Nach dem Uber-Unfall: Warum das autonome Auto einen zweiten Frühling braucht

04. April 2018, Autor: ISG / Redaktion: Lenz Nölkel

Das Thema „autonomes Fahren“ hat die breite Öffentlichkeit erreicht und wird nicht mehr ausschließlich in Fachkreisen als beliebtes Thema gehandelt. Obwohl die Mehrheit der Menschen einem selbstfahrenden Computer noch immer nicht vollständig über den Weg traut, steigt das Interesse an den hochautomatisierten Fahrassistenzsystemen stetig. Selbstständiges Einparken, Stauassistenten und Spurhalterassistenten sind inzwischen keine Seltenheit mehr.

Doch auch das Thema Unfall und Verantwortung hängt im direkten Zusammenhang mit dem autonomen Fahren und wird ebenfalls viel diskutiert. Jetzt ist der Fall eingetreten, dass ein Verkehrsteilnehmer durch ein autonomes Fahrzeug getötet wurde. Nach letzten Aussagen der Polizei soll niemand Schuld an dem Unfall gehabt haben. Wo stehen wir also wirklich? Braucht das autonome Auto einen zweiten Frühling? Auf Basis eines Expertenbeitrags der Information Services Group (kurz ISG) fasst MyBusinessFuture.com den aktuellen Status Quo zusammen.

 

Da technisch gesehen bereits vieles erprobt ist, kommen viele Fahrzeuge mit immer mehr halbautomatischen Funktionen auf den Markt. Die Tatsache, dass sich mit dem autonomen Fahren der Spritverbrauch reduzieren lässt, eng aufeinander abgestimmte Verkehrslücken benutzt werden können, Zeitersparnisse durch die Vermeidung von Staus entstehen, eine erhöhte Sicherheit durch Car-to-Car-Kommunikation gewährleistet werden kann und sich durch all diese Funktionen viel Geld einsparen lässt ist definitiv ein Fortschritt. Doch wie zuverlässig ist die Technologie wirklich?

Nach dem Unfall folgt nun die Welle der Ernüchterung

Schon jetzt macht sich in den USA eine gewisse Skepsis aufgrund des tragischen Unfalls in Arizona, bei dem ein Fahrradfahrer durch ein autonomes Uber-Fahrzeug letzte Woche tödlich verletzt wurde, breit. Chuck Robbins, CEO von Cisco meldete sich nach dem Unfall mit dem Statement, dass es noch ein sehr steiniger Weg sei, und dass man noch lange Zeit brauchen werde. Leider greifen viele Szenarien erst dann, wenn alle Fahrzeuge automatisiert und vernetzt sind. Es stellt sich also zunehmend die Frage, ob dieses Ziel schnell erreicht werden kann, denn sogar Uber selbst hat jetzt erklärt, dass das eigene Programm für autonomes Fahren bis auf weiteres gestoppt wurde.

Die wahre Herausforderung

Die wahren Herausforderungen liegen in den regulatorischen und weiterhin in den ethischen Fragen. Wichtig ist es nun die Kernfrage zu klären:

 

  • Wer hat schuld am tödlichen Ausgang. Der Halter, das Opfer, das Auto oder der Hersteller?

 

  • Und wer kann unter welchen Umständen haftbar gemacht werden?
Die Vision wird weiterhin verfolgt

Dieser Unfall sollte nicht dazu führen, dass das Thema an sich in Frage gestellt wird.  Denn es bleiben weiterhin die enormen Vorteile, die durch das autonome Fahren ermöglicht werden können. Wir sollten weiterhin offen für dieses Thema bleiben, denn der normale Straßenverkehr ist immer wieder durch Automatisierung, beispielsweise Airbags, insgesamt sicherer geworden. Der Deutschlandchef von Vodafone, Hannes Armetsreiter, sieht das Auto von Morgen als ein Smartphone auf vier Rädern. Er möchte jedes Auto mit einer SIM-Karte ausstatten. Wahrlich keine leichte Aufgabe und dieses Ziel umzusetzen wird tatsächlich noch lange Zeit brauchen. Die SIM-Karten an sich sehen dann, wenn man sie überhaupt noch anfassen kann, sicherlich auch anders aus als heute. Doch die Reise dorthin bringt einen möglichen Gewinn mit jedem neuen Serienmodell.

Stringente Testbedingungen für mehr Sicherheit

Erprobt werden darf dies allerdings nicht mit solch einer Geschwindigkeit auf der realen Straße. Viel zu hoch sind hier die Risiken, dass sich ein solcher Unfall wiederholt. Da mit zunehmendem technologischen Fortschritt auch die Testumgebungen immer besser werden, gibt es guten Anlass dazu, stringente Testbedingungen auch behördlich durchzusetzen. Gerade für Unternehmen die klassischerweise nicht aus der Automobilbranche kommen und weniger mit Unfallsicherheit vertraut sind.

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Dieser Beitrag basiert zu Teilen auf den Pressebeitrag der Information Services Group.

Quelle Titelbild: iStock/ chombosan



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