Quelle: iStock / IGphotography
03.05.2024

Bitkom: Hamburg und Berlin sind beim digitalen Länderranking vorn

Nach Veröffentlichung des neuen Smart City Index hat der Branchen- und Digitalverband Bitkom nun auch ein Ranking veröffentlicht, wie weit die 16 deutschen Bundesländer bei der Digitalisierung der Wirtschaft, Infrastruktur, Verwaltung und Gesellschaft sind. Soviel vorab: Die Studie ist für manche Überraschungen gut.

Der digitale Länderindex 2024 von Bitkom analog zu dessen Smart City Index 2023 spiegelt das Digitalranking der 16 deutschen Bundesländer wider. Dazu hat der Branchenverband in vier Teilbereichen über 1.200 Datenpunkte erfasst und mehr als 5.600 Stimmen eingefangen sowie amtliche Bundesstatistiken und Drittstudien ausgewertet. Auf dem ersten Blick sind die beiden großen Stadtstaaten Hamburg und Berlin mit durchschnittlich 73,5 und 71,5 Punkten digital am weitesten.

 

Was die Wirtschaft angeht, ist mit Bremen der dritte Stadtstaat unter den ersten drei; in der Gesamtwertung ist die zweitgrößte Hansestadt aber nur im unteren Mittelfeld. Bei der digitalen Infrastruktur liegen Hamburg, Schleswig-Holstein, Berlin und Niedersachsen vorn, in puncto Governance und Verwaltung sind es Hamburg, Bayern, Sachsen und Hessen. Bei Gesellschaft sind es dagegen, für manchen vielleicht überraschend, Mecklenburg-Vorpommern, das Saarland und Sachsen, gefolgt von Bayern.

 

Bayern – von wegen Laptop & Lederhose

In der Gesamtwertung mit  66,9 Punkten auf Platz 3, ist es Bayern trotz des so stolz getragenen Slogans „Laptop & Lederhose“ oder „Dirndl und Digitalisierung“, wie es heute heißt, nicht gelungen, sich in einer der vier Disziplinen die Krone aufsetzen zu können. Bei Infrastruktur ist es übrigens sogar wie Nordrhein-Westfalen und Baden-Württemberg eher im Mittelfeld, bei Wirtschaft auch nicht viel besser. Dabei können alle drei Flächenländer auf eine große Reihe von namhaften Unternehmen verweisen, die selbst in der IT-Welt oder bei der Digitalisierung schon sehr weit sind.

 

Unter der vergleichsweise neuen Kategorie Gesellschaft zusammengefasst ist der Grad der digitalen Teilhabe und digitalen Kompetenzen in den einzelnen Bundesländern. Da gibt es so wie bei der Verwaltung und Governance relativ wenig Ausreißer, haben sich aber wie gesagt die bevölkerungsarmen Grenzländer Mecklenburg-Vorpommern, Saarland und Sachsen an die Spitze gesetzt.

 

Was Hamburg auf Platz 1 in der Gesamtwertung von den anderen 15 Ländern unterscheidet, sind eine starke digitale Wirtschaft und Infrastruktur. Das Bruttoinlandsprodukt pro Kopf ist mit 69.167 Euro weit vor dem in den anderen Bundesländern, was sich auch im ressortübergreifenden Digitalbudget widerspiegeln sollte, eigentlich. Denn tatsächlich ist das mit 298 Millionen Euro hinter den 404,71 Millionen in Schleswig-Holstein und 326,47 Millionen in Berlin.

 

Bei den Haushaltsmitteln für die Digitalisierung der Verwaltung ist Nordrhein-Westfalen mit rund 1.431 Millionen Euro führend, gefolgt von Berlin mit 812,33 Millionen Euro und Hamburg mit knapp 545 Millionen Euro. Die größten Haushaltsmittel für die Digitalisierung von Schulen stellen Baden-Württemberg und Schleswig-Holstein bereit. Die bayerischen Schulkinder gehen da 2024 leer aus, konnten aber in den beiden Vorjahren gut von Digitalisierungsetats profitieren. Thüringen stellt konstant nur 3,0 Millionen Euro für die Digitalisierung der Schulen zur Verfügung, hat aber auch nur rund 2,13 Millionen Einwohner und hat für die Digitalisierung der Verwaltung immerhin genau 100 Euro pro Kopf vorgesehen.

 

Fazit und Meinung: Schaut man sich die Übersicht mit der Gesamtwertung und den farblich markierten Einzeldisziplinen an,  gibt es wohl vor allem bei Wirtschaft und Infrastruktur in manchen noch so manchen Nachholbedarf. Erstaunlich scheint, wie weit Schleswig-Holstein bei der Infrastruktur ist, denn unter den alten Bundesländern galt es lange Zeit als eines der armen Schlusslichter. Reist man heute aber durch das meerumschlungene nördliche Bundesland, fällt auf, wie sehr es gelungen ist, neben der digitalen Transformation auch die Energiewende voranzutreiben. Dazu gehört auch die Überwindung von Widerständen gegen 5G-Antennen, Windparks und neu gebauten Stromtrassen. Kein Wunder, dass Bayern dahingehend mit seiner wehrhaften Bevölkerung und Windkraft verhindernden 10H-Regel infrastrukturell im Mittelfeld ist. Beim Photovoltaikausbau nimmt Bayern nach Nordrhein-Westfalen laut Solarbranche.de aber immer noch einen Spitzenplatz ein. Das ist ein wichtiger Beitrag, neben der digitalen Transformation auch die Energiewende voranzubringen. Beide sind gigantische Vorhaben, die nur gemeinsam und nicht gegenseitig zu schaffen sind.

 

 

Quelle Titelbild: iStock / IGphotography