non-Financial Reporting Directive (NFRD) und erweitert den Scope dramatisch. Statt weniger hundert kapitalmarktorientierter Großunternehmen sind jetzt tausende Mittelständler betroffen. Die Berichterstattung erfolgt nach den European Sustainability Reporting Standards (ESRS) – 12 Standards mit insgesamt über 1.000 Datenpunkten.
Das zentrale Konzept ist die doppelte Wesentlichkeit (Double Materiality). Unternehmen müssen zwei Perspektiven abdecken: Wie wirkt sich ihr Geschäft auf Umwelt und Gesellschaft aus? Und wie wirken sich Nachhaltigkeitsrisiken (Klimawandel, Lieferkettenstörungen, regulatorische Änderungen) auf ihr Geschäft aus? Beide Perspektiven müssen dokumentiert und offengelegt werden.
Die Rolle der Finanzabteilung
CSRD ist kein reines Nachhaltigkeitsthema – es ist ein Finanzbericht. Der Nachhaltigkeitsbericht wird Teil des Lageberichts und unterliegt einer Prüfungspflicht durch den Abschlussprüfer. Das bedeutet: Die Finanzabteilung muss die Datenqualität sicherstellen, die Prozesse zur Datenerhebung definieren und die Schnittstellen zwischen Nachhaltigkeits- und Finanzdaten aufbauen.
Viele Unternehmen unterschätzen den Aufwand. Die ESRS-Standards verlangen quantitative Daten zu CO2-Emissionen (Scope 1, 2 und 3), Wasserverbrauch, Biodiversitätsauswirkungen, Mitarbeiterkennzahlen (Gender Pay Gap, Arbeitssicherheit) und Governance-Strukturen. Die meisten Mittelständler haben diese Daten nicht in ihren bestehenden Systemen. Der Aufbau der Dateninfrastruktur dauert 6 bis 12 Monate.
Green Finance: Warum Investoren CSRD-Daten brauchen
CSRD ist nicht nur Pflichterfüllung – es ist die Datenbasis für den gesamten Green-Finance-Markt. Investoren, Banken und Versicherungen brauchen standardisierte ESG-Daten, um Nachhaltigkeitsrisiken zu bewerten und regulatorische Anforderungen (EU-Taxonomie, SFDR) zu erfüllen. Ohne CSRD-Daten kein Zugang zu Green Bonds, nachhaltigen Krediten oder ESG-Fonds.
Für den Finanzsektor bedeutet das: Die DORA-Compliance und CSRD-Berichtspflichten laufen parallel. Beide erfordern neue Dateninfrastrukturen, neue Prozesse und neue Kompetenzen. Finanzinstitute, die beide Anforderungen integriert angehen statt in getrennten Projekten, sparen erhebliche Ressourcen.
„CSRD macht Nachhaltigkeit von der PR-Abteilung zur Finanzabteilung. Wer die Daten nicht hat, bekommt kein Rating, keinen Green Bond und irgendwann keinen Kredit mehr zu Standardkonditionen.“
Analyse basierend auf banking.vision CSRD-Implementation Report, 2026
Häufige Fragen
Wer muss nach CSRD berichten?
Nach dem Omnibus-Paket: Unternehmen ab 1.000 Mitarbeitern UND 450 Millionen Euro Umsatz. Die erste Berichtspflicht gilt für das Geschäftsjahr 2025, der Bericht wird 2026 veröffentlicht. KMU an regulierten Märkten haben eine spätere Frist.
Was bedeutet Double Materiality?
Zwei Perspektiven: Inside-out (Wie wirkt sich das Unternehmen auf Umwelt und Gesellschaft aus?) und Outside-in (Wie wirken sich Nachhaltigkeitsrisiken auf das Unternehmen aus?). Beide müssen im CSRD-Bericht adressiert werden.
Was passiert wenn ein Unternehmen nicht berichtet?
Da Deutschland die Umsetzung verzögert hat, ist die Sanktionslage unklar. Die EU-Richtlinie hat aber Direktwirkung. Zudem drohen praktische Konsequenzen: kein ESG-Rating, schlechtere Kreditkonditionen, Ausschluss aus nachhaltigen Fonds.
Wie lange dauert die Vorbereitung auf CSRD?
Für Unternehmen ohne bestehende ESG-Infrastruktur: 6 bis 12 Monate. Der größte Aufwand liegt in der Datenerhebung (besonders Scope-3-Emissionen), dem Aufbau interner Prozesse und der Wesentlichkeitsanalyse.
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Quelle Titelbild: Pexels / Markus Spiske

