14.03.2024

Bitkom: Digitale Bildung der Lehrkräfte meist immer noch Privatsache

Wie jedes Jahr hat der Branchenverband Bitkom gerade seinen neuen Smart City Index für 2023 veröffentlicht. München hat Hamburg auf Platz 1 abgelöst, andere Städte sind zum Teil stärker auf- oder abgerutscht. Interessant ist aber auch eine Nebenstudie, aus der hervorgeht, dass digitale Aus- Weiterbildung von Lehrkräfte und Verwaltungsangestellten vielfach immer noch auf Privatinitiative zurückgeht, die meisten Städte aber immerhin Anlaufstellen für Seniorinnen und Senioren zu Digitalthemen haben.

Wer selbst mal unterrichtet hat, weiß wohl, dass es gar nicht so einfach ist, sich mit modernen Lernmitteln vertraut zu machen, um sich vor der Klasse nicht zum „Affen“ zu machen oder machen zu lassen. Das erklärt auch den zurückhaltenden Einsatz von Foto- und Sprachlaboren sowie von Videorekordern in der eigenen Schulzeit. Ob es die Einrichtungen überhaupt gab, war meist der Initiative einzelner Lehrerinnen oder Lehrern zu verdanken. Studien der 2010er Jahre haben gezeigt, dass Schulprojektoren oft unausgepackt in den Asservatenkammern schlummerten.

 

Die Schülerinnen und Schüler waren damals aber anders als heute auch nicht so schlau im Umgang mit moderner Technik, weshalb es vielleicht weniger auffiel. Bei der Vermittlung digitaler Kompetenzen geht es heute jedoch um viel mehr, nämlich um die Zukunft der Kinder und der ganzen Gesellschaft. Heute müssen die Lehrkräfte deshalb nicht nur sehen, dass sie digital noch halbwegs Schritt halten können mit den ihnen anvertrauten handy- und medienaffinen Kindern und Jugendlichen. Vielmehr müssen sie selbst digital kompetent werden, um nicht nur digitales Wissen vermitteln zu können, sondern auch den richtigen Umgang mit digitalen Mittel und sozialen Medien.

 

Aus eigener Kraft ist das oft nicht zu machen oder man muss sich schon sehr privat hineinvertiefen in die Materie. Daher ist digitale Aus- und Weiterbildung an den Schulen wie in den öffentlichen Verwaltungen unerlässlich. Wie Bitkom dem jüngst veröffentlichten neuen Smart City Index für 2023 auf den Weg gibt, gibt es aber nur in knapp der Hälfte aller Großstädte (47 Prozent) ein Budget für Schulen, um die Lehrkräfte entsprechend weiterzubilden und zu beraten. Und nur 57 Prozent der Städte haben ein verbindliches Weiterbildungskonzept zur Vermittlung von Digitalkompetenzen ihrer Verwaltungsangestellten und -beamt:innen. Das zeigt eine Sonderauswertung des neuen Smart City Index für das Vorjahr mit dem Digital-Ranking der 81 deutschen Städte mit mehr als 100.000 Einwohner:innen.

 

„Smart City bedeutet nicht nur den Einsatz modernster Technologien, sondern auch die Vermittlung von Digitalkompetenz und digitale Teilhabe für alle“, kommentiert Michael Pfefferle, Smart-City-Experte des Bitkom, diesen Teil der Studie und fügt hinzu. „Deshalb wurde für den fünften Smart City Index erstmals das Zukunftsthema Bildung mit in den Blick genommen und die Fortschritte der Städte in die Gesamtwertung integriert.“

 

In anderen Bereichen der Bildung und Gesellschaft sind die untersuchten Großstädte schon sehr viel weiter, heißt es von Bitkom. Demnach haben 84 Prozent der Schulen bereits ein verbindliches und mit dem jeweiligen Schulträger abgestimmtes Konzept für die Medienentwicklung, 93 Prozent der Städte sogar einen Digitalisierungsbeauftragten für die IT-Administration an den Lehrstädten sowie für deren Beratung und strategische Entwicklung. Interessant ist auch, wie sehr die Städte bemüht sind, die digitale Teilhabe von Senior:innen zu fördern. Bei 89 Prozent von ihnen gibt es Digitalmentor:innen oder eine Anlaufstelle für ältere Menschen und solche mit geringerer Digitalkompetenz.

 

Fazit und Meinung: Letzteres ist ein Zeichen, dass die gesamte Gesellschaft auf dem Weg zur digitalen Teilhabe ist. Die Aneignung digitaler Kompetenzen bei den Lehrkräften ist leider immer noch oft Privatsache, und das nicht zuletzt, weil es an Angeboten für die Fort- und Weiterbildung fehlt. Aber solche Maßnahmen nur der Maßnahmen willen durchzuführen würde die Lehrerinnen und Lehrer, von denen sich manche gar noch sperren dagegen, auch nicht wirklich abholen und den vielbeklagten Personalmangel an den Schulen noch verstärken. Sinnvoller als stundenlange Schulungen in weiter Ferne wären daher vielleicht gut vorbereitete und wenn möglich sogar extra vergütete kurze Tutorien an den Schulen zu einzelnen Punkten. Dienstleister vor Ort könnten darin zum Beispiel aus ihrer „Schule plaudern“ und Schüler:innen ihr digitales Wissen auspacken und sagen, was sie sich von digitaler Wissensvermittlung versprechen würden.