Business in der Limousine – wie BMW zum Service-Anbieter wird

18. Juli 2017 / Redaktion: MBF Redaktion

Vertreter der internationalen Presse sowie einige Blogger konnten sich in dieser Woche bei den „BMW Innovation Days 2017“ in Chicago ein Bild von den neuesten technologischen Innovationen aus dem Bereich Vernetzung und digitale Medien machen. Macht ein voll vernetztes Auto überhaupt Sinn? Wir haben uns das Auto der Zukunft näher angesehen und fassen die wichtigsten Punkte zusammen.

BMW hat es sich zum Ziel gemacht, als einer der ersten Automobilhersteller weltweit seine Fahrzeuge in die digitale Welt des Kunden integrieren. Ein internationales, 150-köpfiges Team im BMW Tech Office in Chicago, sowie weitere Technlogy Offices in Shanghai, Tokio und Mountain View arbeiten an der Umsetzung dieser zukunftsweisenden Vision.

 

Ein kurzer Hintergrund mal (weil wir es spannend finden): Wie Dieter May, Senior Vice President Digital Products und Services betont, arbeiten in Chicago BMW-Mitarbeiter aus den Bereichen Produktmanagement, Marketing, Software-Entwicklung, Design, Operations und Analytics in Start-Up-Atmosphäre gemeinsam daran, eine möglichst nahtlose Einbindung von allen digitalen Touchpoints des Kunden in die Fahrzeuge des Herstellers zu realisieren – wichtigster Aspekt ist hier eine perfekte User-Experience. Bisher eingebunden sind iOS und Android-Smartphones, Apple Watch, Samsung Gear und Amazon Echo – „Hey Alexa, wo ist mein Auto?“.

 

Die neue BMW Connected App (Bild: BMW)
BMW Connected+ bietet ab Juli 2017 neue Services

Doch was bedeutet das nun für den Kunden? Wie die Münchner betonen, soll BMW Connected+ das digitale Erlebnis des Autofahrers durch hohe Personalisierung und eine gesteigerte, nahtlose Einbindung ins Fahrzeug bereichern. In der Praxis bedeutet das etwa, dass sich etwa Termine und Adressen aus einem iOS- oder Android-Smartphone automatisch mit dem internen Kalender bzw. Adressbuch des Fahrzeugs synchronisieren.

 

Das Auto erinnert dann via App automatisch den Fahrer rechtzeitig an einen Termin und schlägt – auch im Hinblick auf die aktuelle Verkehrssituation – eine passende Abfahrtszeit vor. Zugleich checkt es noch den Füllzustand des Tanks, erinnert den Fahrer – wenn nötig – an eine frühere Abfahrt und schlägt gleich noch eine Tankstelle auf der geplanten Route vor. Zusammengefasst: Ihr habt euer Auto, Privatleben und die Arbeit immer im Blick.

 

Eine weitere nützliche Funktion: Dank BMW Connected+ kann der BMW Fahrer ausgewählten Personen via SMS seinen aktuellen Standort und voraussichtliche Ankunftszeit senden. Diese erhalten dann einen personalisierten Link, auf dem der Standort des BMWs auf einer Karte angezeigt wird.

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BMW Open Mobility Cloud als Basis für Connected+

Ziel des Automobilherstellers ist es, das Fahrzeug der Zukunft zu einem Smart Device zu machen – richtig gehört, ein großes Smartphone auf vier Rädern. BMW Connected bietet hierfür Funktionen zur Unterstützung der täglichen Mobilitätsbedürfnisse der Kunden auf mehreren Touchpoints – sei es Smartphone, Amazon Echo oder Google Maps. Erreicht werden soll so eine vollständig verbundene Welt, in der das Fahrzeug intelligent vernetzt, nahtlos eingebunden und perfekt abgestimmt ist auf die individuellen Bedürfnisse jedes Nutzers.

 

Als Basis für die Dienste von BMW Connected dient die sogenannte Open Mobility Cloud, die auf der Microsoft Cloud- und Datenplattform Azure basiert. Großes Plus hierbei ist, dass das System nicht nur leistungsstark ist und Daten und Informationen aus unterschiedlichsten Quellen verarbeiten kann – die Flexibilität von Azure ermöglicht es auch, weitere Touchpoints und Endgeräte in der Zukunft zu integrieren.

 

Ein weiterer Vorteil ist die flexible Skalierbarkeit: Innerhalb von nur 12 Monaten verzeichnet BMW Connected mehr als eine Million Benutzer auf 29 Märkten weltweit – sagt zumindest der Konzern. Wir können uns das aber gut vorstellen, schließlich bietet der Autobauer hier (unseres Wissens nach) erstmalig eine in sich geschlossene Plattform für ein vernetztes Auto.

Der neue BMW 530e (Bild: BMW)
Skypen während der Fahrt ab Herbst 2017

Ihr habt es bereits erahnt – BMW und Microsoft kooperieren beim Thema Connected+. Wie Dieter May bei der gemeinsamen Konferenz mit Microsoft in Chicago betonte, ist Microsoft ein starker Partner für BMW, weshalb die Kooperation der beiden Konzerne in Zukunft noch weiter intensiviert und ausgebaut werden soll. Als Gründe führt der Autobauer die Sicherheit und Skalierbarkeit der Services des Softwarekonzerns auf.

 

Die Idee dahinter: Der Automobilkonzern will zum Vorreiter der Digitalisierung im Automobil-Bereich werden, wie May selbst sagt: „Mit BMW Connected bieten wir eine breite Auswahl an digitalen Services, die den Nutzer bei ihren täglichen Mobilitätsbedürfnissen unterstützen – innerhalb und außerhalb des Fahrzeugs. Wir wollen das Kundenerlebnis bei allen Aspekten der Mobilität kontinuierlich erweitern und optimieren.“

 

Und hier hat BMW schon den nächsten gemeinsamen Coup verkündet: ab Herbst 2017 wird nun auch die Nutzung von Skype for Business in vielen Fahrzeugen möglich sein. Zwar werden zum Produktstart nur Sprachanrufe möglich sein, denkbar sei aber in Zukunft auch die Implementation von Videoanrufen.

 

Kleiner Hintergrund: Skype for Business will sich gerade im Business-Umfeld als der TK-Anlagen Ersatz schlechthin etablieren – kein Festnetztelefon mehr, nur noch Skype. Als Abo-Modell soll das natürlich vor allem für Unternehmen interessant sein. Wir meinen: Hier entscheidet die Netzabdeckung in Deutschland, ob das Geschäftsmodell sich durchsetzt.

 

BMW und Microsoft versprechen ihren Kunden somit mehr Flexibilität und Produktivität im Fahrzeug, wie May unterstreicht: „Die Integration von Produktivitätstools wie Exchange und Skype for Business helfen den Nutzern bei der täglichen Arbeit und Planung während der Fahrt“. Das macht natürlich unterm Strich weniger Sinn für Privatanwender, aber abwarten. Sollte BMW (und Microsoft) sich hier durchsetzen, dann können wir wahrscheinlich schon bald weitere Lösungen aus dem Bereich „Future Mobility“ auch für den Endverbraucher erwarten. 

 

P.S.: Wir haben uns vor Ort in Chicago nicht nur berieseln lassen. BMW hat uns zeitnah angeboten, dass wir den neuen BMW 530e mit allen Funktionen testen dürfen.

Quelle Titelbild: chombosan / iStock

Mit Material unseres Partnermagazins Ubergizmo.de

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