Macht KI den Anwaltsberuf überflüssig?
17.02.2025

Umfrage: Macht KI den Anwaltsberuf überflüssig?

Fast jede:r Achte kann sich laut einer Bitkom-Umfrage vorstellen, dass KI den Anwaltsberuf weitgehend überflüssig macht. Jede:r Vierte würde demnach auch selbst einen KI-Anwalt konsultieren. Gleichzeitig bleibt das Vertrauen in menschliches Fachwissen hoch. 

 

Künstliche Intelligenz dringt disruptiv immer mehr in höher qualifizierte Berufe vor. Das unterscheidet KI von der Automation, die vor allem die Jobs von ungelernten Arbeitskräften bedroht. Einer Umfrage im Auftrag des Branchenverbands Bitkom zufolge denken viele, dass KI bei weiterem Voranschreiten auch den klassischen Anwaltsberuf weitgehend überflüssig machen wird.

 

Jede:r Achte oder 12 Prozent der 1.004 Befragten im Alter ab 16 ist der Meinung, dass KI besser darin ist, komplexe Sachverhalte zu durchdringen oder Schriftsätze zu formulieren. Als Entwarnung ist zu konstatieren, dass derzeit eher ein Mangel als eine Schwemme an Jurist:innen herrscht.

 

Etwa ein Viertel (26 Prozent) kann sich sogar vorstellen, bei rechtlichen Probleme Hilfe bei der KI zu suchen statt bei einem Rechtsanwalt oder einer Rechtsanwältin. Zwölf Prozent würden das auf jeden Fall tun, 14 Prozent nur bei einfachen Fragestellungen.

 

Vor allem Jüngere vertrauen der KI

Bei den Älteren ab 65 ist das Vertrauen in KI mit 19 Prozent am geringsten, unter den 16- bis 29-Jährigen und den 30- bis 49-Jährigen mit 36 respektive 37 Prozent am höchsten. Von den 50- bis 64-Jährigen würden 69 Prozent auf keine Fall Rechtsbeistand bei einer KI suchen.

 

„Künstliche Intelligenz hat zuletzt enorme Fortschritte gemacht und kann schon heute ein sehr nützliches Hilfsmittel sein. Anwältinnen und Anwälte wird sie auf absehbare Zeit aber nicht vollständig ersetzen können“, betont der Bitkom-Rechtsexperte Markus Scheufele.

 

Größter Vorteil der KI ist für 61 Prozent der Befragten, dass sie rund um die Uhr verfügbar ist, allerdings sprechen 21 Prozent der rund 1.000 Befragten der KI ab, dass sie mehr Fachwissen als menschliche Anwält:innen hätte. 54 Prozent glauben, dass KI sich nicht so gut in die Betroffenen hineinversetzen kann und daher der schlechtere Berater wäre. Allerdings sagt ebenfalls die Hälfte (50 Prozent) der Befragten, dass KI rechtliche Fragen besser erklären könnte.

 

Scheufele zufolge ist KI schon in vielen Kanzleien und Rechtsabteilungen erfolgreich im Einsatz. Weiter sagt er: „Wir müssen die rechtlichen und tatsächlichen Rahmenbedingungen verbessern, damit KI in der Rechtspflege als unterstützendes Werkzeug eingesetzt werden kann und wird.“

 

Bis es soweit ist, dass KI ihnen ihre Jobs wegnimmt, können sich Anwält:innen aber noch etwas zurücklehnen, denn derzeit sind sie gefragt wie lange nicht. Und etwas mehr Entlastung von Routineaufgaben könnte ihnen auch nicht schaden.

 

Quelle Titelbild: Pexels / Katrin Bolovtsova