CEBIT - Aus alt wird jung? So präsentiert sich die neue CEBIT 2018 für Fachbesucher
19.06.2018

CEBIT 2018: So präsentiert sich die neue Messe für Fachbesucher

5 Min. Lesezeit

Aktualisiert am 11. Mai 2026 · Ursprünglich veröffentlicht 19. Juni 2018

Die CEBIT 2018 inszenierte sich als jüngerer, lockerer Tech-Festival-Hybrid – sechs Monate später war die Messe Geschichte. Im November 2018 hat die Deutsche Messe AG das Aus verkündet. Mehr als sieben Jahre später hat der DACH-Markt seine eigene Messelandschaft gebaut: it-sa in Nürnberg für Security, OMR in Hamburg für Marketing und Tech, hub.berlin als CXO-Format, dazu Hannover Messe als Industrie-Tech-Drehscheibe. Was zählt 2026 wirklich als Lead-Pipeline für Tech-Anbieter im Mittelstand?

Das Wichtigste in Kürze

  • CEBIT-Status: Letzte Ausgabe Juni 2018 im Festival-Format, Aus im November 2018. Versuch der Verjüngung kam zu spät und konnte den Besucher- und Aussteller-Schwund nicht stoppen.
  • Erbe der CEBIT: Bestimmte Themen wurden in die Hannover Messe integriert. Die „Digital X“ der Deutschen Telekom übernimmt seit 2019 Teile des Plenums-Charakters.
  • Heutige Leitmessen: it-sa Nürnberg (Security), OMR Hamburg (Marketing/Tech), hub.berlin und re:publica (CXO-Diskurs), Hannover Messe (Industrie-IT), DMEXCO Köln (Digital Marketing).
  • Was 2026 zählt: Spitz positionierte Themenmessen schlagen Universal-Formate. Für B2B-Tech-Lead-Pipelines sind heute Account-basierte Workshops und vertikale Branchen-Konferenzen oft wirksamer als grosse Messen.

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Was CEBIT 2018 versucht hat

Die Macher der Deutschen Messe AG hatten 2018 verstanden: das klassische Hallen-Format, eng getakteter B2B-Verkauf und Fachpresse-Wochen war ausgelaufen. Mit Open-Air-Bühnen, Foodtrucks, Konzerten und einer „d!campus“-Atmosphäre wollte CEBIT 2018 zum Festival-Format wechseln. Junge Zielgruppen, Hipster-Inszenierung, weniger Anzug, mehr Sneaker. Inhaltlich rückten Themen wie KI, Blockchain und Robotics in den Vordergrund.

Das Konzept scheiterte ökonomisch. Die Aussteller-Zahlen sanken, traditionelle Aussteller waren bereits weg, neue Marken wollten nicht in Hannover präsentieren – sie waren auf Web Summit, SXSW oder eigenen Events. Im November 2018 zog die Deutsche Messe AG die Reissleine und stellte CEBIT ein.

Warum die CEBIT nicht überlebte

Drei strukturelle Faktoren erklären den Niedergang. Erstens: die Verbreiterung der Tech-Branche verlangte spitze Themenmessen, nicht eine Universal-Show für alles. Zweitens: Eigenformate der Hersteller (AWS re:Invent, Microsoft Ignite, SAP TechEd, Salesforce Dreamforce) zogen Top-Aussteller weg. Drittens: digitale Lead-Generierung über LinkedIn, ABM-Plattformen und Webinare wurde günstiger und messbarer als Standkontakte in einer 27-Hallen-Messe.

Das Festival-Format löste keines dieser strukturellen Probleme – es war eine kosmetische Antwort auf einen tieferliegenden Marktwandel.

Welche Messen die CEBIT-Lücke geschlossen haben

Sechs Formate haben die CEBIT-Funktionen aufgeteilt:

  1. it-sa Nürnberg: Europas grösste Security-Fachmesse. Klares B2B-Profil, dichte Hall-Belegung, hohe Entscheider-Quote.
  2. OMR Hamburg: Marketing- und Tech-Festival mit Konferenz-Charakter. Trifft Festivalformat besser als CEBIT 2018 es jemals geschafft hat.
  3. hub.berlin: CXO-Format der Bitkom mit kuratierter Teilnahme – kleiner, exklusiver, debattenorientierter.
  4. Hannover Messe: Industrie-IT-Drehscheibe mit Halle 6 („Digital Ecosystems“) als Nachfolge-Heimat vieler CEBIT-Aussteller.
  5. DMEXCO Köln: Digital Marketing und Werbe-Tech.
  6. re:publica Berlin: Digital-Society-Diskurs mit politischem und gesellschaftlichem Anspruch.

Zusätzlich: Digital X (Deutsche Telekom, jährlich Köln) als CXO-Plenum mit Konzern-Bühne.

Was Tech-Anbieter 2026 wirklich brauchen statt Universal-Messe

Drei Lead-Pipeline-Bausteine, die sich in DACH 2026 bewährt haben:

1. Vertikale Branchen-Konferenzen: kleinere Events mit klar definierter Persona (Finance, Manufacturing, Healthcare). Höhere Lead-Qualität als Universal-Messen, klarere Buying-Center-Adressierung.

2. Account-basierte Roundtables: kuratierte Tisch-Gespräche mit 8 bis 12 Zielkonten, vom Anbieter geladen. Wirksamer für Multi-Stakeholder-Deals als Stand-Kontakte.

3. Content- und Community-Pipelines: redaktionell betreute Magazine, Newsletter und Owned-Reach-Kanäle (genau wie MyBusinessFuture und das MBF-Netzwerk) liefern wiederholten Touchpoint zur Top-Persona – günstiger und messbarer als einmalige Messekontakte.

Lehren für Marketing-Verantwortliche 2026

Wer 2026 noch wie 2017 plant – mit grossen Universal-Messen als Lead-Anker – lässt Geld liegen. Drei klare Schritte: erstens, das Messebudget kritisch nach Conversion-Rate auf qualifizierten Pipeline auditen, statt nach Stand-Quadratmetern. Zweitens, 30 Prozent des Messebudgets in vertikale Roundtables und kuratiertes Branchen-Networking umschichten. Drittens, einen redaktionellen Owned-Content-Kanal als langfristige Sichtbarkeit aufbauen oder bei einem Publisher einkaufen, statt einmaliger Werbeschaltungen.

Häufige Fragen

Wann wurde die CEBIT endgültig eingestellt?

Die Deutsche Messe AG hat im November 2018 das Aus verkündet. Die letzte Ausgabe war im Juni 2018 im neuen Festival-Format. Eine Wiederbelebung wurde mehrfach diskutiert, aber nie umgesetzt.

Wo gehen heute die CEBIT-Aussteller hin?

Industrie-Tech-Aussteller bewegten sich grösstenteils zur Hannover Messe (Halle 6 Digital Ecosystems), Security-Spezialisten zur it-sa Nürnberg, Marketing-Tech zur OMR. CXO-Formate wandern zu hub.berlin und Digital X.

Lohnen sich klassische Tech-Messen 2026 überhaupt noch?

Spitz positionierte Themenmessen ja – sie liefern hohe Entscheider-Dichte. Universal-Formate weniger. Für Tech-Anbieter mit klar definierter Persona zahlt eine vertikale Branchen-Messe häufig stärker auf die Pipeline ein als ein Stand auf einer Universal-Show.

Welche Alternativen ergänzen Messen 2026?

Account-basierte Roundtables, kuratierte Branchen-Konferenzen und langfristige Owned-Content-Pipelines (Magazine, Newsletter, Webinare). Sie liefern wiederholten Touchpoint statt einmaligem Stand-Kontakt.

Was war der Hauptfehler der CEBIT 2018?

Eine kosmetische Antwort auf strukturelle Probleme. Festival-Inszenierung allein konnte weder Eigenformate der Hersteller noch digitale Lead-Generierung noch den Aufstieg spitzer Themenmessen aufhalten.

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Quelle Titelbild: MyBusinessFuture

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