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Digitalisierung: Banken stehen vor dem bisher größten Umstrukturierungsprozess

06.06.2018, Autor / Redaktion ISG / Tobias Massow

Der digitale Wandel hat für Banken und Sparkassen gerade erst begonnen. Allgemeine Geschäftsmodelle und ganze Wertschöpfungsketten müssen aufgrund der Digitalisierung neu gedacht werden. Beispiele hierfür sind die Deutsche Bank mit der „Strategie 2020“; eine ähnlich ambitionierte Strategieausrichtung der Commerzbank; oder die Kreditanstalt für Wiederaufbau, die seit 2013 ihre IT-Infrastruktur modernisiert.

Alle drei Geldhäuser haben hohe sechsstellige Summen für den Strukturwandel eingeplant, die Deutsche Bank gar eine Milliarde Euro – ein klares Indiz für die hohe Priorität dieser Umstrukturierung, und gleichzeitig den großen Aufwand, den die Unternehmen aus der Branche damit verbunden sehen. ISG hat einen Überblick über die wichtigsten Etappen und damit einhergehende Herausforderungen erstellt.

Banking-Architektur: Die IT-Altsysteme der Banken müssen sich auf die neuen Erfordernisse der strategischen Neuausrichtung und Finanzmarktregulierung einstellen. Unflexible Prozesse und nicht-agile Organisationen sind erhebliche Hürden für Veränderungen. Beim Aufbau digitaler Plattformen und Ökosysteme spielen APIs eine zentrale Rolle, wobei der CIO Erfolgskriterien definieren muss, die den Transformationsprozess auf allen Ebenen treiben.

Banking-IT-Infrastruktur: Banken ersetzen zunehmend ihre als Individualsoftware entwickelten Core-Banking- Systeme. Core Banking Transformation ist ein multidisziplinärer Ansatz, der Geschäftsstrategie, Technologie, Risikomanagement und IT-Compliance einschließt und ist mit erheblichen IT-Investitionen verbunden. Ein Beispielprojekt ist „Magellan 2.0“ der Deutschen Bank und Postbank Systems.

Banking Compliance: Die IT-Infrastruktur der Banken wird zu den kritischen Infrastrukturen gezählt. Wenn externe IT-Beratungen zur Prozessoptimierung hinzugezogen werden, müssen auch diese die Systematik der regulatorischen und rechtlichen Vorgaben analysieren und rechtssichere Prozesse in die IT-Sourcing-Angebote implementieren. Relevant sind insbesondere folgende Standards: das Kreditwesengesetz, die Mindestanforderungen an das Risikomanagement, die Anforderungen an die IT, die Datenschutz-Grundverordnung sowie das IT-Sicherheitsgesetz. ICT-Provider rücken damit immer stärker in den Fokus der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht bzw. der Europäischen Zentralbank.

Banking Data Analytics: In Banken gibt es eine Vielzahl an Use Cases für Analytics Tools, -Methoden und -Technologien. Beispiele sind Fraud Management, Banksteuerung, Risikomanagement, Compliance und personalisiertes Marketing. Die Europäische Zentralbank hat mit dem granularen statistischen Kreditmeldewesen „AnaCredit“ den Fokus der Banken auf neue Reporting-Anforderungen gelegt. Es bietet sich an, AnaCredit mit anderen aktuellen Großprojekten zu verbinden.

Digital Payments: Europäische Institutionen und viele Marktakteure arbeiten an der Vereinheitlichung des europäischen Zahlungsverkehrs, um den Binnenmarkt zu stärken und die Wettbewerbsfähigkeit der europäischen Wirtschaft zu unterstützen. Diese Standardisierungsbestrebungen, die zunehmende Digitalisierung und veränderte Kundenerwartungen erhöhen den Druck auf Banken, Unternehmen und Payment Service Provider, Prozesse, Services und Systeme zu transformieren. Europaweite Zahlungsinstrumente und moderne Infrastrukturen sollten zu neuen attraktiven Serviceangeboten führen und es Banken und Kunden ermöglichen, Effizienzen zu heben.

Erfolgreicher digitaler Wandel nicht ohne strategische Fokussierung

In Deutschland herrscht mit derzeit etwa 1.900 Kreditinstituten im Vergleich zu anderen Ländern immer noch eine extrem hohe Bankendichte. Gleichzeitig bestehen aufgrund stark variierender Unternehmensgrößen und -rechtsformen innerhalb des Sektors sehr unterschiedliche Business- und IT-Strategien. Ein Umstand, der angesichts des digitalen Strukturwandels weiterhin einen besonderen Bedarf an jeweils fokussierten Lösungen und Beratungsansätzen bezüglich Account-, Business- und Marketing Management bedingt.

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Wer dabei den Schwerpunkt auf Markttransparenz und die genaue Kenntnis der Strategien setzt und CIO-Prioritäten, Technologietrends, Werttreiber, Budgets und Entscheidungsstrukturen nicht aus den Augen verliert, ist bestens aufgestellt, dieser Komplexität gerecht zu werden.

Quelle Titelbild: iStock / istock_onespirit

Dieser Beitrag basiert in Teilen auf einem Artikel von ISG.



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